Kimmich und die "größere Verantwortung"
Übersetzt heißt das: Deutschland braucht wieder eine Turnier-Mannschaft. Erstmals wird Kimmich bei einer Endrunde an der Spitze der DFB-Elf stehen. "Generell hat man als Kapitän eine größere Verantwortung für das große Ganze", sagt er zur neuen Rolle: "Ich spüre deshalb aber keinen Druck, sondern empfinde Stolz. Es ist für mich noch mehr Motivation, diese besondere Aufgabe innerhalb der Mannschaft und für die Mannschaft zu haben."
Kimmich ist - neuerdings wieder als rechter Verteidiger - fixer Bestandteil in Nagelsmanns WM-Elf, die in Abwehr, Mittelfeld und Offensive noch etliche Fragezeichen aufweist. Und ein ganz spezielles im Tor. Seit Jahren wartet der 33 Jahre alte ter Stegen auf ein großes Turnier als Nummer 1. Doch nach einer schweren Knieverletzung und einer Rücken-Operation gefährdet im WM-Jahr der Verlust des Nummer-1-Status beim FC Barcelona ter Stegens Traum.
Nagelsmann hat klare Vorgaben gemacht: "Wichtig ist, dass Marc spielt. Die Situation ist nicht super-easy. Wir hoffen, dass er Stammkeeper wird bei einem Club." im Gespräch für die notwendige Spielpraxis ist bei ter Stegen eine Leihe innerhalb der spanischen Liga zum FC Girona.
Das Torhüter-Thema bleibt heiß
Teamsenior Oliver Baumann (35) hat sich in der WM-Quali derweil als verlässlicher und im Team anerkannter Ersatz etabliert. Ein DFB-Comeback von Deutschlands Rekordtorhüter Manuel Neuer (39) ist weiterhin nicht geplant. Trotzdem: Das Torhüter-Thema ist garantiert noch nicht auserzählt.
Nagelsmann wird kluge Entscheidungen treffen müssen, um ein DFB-Team zu formieren, das den WM-Favoriten um Europameister Spanien, Titelverteidiger Argentinien, Rekordweltmeister Brasilien, den Engländern um Harry Kane oder den womöglich schon im Achtelfinale als Gegner drohenden Franzosen auf Augenhöhe begegnen kann. Die fünf aufgeführten Teams nehmen in der FIFA-Weltrangliste die Top-Plätze ein, klar vor Deutschland an Position neun.
"Die Weltrangliste hatte eine Relevanz für die Lostöpfe und gibt nicht automatisch den Kreis der Favoriten auf den Turniersieg vor", kommentiert Kimmich: "Daher schaue ich nicht auf die Weltrangliste. Wir schauen auf uns."
Mitentscheidend dürfte sein, wer die speziellen Bedingungen bei dem Rekord-Turnier in drei Ländern mit 48 Teams, 104 Spielen und 39 Tagen Dauer mit weiten Reisen, klimatischen Herausforderungen und teils frühen Anstoßzeiten am besten bewältigt. Den "logistischen Herausforderungen" müssten "sich aber auch alle anderen Mannschaften stellen", bemerkt Kimmich, der mit dem FC Bayern bei der Club-WM 2025 wertvolle Erfahrungen sammeln konnte.
"Man konnte merken, dass der Fußball in den USA nicht die Sportart Nummer eins ist und andere Sportarten im Ranking weiter vorne stehen. Daher ist die Club-WM wahrscheinlich nicht mit dem zu vergleichen, was uns in diesem Sommer erwartet", glaubt Kimmich. Er ist gespannt: "Die Amerikaner sind dafür bekannt, dass sie Events sehr groß und spektakulär gestalten können. Und daher gehe ich davon aus, dass auch diese WM spektakulär wird."