Fußball kurios Nominiert fürs „Kacktor des Monats“

Gelernter Verteidiger, seit eineinhalb Jahren erfolgreicher Stürmer und vielleicht schon bald der Kacktor-Schütze des Monats: Vachas Martin Walter. Foto: Heiko Matz

Manche schießen das „Tor des Monats“, andere das „Kacktor des Monats“. Martin Walter vom VfB 1919 Vacha wurde von Fußballfachmann Arnd Zeigler für Letzteres nominiert.

Vacha - Wenn ein Spieler aus der Fußball-Kreisoberliga Westthüringen plötzlich in einer Hit-Liste mit einem nicht gerade als Fliegenfänger bekannten Bundesliga-Torwart auftaucht, muss etwas Großes im Gange sein. Martin Walter vom VfB 1919 Vacha und Lukas Hradecky von Bayer 04 Leverkusen haben beide etwas gemeinsam. Beide sind für einen Preis nominiert, den nur wenige Fußballer in ihrer Karriere abstauben: Das Kacktor des Monats.

Am späten Sonntagabend sind der Thüringer Walter und Bayer-Schlussmann Hradecky zwei Hauptdarsteller in der WDR-Sendung „Zeiglers wunderbare Welt des Fußballs“. In einer Rubrik, die bei Fußballern wohl eher die Schamesröte als pure Freude ins Gesicht treibt. Seit 2007 schaut Fußballfan Arnd Zeigler Woche für Woche auf den kleinen und großen Fußball. Auf die Geschichten auf und neben dem Platz.

Und was wäre eine Fußballsendung ohne Tore. Aber für Arnd Zeigler ist Fußball eben nicht nur König, Hochglanz und Grazie, sondern eben genauso Leidenschaft, Dreck und manchmal einfach auch schlichtes Unvermögen. Wohl auch deshalb wird in der WDR-Sendung nicht das Tor des Monats gekürt, sondern als quasi Pendant das „Kacktor des Monats“, weil jene Einlagen zwischen Slapstick und blödem Zufall gleichermaßen für Unterhaltung sorgen wie artistische Fallrückzieher in den Giebel. Je unterdurchschnittlicher und unattraktiver der Treffer, desto besser, heißt es dazu auf der Internetseite der Fußball-Show.

Martin Walter selbst hatte mit der Kreisoberliga-Partie gegen den FC Eisenach II eigentlich schon abgeschlossen. Obwohl das letzte Heimspiel der Werrataler vor dem erneuten Lockdown doch kein Spiel wie jedes andere war. Nicht nur wegen Corona und dem Stoppschild, das das Virus dem Amateursport danach einmal mehr vor die Nase setzte.

Der achte Spieltag am 1. November ging in die Geschichte des 101-jährigen Vereins ein. Denn weil der Club beim Gewinnspiel der MDR-Sendung „Sport im Osten“ gewann, wurde die gesamte Begegnung live im Internet übertragen – mit Kommentatoren, Interviews mit den Akteuren und allem, was man sonst noch eigentlich nur vom höherklassigen Fußball kennt. Der VfB 1919 Vacha bedankte sich mit einem 7:1-Kantersieg, Martin Walter war mit drei Treffern erfolgreichster Torschütze des Tages.

Aber dabei blieb es nicht. Unter den fast 100 000 Menschen, die den Live-Mitschnitt dieses regnerischen Fußball-Sonntags unterhalb des Öchsenbergs bis heute angeklickt haben, war offenbar auch das Team von Fußballkenner Arnd Zeigler.

Es ist das 6:1 in der 84. Minute, das die Fanherzen höherschlagen lässt: Weiter Abschlag von Vachas Torhüter Tom Fischer. Der Ball springt kurz hinterm Mittelkreis einmal auf. Eisenachs Oli Freitag hat eigentlich alle Möglichkeiten, um die Situation zu entschärfen. Doch sein Klärungsversuch geht schief, der Ball fliegt rückwärts über den eigenen Kopf und wird so zur Vorlage für den Gegner. Vachas Marc Steinmann ist durch, spielt noch einmal quer, um Eisenachs Torhüter zu überlisten, Martin Walter muss nur noch einnetzen. Fertig ist das Kacktor. Der WDR kommentiert den Treffer in seinem Einspieler so: „In der thüringischen Kreisoberliga zeigt sich eindrucksvoll, dass No-Look-Pässe leider manchmal auch nach hinten losgehen können. Am Ende muss der Stürmer gegen den FC Eisenach II nur noch einschieben. Trotz nicht gerade perfekter Platzbedingungen: One-Touch-Football vom Allerfeinsten.“

