Fußball, Landesklasse Wir wollen positiv gestimmt sein

Thomas Dröge
Auf die Routiniers, wie hier Stefan Kirchner (rechts), zählt Andreas Herberg, Trainer der SG SV Borsch besonders. Foto: Heiko Matz

Trainer Herzberg dankt den Routiniers

Bad Salzungen -

Nach elf Spielen belegt die SG SV Borsch mit 28 Punkten den zweiten Tabellenplatz. Der Liga-Primus , die SpG Schweina, verfügt ebenfalls über 28 Zähler, weist mit einem Plus von 24 jedoch das bessere Torverhältnis auf. Während sich die Glücksbrunner torhungriger präsentierten, agierten die Rhöner zumeist als Minimalisten. Sie trafen 29-mal, mussten aber nur elf Gegentore hinnehmen. Neun Siege, ein Remis und eine Niederlage weist die beachtliche Bilanz der Rhöner auf, sieben weniger als der Klassenprimus, der freilich das direkte Duell in Borsch mit 3:2 Toren zu seinen Gunsten entschied. Mit René Melzer, der 15 mal traf, steht der bisher erfolgreichste Torschütze in den Reihen der Herzberg-Elf. Allerdings folgt der Schweinaer Patrick Schellenberg mit 14 Toren auf Rang zwei. Nichts ist entschieden.

Herr Herzberg, wie geht es Ihnen persönlich in dieser angespannten Zeit?

Vielen Dank der Nachfrage. Ich bin zufrieden. Meinen Lieben und mir geht es gut.

Was meinen Sie, in welchen Bereichen hat Ihre Mannschaft die größten Fortschritte in den vergangenen Monaten gemacht, wo sehen Sie Reserven, die es zu erschließen gilt?

Mit dem Wort Fortschritt tue ich mich etwas schwer. Wir haben es geschafft, unseren Standard zu halten. Unter den Bedingungen, die alle in der zurückliegenden Zeit behindert haben und dem Fakt, dass wir auf vier Spieler mit Landesklassenniveau ( Becker, Seimel, Wagner, Kimpel ) verzichten müssen, ist das schon recht ordentlich. Unser Kader ist nun auch nicht so fett, dass wir solche Spieler aus dem Ärmel schütteln können. Ständig mussten wir unsere Formation ändern, Spieler der 2. Mannschaft bzw. A-Junioren mit nominieren, damit wir spielfähig waren. Dass dann alles so gut harmoniert hat, kann man vielleicht als Fortschritt bezeichnen. Aber in diesem Verein hilft man sich. Das konnte ich Woche für Woche erleben.

Reserven gibt es ohne Ende. Für meine, unsere Spielphilosophie bedarf es der Akteure, die unter Zeit und Gegnerdruck ansprechende Lösungen finden. Das hängt natürlich vom eigenen Handwerk ab, zum anderen aber vom Beherrschen individueller Automatismen. Ballsicherheit, Passspiel, Technik helfen dir in engen Spielsituationen. Den Ball weghauen kann jeder. Diese Attribute müssen immer und immer wieder trainiert werden. Und da sind wir am entscheidenden Punkt. Unter den Bedingungen des blutigen Amateursports ist das mit der Trainingsbeteiligung so eine Sache. Da würden unsere Reserven liegen, könnten wir sie forcieren.

Welche Spieler haben sportlich den größten Sprung nach vorn gemacht?

Stellvertretend für alle möchte ich Riccardo Fladung nennen. Er ist extrem ambitioniert und trainingsfleißig. Sein Job erlaubt ihm das zum Glück. Aber der Junge ist immer da und echt lernbegierig. Das hat ihn für die ersten 8-9 Spiele in die Anfangsformation gespült,weil wir für ihn die passende Position gefunden haben. Aber auch er muss jetzt lernen, sich wachsender Konkurrenz zu stellen. Und dann will ich noch Felix Höhn erwähnen. Einer der jungen Wilden aus den A- Junioren. Am Anfang nominiert, weil wir einfach elf Spieler brauchten, hat er sehr gute Leistungen angeboten und sich als gute Alternative im Offensivspiel gemausert. Aber das ist nur der erste Schritt. Er muss nun versuchen, sich in dieser Mannschaft zu etablieren. Keine leichte Aufgabe bei der Konkurrenz, die da nach der Winterpause, wenn alle wieder gesund sind, auf ihn wartet. Aber ich habe lange genug in der Talentförderung gearbeitet, um zu erkennen, dass er mit seiner guten Einstellung noch weit kommen kann. Auch René Melzer macht mir Spaß. Er hat sich früh an das Niveau der Spielklasse und auch auf das Niveau der Mannschaft einstellen können. Er ist sehr schnell und hat einen guten Torabschluss, Talent eben. Ich hoffe, er konzentriert sich nicht zu sehr auf die Torjägerstatistik. Er muss sein Spiel gegen den Ball verbessern. Anleitung dazu wird er bekommen.

