Fußball-Nachwuchs Kräfte bündeln für mehr Talente

Vier für ein Ziel: Doreen Brandt, Maximilian Döll, Christian Hutterer und Danny Stadler (von links) sind die Initiatoren des geplanten Nachwuchs-Fördervereins. Foto: /privat

Ein Junioren-Förderverein soll künftig talentierten Nachwuchs-Fußballern aus der Region die Chance bieten, leistungsbezogen Fußball zu spielen und ihren Trainern auch eine andere Form der Talentförderung ermöglichen.

Man kennt sie auch in Thüringen schon – die Nachwuchs-Fördervereine im Fußball. Der JFV Eichsfeld Mitte in Nordthüringen etwa ist ein Beispiel für eine erfolgreiche Arbeit auf diesem Gebiet. Konkrete Bestrebungen zur Gründung eines solchen Vereins gibt es auch in unserer Region. Es sollen Kräfte gebündelt und talentierten jungen Fußballern soll die Chance gegeben werden, höherklassig aktiv zu sein. „Ein Junioren-Förderverein dient dazu, talentierte Nachwuchsfußballer aus der Region hier zu halten. Ihnen wird angeboten, leistungsbezogen zu trainieren und zu spielen und ihnen somit wohnortnah eine andere Form der Talentförderung zu ermöglichen. Wer das anders sieht, hat das Konzept nicht verstanden“, so Doreen Brandt vom FSV Viernau, die zu den Initiatoren gehört. „Der JFV soll als zusätzliches Angebot angesehen werden. Es besteht kein Zwang seitens der beteiligten Stammvereine, Spieler abzugeben.“ Diese Entscheidungen würden allein die Spieler und ihre Eltern treffen.

Die ersten Gedanken an einen solchen Verein lägen schon einige Jahre zurück, berichtet Brandt. Die Grundidee habe einst Christian Hutterer gehabt (heute Trainer beim Herpfer SV), mit dem Doreen Brandt in der Nachwuchs-Spielgemeinschaft SG Steinbach-Hallenberg/Viernau sehr gut zusammengearbeitet hat. Unterstützung fanden sie in Maximilian Döll aus Steinbach-Hallenberg und seit knapp eineinhalb Jahren gibt es mit Danny Stadler aus Floh-Seligenthal einen weiteren sehr engagierten Mitstreiter. Das Vorantreiben des Projektes sei durch die Corona-Pandemie schwierig gewesen und habe gestockt, erklärt Doreen Brandt. Aber nun sei man so weit, an die Vereinsgründung zu gehen.

Vorstellig geworden

Mit ihrer Idee waren die Initiatoren auch bei Vereinen aus der Region vorstellig geworden. Und wie sich zeigte, besteht auch reges Interesse. Seitens des FSV Viernau und des FSV Floh-Seligenthal gibt es bereits Zusagen, an dem Projekt mitzuwirken. Aber auch andere Vereine wie der FC Steinbach-Hallenberg, der SV Stahl Brotterode-Trusetal, der FSV Mittelschmalkalden und auch der VfB Hachelstein Asbach sind bzw. waren in die Gespräche eingebunden. Allerdings ist nicht jeder angesprochene Verein von dem Konzept überzeugt.

Auch mit dem Thüringer Fußball-Verband (TFV) habe man schon gesprochen. „Wir hatten einen sehr guten Austausch mit dem TFV. Der Verband ist offen für solche Vereinsstrukturen und sieht unser Projekt positiv. Man war überrascht, wie weit wir schon sind mit den Vorbereitungen“, so Maximilian Döll. Aber es gibt auch Gegenwind, denn der FC Steinbach-Hallenberg wird sich nicht beteiligen. Da seien die Bedenken letztlich zu groß gewesen, so Doreen Brandt.

Ein Problem, das in Spielgemeinschaften immer wieder auftaucht, sind die Versuche von den höherklassig in einer Spielgemeinschaft angesiedelten Vereinen, die besten Akteure der unterklassigen Gemeinschaften abzuwerben. Dies wird im Konzept des JFV ausgeschlossen. „Solche Dinge soll es nicht geben. Da werden klare Vereinbarungen getroffen“, erklärt Doreen Brandt. Man müsse begreifen, dass sich der neue JFV nicht als Konkurrenz zu den bestehenden Vereinen profilieren und deren Ressourcen schwächen will. „Vielmehr ist das Gegenteil der Fall, denn alle beteiligten Gemeinschaften werden letztlich vom JFV profitieren. Wir stärken die Vereine also“, meint Danny Stadler dazu. Die Vereinsleitung soll neben dem Vorstand aus einem Aufsichtsrat bestehen, in dem jeder Stammverein einen Sitz hat. Alle dortigen Stimmen haben das gleiche Gewicht, unabhängig von Spieleranzahl und finanzieller Beteiligung des jeweiligen Vereins. Wichtig sei, dass sich die beteiligten Vereine mit dem Projekt identifizieren. Dazu gehöre natürlich auch Kompromissbereitschaft.

Obwohl die maßgeblichen Initiatoren im Haseltal sitzen, wird dort nicht zwingend der Trainings- und Spielort sein. Vielmehr gebe es zwei Möglichkeiten. Einmal könne es ein zentraler Spielort sein, zudem die beteiligten Vereine jeweils die kürzeste Anreise haben. Oder die Trainings- oder Spielorte werden den Sportanlagen der Stammvereine rotierend zugeordnet. Hier seien die Planungen noch nicht abgeschlossen, so der Tenor. Und die Zeit drängt auch noch nicht so sehr, da der JFV in der kommenden Saison noch nicht in den Spielbetrieb eintreten will. Vielmehr steht für 2022 die Vereinsgründung ins Haus und ab der Saison 2023/24 soll dann der Ball rollen. „Wir sind bestrebt, den nach der Vereinsgründung zur Verfügung stehenden Spielern ab dem Frühjahr 2023 eine Möglichkeit geben zu können, das Training aufzunehmen“, sagt Maximilian Döll.

Auf eigenen Füßen

Der Junioren-Förderverein wird finanziell auf eigenen Füßen stehen. Die beteiligten Vereine leisten beim Beitritt eine Einmalzahlung und pro Spieler werde eine Pauschale fällig, heißt es. „Ansonsten entstehen den Vereinen keine Kosten und sie werden auch nicht anderweitig geschwächt. Wir bauen auf eigene und überregionale Sponsoren und konnten auch schon einige für uns gewinnen“, berichtet Danny Stadler. „Wir werden auch eigene Trainer und Schiedsrichter haben“, ergänzt Maximilian Döll.

So gilt es momentan nur noch, alle Dinge zu erfüllen, die gemäß der Jugendordnung des TFV bei der Gründung eines solchen Nachwuchs-Fördervereins gefordert sind. Mindestens zwei Vereine müssen den dann rechtlich eigenständigen Verein gründen, was in diesem Fall schon gegeben ist (FSV Viernau, FSV Floh-Seligenthal). Außer dem Antrag zur Aufnahme in den TFV muss der Verein auch beim Landessportbund aufgenommen werden. Bei Aufnahme des Spielbetriebs müssen mindestens drei Altersklassen (A- bis D-Junioren) besetzt sein.

Dass eine Vereinsgründung immer schwierig ist, in der momentanen Zeit noch problematischer, ist allen Beteiligten bewusst. Und wenn alles im Laufen ist, gibt es auch keine Bestandsgarantie. „Klar kann das Projekt auch scheitern. Aber wenn wir es lassen, machen wir uns irgendwann den Vorwurf, dass wir es nicht versucht haben“, sagt Doreen Brandt.

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