Martin Walter – zu Hause im Vachaer Ortsteil Völkershausen – ist fast 30, spielt seit Jahren Fußball. Aber so eine Anerkennung für eines seiner Tore sei ihm noch nie zuteil geworden. „Ich fühle mich sehr geehrt!“, sagt Walter und lacht.

Die nicht ganz ernst gemeinten Glückwünsche der Mannschaftskameraden ließen nicht lange auf sich warten. Die Nominierung machte schnell die Runde. Vachas Kapitän Kevin Nube kommentiert Walters Tor auf Nachfrage so: „Tor des Monats wäre natürlich noch schöner. Aber Martin ist gelernter Verteidiger, da ist das Kacktor des Monats schon das höchste der Gefühle.“

Erst vor eineinhalb Jahren hat Martin Walter seinen Schwerpunkt vom Toreverhindern aufs Toreschießen verlagert. Notgedrungen. Denn gleich drei Stürmer auf einmal haben den Club vor zwei Jahren den Rücken gekehrt. Dazu hatte sich Zehner Philipp Glock auch noch das Schien- und Wadenbein gebrochen. In 90 Tagen waren so vier Offensivkräfte ausgefallen. Kevin Nube war der letzte verbliebene Angreifer. Es war also mehr als Not am Mann und Verteidiger, sagt Walter, hatte man damals mehr als genug. Also ging Walter auf Wanderschaft. Er spielte auf der Sechs, auf Linksaußen und, wie gegen Eisenach II, in der Spitze.

Er und Kapitän Kevin Nube kommen sehr gut miteinander aus, sagt Martin Walter. Das ist auch gegen die Zweite des FC Eisenach so. Martin Walter gelingen drei Treffer, Stürmerkollege Kevin Nube zwei.

Dass für das nun bundesweit populär gewordene 6:1 nicht in erster Linie Martin Walter alle Ehre gebührt, wissen freilich sowohl der Schütze als auch sein Kapitän selbst. „80 Prozent gehen an den Eisenacher Verteidiger, aber Martin steht eben am Ende der Nahrungskette“, meint Kevin Nube. Ohne den vollkommen missglückten Befreiungsschlag von Abwehrmann Oli Freitag würde heute wohl niemand von einem Kacktor sprechen. „Er hat es uns sehr einfach gemacht“, sagt Martin Walter nach den 90 Minuten auch im anschließenden Small Talk zu seinem Gegenüber. Beide nahmen es mit Humor. Gut möglich, dass sie sich auch den Preis für das „Kacktor des Monats November“ dann teilen werden. Dem Gewinner winkt eine besondere Trophäe: ein mit dem eigenen Namen verzierter Klodeckel.

Jetzt online abstimmen:

Noch läuft die Online-Abstimmung für das „Kacktor des Monats“. Hier die Nominierten für den Monat November, ausgewählt vom Team von „Zeiglers wunderbare Welt des Fußballs“.

TOR 1: Korbinian Burger (1. FC Magdeburg)

TOR 2: Martin Walter (VfB 1919 Vacha)

TOR 3: Marin Sverko (1. FC Saarbrücken)

TOR 4: Hannes Rauner (FSV GA Johanngeorgenstadt)

TOR 5: Lukas Hradecky (Bayer Leverkusen)

Aktuell führt Johanngeorgenstadts Nummer elf, Hannes Rauner, die Kacktor-Abstimmung mit großem Vorsprung vor Leverkusens Pechvogel Lukas Hradecky an.

Sämtliche Kacktore können noch einmal auf der Facebook-Seite von „Zeiglers wunderbare Welt des Fußballs“ bewundert werden. Abgestimmt werden kann online unter bit.ly/380Kopd oder per E-Mail mit der Nummer des Favoriten an: zeigler@wdr.de

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