Wie sehr haben sich die Pandemie und die sich daraus ergebenden Einschränkungen aus Ihrer Sicht auf die Entwicklung der Spieler und der Mannschaft ausgewirkt?

Das ist bei uns genauso wie in anderen Vereinen. Die erfahrenen und etablierten Spieler haben sich schnell wieder gefunden und können weiterhin auf ihr Repertoire zurückgreifen. Den jungen und talentierten Spielern fallen die Einschränkungen auf die Füße, im wahrsten Sinne des Wortes. Was ihr Fußballleben betrifft, ist das leider vergeudete Lebenszeit. Sie brauchen Training und vor allem Erfahrungen ohne Ende. Die bekommen sie nicht vor dem Fernseher bei Bayern gegen Dortmund.

Wie lautet Ihr Gesamtfazit nach elf Spielen?

Wir sollten positiv gestimmt sein. Wir sind wieder mit im oberen Teil der Tabelle. Unser eigentliches Augenmerk liegt aber auf der zukünftigen Entwicklung der Mannschaft. Michael Simon hat einen tollen A-Juniorenjahrgang geformt. Mindestens sieben bis acht Spieler haben das individuelle Rüstzeug, ernsthaft an die Tür zu 1. Mannschaft anzuklopfen. In fast jedes Spiel haben wir zwei, drei von diesen Jungs eingebaut. Manchmal aus Not, manches mal aber auch nicht. Und trotzdem stehen wir da, wo wir stehen. So falsch kann das alles nicht gewesen sein. Wir haben in dieser Saison lediglich zwei Spiele verloren, einschließlich Vorbereitungs- und Pokalspiele.

Was erhoffen Sie sich in der zweiten Saisonhälfte von Ihrer Mannschaft?

Dass wir genau diesen Prozess weiterentwickeln können. Für diesen Plan sind unsere Haudegen, die uns schon seit Jahren die Treue halten, unersetzbar. Die Bereitschaft eines Stefan Kirchner, der beiden Kraus-Brüder, von Lorenz Wiegand oder Martin Gimpel ist ein großes Pfund, mit dem wir wuchern können. Trotz starker beruflicher Belastungen und teilweise anderen Lebensmittelpunkten in ganz Deutschland sind sie da und leiten die Jungen mit an. Der Verein kann ihnen nicht dankbar genug sein, den Widerständen trotzend die Stange zu halten. Und unser Kapitän Marius Bittorf treibt alle an. Die Jungen wie die Alten. So erhoffe ich mir auch in der zweiten Saisonhälfte erfolgreiche Spiele mit einer tollen Mannschaft und einem tollen Umfeld. Wir werden aber nicht alles dem Erfolg unterordnen. Es werden mehr A-Junioren eingebaut, um unseren Entwicklungsprozess zu forcieren. Ganz nebenbei erhöht das die Konkurrenzsituation in der Mannschaft. Das wird so manchem Spieler nicht so schmecken, mir aber umso mehr.

Corona wird auch im neuen Jahr das gesellschaftliche Leben beeinflussen. Wie kann aus Ihrer Sicht trotzdem der Spielbetrieb reibungslos vonstattengehen?

Diese Frage kann ich nicht beantworten. Keiner weiß, wie sich alles entwickelt. Je mehr geimpft sind, um so positiver könnte man in die Zukunft blicken. Der Thüringer Fußball-Verband ist abhängig von der großen Politik. Ich hoffe, dass die neue Regierung wirkungsvolle Maßnahmen ergreift, die die Mehrzahl der Menschen akzeptieren und mittragen. Allen kann man es nie recht machen. Aber ich würde mich dieses Mal sehr freuen, wenn die Saison vollständig zu Ende gespielt werden kann und nicht irgendwelche Rechenmodelle strapaziert werden müssen.

Wo sehen Sie Ihren Verein in den nächsten Jahren in der Thüringer Fußball-Landschaft?

Auf die nächsten Jahre bezogen würde ich in Ihrer Zeitung gerne lesen: Die Spielgemeinschaft SV Borsch/Geismar etabliert sich in der Thüringenliga.

Wie organisieren Sie gegenwärtig das Training oder haben die Spieler bereits „Winterurlaub“?

Solange das Wetter es zulässt, sind wir auf dem neuen Kunstrasenplatz zweimal die Woche aktiv, wofür wir sehr dankbar sind. Bei diesem Untergrund brauchen wir die Halle nicht.

Wann denken Sie wieder in die Vorbereitung starten zu können?

Das hängt davon ab, wann die Rückrunde beginnt. Das wird, wenn die Entwicklung der Coronaproblematik es zulässt, relativ früh sein. Zwei Spieltage sind ja nachzuholen. Bis dahin ist ungezwungenes Training angesagt und die Jungen haben weiterhin die Herausforderung, im Spiel Jung gegen Alt mal als Sieger vom Platz zu gehen.

 

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