Fußball Mittelthüringen KFA stößt Strukturdiskussion an

Auch in Mittelthüringen – unser Foto zeigt eine Szene aus der Kreisoberliga-Partie zwischen dem FSV 1928 Gräfinau-Angstedt (in blau) und dem FSV Gräfenroda – scharren die Kicker vor dem Punktspielstart am Wochenende mit den Hufen. Foto: Vanessa Greßler

Im Fußballkreis Mittelthüringen gibt es aktuell zwei gegenläufige Tendenzen: Die Zahl der Männermannschaften geht zurück, die der Nachwuchsmannschaften wächst. Das hat Konsequenzen.

„Wir müssen ... zu einer relativen Normalität zurück kommen.“ Diesen Satz von Sven Wenzel (Großobringen), den Vorsitzenden des Spielausschusses beim KFA Fußball Mittelthüringen, hätte man getrost als Motto über die gesamte Saisoneröffnungskonferenz 2022/23 des Fußballkreises am Samstag in Bad Blankenburg stellen können (obwohl er sich konkret nur auf den Umgang mit neuerlichen Corona-Ausbrüchen bezog, für die der KFA ausdrücklich keine feste Mindestzahl an „übrig gebliebenen“ spielfähigen Akteuren ausgeben will, um nicht zu viele Nachholspiele zu haben, die dann kaum zu terminieren wären). Denn: Nach zwei Jahren Pandemie-Fußball mit allen möglichen Sonderregelungen ist die Sehnsucht nach einer „normalen“ Punktspielsaison, das wurde an diesem Vormittag allenthalben deutlich, sehr groß.

Dazu gehört übrigens auch, die Play-off und Play-down-Variante in der Männer-Kreisoberliga aus der letzten Spielzeit, so erfolgreich sie letztlich auch war, als einmalige Ausnahme wieder ins Regal zu legen: Die „Nebengeräusche“, vor allem vor dem Übergang in diese zweite Saisonphase, seien zu groß gewesen, hieß es dazu.

Das Problem, das auf den Mittelthüringer Männerfußball zukommt, ist ein anderes: Bereits seit Anfang 2020 ist die Zahl der gemeldeten Mannschaften rückläufig. Das kommt auch durch die zunehmenden Spielgemeinschaften. Derzeit sind es zwölf und damit eine mehr als letzte Saison.

Die SG Niederwillingen/Stadtilm wurde wieder aufgelöst, dafür kamen die SG Böhlen/Langer Berg und die SG Niederkrossen/Orlamünde dazu. Außerdem wurden die SG Großbreitenbach/Gehren/Neustadt und die SG Oberweißbach/Unterweißbach/Mellenbach-Sitzendorf um jeweils einen Verein erweitert. „Wir müssen uns Gedanken machen, ob unter diesen Umständen unsere Spielklassen-Struktur noch stimmt“, so Wenzel dazu. Immer weniger Mannschaften pro Staffel heißt nämlich: Immer weniger Fußball für die dortigen Spieler. „Bei nur noch zehn bis acht Mannschaften pro Staffel findet de facto von Anfang November bis Mitte März kein Fußball mehr statt. Verlieren dann vielleicht zu viele Spieler deswegen die Lust, Fußball zu spielen?“ Der KFA will daher eine Diskussion darüber anstoßen.

Etwa, ob die Kreisoberliga von 16 auf 14 Mannschaften reduziert werden sollte. Bereits nach der Saison 2022/23 könnte sie nur noch 15 haben – nämlich dann, so die Auf- und Abstiegsregel, wenn es keinen oder nur einen Landesklasse-Absteiger gibt.

Ein anderes Thema ist die Auflösung der 2. Kreisklasse. Sie stand in diesem Frühjahr schon mal auf der Tagesordnung beim KFA, doch mit dann sieben Staffeln 1. Kreisklasse hätte es beim Auf- und Abstieg zur Kreisliga nicht mehr gepasst.

Schließlich gibt es auch Überlegungen, die II. und III. Mannschaften eines Vereins irgendwie in den Pokal zu integrieren, ggf. sogar mit einem eigenen Wettbewerb. Denn auch das wäre eine Möglichkeit, unterklassigeren Teams mehr Wertungsspiele pro Saison zu anzubieten. Im Nachwuchsbereich ist die Zahl der Mannschaften dagegen um über zehn, auf jetzt 261, gestiegen.

„Das ist Ausdruck stabiler Vereinsstrukturen und ehrenamtlichen Engagements“, lobte der KFA-Vorsitzende Ralf Hanemann (Weimar). Doch es gibt zwei Probleme, die daraus erwachsen: Erstens werden die Plätze, auf denen diese Mannschaften dann auch spielen können, langsam knapp. Krassestes Beispiel ist der Kunstrasenplatz auf dem Weimarer Lindenberg, bei dem schon jetzt ein „Overbooked“ droht.

Auch weil zweitens dieser Anstieg gemeldeter Mannschaften vor allem die jüngeren Altersklassen betrifft. Und hier gibt es neue Tendenzen: Während etwa bei den D-Junioren wieder die eingleisige Kreisoberliga eingeführt wird, gibt es ab sofort bei den E-Junioren keine solche mehr: Nur noch sieben Mittelthüringer Vereine wollten darin spielen – das war noch vor wenigen Jahren ganz anders, reicht aber jetzt natürlich nicht mehr für eine eigene Staffel. So gibt es nun nur noch die E-Junioren-Kreisliga mit sechs Staffeln zu je zehn Teams.

Ohnehin soll ja ab 2024 der Kinderfußball mit seinen neuen Spielformen – beispielsweise drei gegen drei auf vier Tore (!) – eingeführt werden, und zwar bis hinauf zu den E-Junioren. Speziell Letzteres stößt im Fußballkreis Mittelthüringen auf breiten Widerstand. Zitat: „Wir wollen den Kleinfeldfußball in diesem Altersbereich nicht töten!“ Thomas Schmidt (Zottelstedt), der Vorsitzende des KFA-Jugendausschusses, kündigte deshalb ein Treffen mit Vereinsvertretern für den Winter an, auf dem beraten werden soll, wie diese neue Variante speziell im E-Junioren-Bereich umzusetzen wäre.

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