Schlotterbeck hatte nach seiner langen Zwangspause wegen einer Knieoperation maßgeblichen Anteil, dass es zuletzt defensiv besser lief. Der Dortmunder hatte am Samstag in der Bundesliga-Partie beim Hamburger SV einen Schlag auf den Fuß bekommen, die Wunde musste getackert werden.
Zunächst hatte der Innenverteidiger selbst Entwarnung gegeben und als Football-Fan am Sonntag die NFL-Partie der Indianapolis Colts gegen die Atlanta Falcons in Berlin besucht. Nach der Anreise nach Wolfsburg hatte sich aber Nagelsmann pessimistisch geäußert: "Ich habe nur ein Bild vom Fuß gesehen. Das sieht jetzt nicht überragend gut aus, ehrlich gesagt."
Natürlich hat der Offensivdenker Nagelsmann nicht von seiner Tore-Philosophie abgeschworen. Die DNA bleibt nach vorne ausgerichtet. Doch ein neuer Weg soll zum Ziel führen. Die Formel lautet Angriffskraft durch Defensivpower. "Da muss man schon wieder hinkommen, eben ein gutes Gleichgewicht zwischen der defensiven Stabilität und aber auch der nötigen Offensivpower zu kriegen", sagte Nagelsmann. Die Anfälligkeiten, besonders beim 3:3 gegen Italien und dem bitteren 1:2 gegen Portugal, waren echte Tiefschläge.
Gegentorschnitt raste in die Höhe
Sein Handeln begründet sich somit aus den Erkenntnissen der diversen unbefriedigenden Auftritte von März bis September, als die Gegentorquote pro Spiel (1,83) in die Höhe schnellte. Im EM-Jahr 2024 lag sie noch bei 0,77 und damit sogar unter dem Schnitt aus dem WM-Sieg-Jahr 2014 (0,81).
Drei Spiele ohne Gegentor in Serie gelangen Nagelsmann als Bundestrainer noch nie. David Raum, als neue Stammkraft als linker Außenverteidiger, spürt schon den ersten Ertrag der Arbeit. "Verteidigen ist immer wichtig, vor allem, dass alle verteidigen. Ich glaube, das war unsere Priorität auch in den letzten zwei Länderspielen, dass wir sehr, sehr gut verteidigen", sagte der Leipziger.
Gegen Nordirland führte die robuste Arbeit zum 1:0-Ertrag. Raum ist aber vor allem eine Szene aus dem vorangegangenen Spiel als stilprägend in Erinnerung, als Offensivmann Serge Gnabry "ganz vorne losläuft und hinten abgrätscht". Der Gegner damals: Luxemburg, das Ergebnis: 4:0.