Vereinzelte Weltklasseleistungen von Neuer in der Champions League lösten immer wieder eine öffentliche Debatte um den Keeper aus. Experten und auch Ex-Nationalspieler äußerten, dass auch der beste Torwart bei der WM spielen müsse. Gegen Neuer spricht freilich eine vermehrte Verletzungsanfälligkeit im Alter. Eine Wadenblessur behindert ihn aktuell kurz vor dem DFB-Pokalfinale mit dem FC Bayern am Samstag in Berlin gegen den VfB Stuttgart.
Wie anstrengend die vergangenen Wochen für ihn waren, machte Nagelsmann deutlich. "So eine Nominierung ist schwieriger als das Turnier selbst. Meine Rübe war gestern Abend Matsche", sagte er. "Fiese Gespräche" habe er bei den Absagen führen müssen. Nach vielen öffentlichen Debatten und Indiskretionen, die wie im Falle des Kölners Said El Mala, der doch nicht zur WM fährt, nicht zutrafen, blickt Nagelsmann nun aber nach vorn.
Vorbereitung startet in Franken
Am Mittwoch kommender Woche startet das Vier-Tage-Trainingslager in Herzogenaurach. Nach dem Test gegen Finnland in Mainz am 31. Mai geht es zwei Tage später nach Chicago, wo am 6. Juni die WM-Generalprobe gegen Co-Gastgeber USA folgt.
In der Gruppenphase spielt die Nationalmannschaft am 14. Juni in Houston gegen Curaçao, am 20. Juni im kanadischen Toronto gegen die Elfenbeinküste und am 25. Juni in East Rutherford gegen Ecuador. Das Teamquartier wird in Winston-Salem im US-Bundesstaat North Carolina bezogen.
Neuer letzter Rio-Champion
Da der Freiburger Matthias Ginter den Sprung in die Auswahl nicht schaffte, ist Neuer der einzige verbliebene Weltmeister von 2014. Eine Kehrtwende im Fall Neuer schien lange ausgeschlossen, doch in der Vorwoche sickerten erste Infos durch. Dass sein öffentliches Vorgehen in der Debatte immer perfekt gewesen sei, wollte Nagelsmann nicht behaupten. Dennoch sei er mit seiner Kommunikation weiterhin im Reinen.
Angeführt wird das Aufgebot von Kapitän Joshua Kimmich. Seine Stellvertreter Kai Havertz und Antonio Rüdiger sind nach langen Verletzungen rechtzeitig wieder in WM-Verfassung, wie auch der Dortmunder Felix Nmecha und Jamal Musiala, der für Nagelsmann auch mit "95 Prozent zu den besten auf dem Planeten" gehöre. Jüngster Akteur im Aufgebot ist Bayern-Teenager Lennart Karl mit 18 Jahren und der Erfahrung von zwei Länderspielen.
Sieben Bayern-Spieler als größter Block
Den Sprung ins Aufgebot schafften die in diesem Jahr bisher nicht berücksichtigten Maximilian Beier und Nadiem Amiri. Für den Münchner Tom Bischof war hingegen kein Platz frei. Dennoch stellt der FC Bayern mit sieben Spielern den größten Block vor vier Stuttgartern und vier Dortmundern.
Die Nominierung des in Fankreisen teils harsch kritisierten Leroy Sané wurde von Nagelsmann verteidigt. Der 30-Jährige sei ein Spieler, der "kontrovers diskutiert wird", sagte der Bundestrainer, weil er manchmal "eine gewisse Ausstrahlung hat". Er traue sich aber zu, Sané so zu kitzeln, "dass am Ende der WM deutlich mehr positive Stimmen über ihn fallen als negative". Der Offensivstar starte "vielleicht erst mal" in einer Herausforderer-Rolle ins Turnier.