Fußball, Kreisoberliga Wahnsinnsspiel: Gräfinau-Angstedt gewinnt 7:6 nach 2:5-Rückstand

Ende gut, alles gut: Die Gräfinau-Angstedter Jungs können jubeln. Foto: Ralf Brückner

Der FSV 1928 Gräfinau-Angstedt gewinnt bei Grün-Weiß Blankenhain nach einem 2:5-Rückstand (55.) noch mit 7:6 und qualifiziert sich damit für die Play-offs.

Über dieses Spiel werden sich alle sportlich Beteiligten und FSV-Zuschauer mit Sicherheit noch Jahre später im Sportlerheim unter der Rubrik „Weißt du noch, damals das Ding in Blankenhain ...“ unterhalten. 13 Tore, ein Spielverlauf aus der Kategorie „Wahnsinn hoch zwei“ – und am Ende die von den Gräfinauern so heiß ersehnte Qualifikation für die Play-offs der besten neun Hinrundenmannschaften.

Trainer Christian Zentgraf hatte beim Schlusspfiff gar keine richtige Kraft mehr fürs Jubeln, und vielen seinen Spielern ging es ebenso. Routinier René Rudolph, der mit seinem herrlichen Freistoßtor zum 5:3 (58.) die Wende eingeleitet hatte, vermochte sogar nur mühsam die Tränen zurückzuhalten. Besonders groß war aber der Stein, der Jonas-Fabian Ostermann vom Herzen fiel: Mit fünf Toren, davon drei Strafstöße, alle in die gleiche Ecke, katapultierte er sich an die Spitze der Torjägerliste – und doch hätte er nach seiner „Zweifach-Beteiligung“ am sechsten Gegentor fast an Ort und Stelle selbst eingegraben ... Aber sein letzter Strafstoß riss alles wieder raus.

Natürlich muss für solch ein Spiel einiges zusammen kommen: Zwei Defensivreihen samt Torhütern mit krassen Desorientierungsphasen – bei Gräfinau in der ersten Halbzeit, bei Blankenhain in der letzten halben Stunde. Ein Schiedsrichter, der jede strafstoßreife Aktion auch konsequent als solche ahndet. Und schließlich eine Gastmannschaft, die gerade noch rechtzeitig ihre tiefe Verunsicherung abwirft und sich auf ihr arteigenes Kämpferherz besinnt. Und wer kämpft, der kann auch gewinnen – selbst wenn es schon 5:2 für die anderen steht ...

Gräfinau-Angstedt, mit N. Schmidt für Böske, kam auf dem holprigen und glatten Rasenplatz zunächst gar nicht ins Spiel, verlor viele defensive Zweikämpfe auch wegen Schnelligkeitsnachteilen, hatte keine Souveränität im eigenen Strafraum und konnte im Mittelfeld so gut wie keine „Aufbauarbeit“ leisten. Alle Gegentore der ersten Halbzeit waren zudem Geschenke der zusehends unsicherer werdenden Gäste. Nach Simlas Supertor zum 5:2 schien die Sache gelaufen. Aber nach dem Freistoß zum 5:3 geriet plötzlich Blankenhains Defensive ins Schwimmen und verlor völlig den Überblick über das, was die Risch, Wagenknecht, Ostermann und M. Zentgraf da im Angriff veranstalteten. Und dass Zentgrafs umjubeltem Treffer zum 5:6 (77.) dann noch eine Zusatz-Runde mit Ausgleich und erneuter Führung folgte, das machte diese Partie endgültig zur Legende.

Blankenhain: Bülling – Stephan (69. Bartholmeß), Schaft, Hause, Golm – Kraft, Hörcher, Anding (69. Boy), Simla – Sorge, Kühnemund

Gräfinau-Angstedt: Machleidt – Bathke (57. Böske), Büchner (46. Lauterbach), Rudolph, K. Lämmerzahl – Möller, M. Zentgraf – N. Schmidt, Risch, Wagenknecht (90.+3 Kaufmann), Ostermann

Fuhrmann (Erfurt) – 60

Das Tore-Protokoll

1:0 Sorge (7./Foulstrafstoß) – nach misslungener Grätsche von Büchner gegen Sorge im Strafraum

1:1 Ostermann (10./Foulstrafstoß) – durch ungeschicktes Herauslaufen von Bülling, wobei er N. Schmidt zu Fall bringt

2:1 Simla (17.) – per Kopf ohne Bedrängnis nach eigentlich unnötigem Freistoß von rechts

3:1 Kühnemund (29.) – Machleidt verschätzt sich bei einem weiten Abschlag seines Kollegen, klatscht den Ball an die Latte – das Leder fällt Kühnemund vor die Füße

3:2 Ostermann (41./Foulstrafstoß) – nach „Knöcheltreffer“ gegen Wagenknecht, in die gleiche Ecke vollstreckt

4:2 Sorge (45.) – unbedrängter Kopfball nach Eckstoß von rechts

5:2 Simla (55.) – herrliche Direktabnahme nach Rechtsflanke von Sorge

5:3 Rudolph (58.) – direkter Freistoß aus knapp 20 m halb rechts

5:4 Ostermann (61.) – aus knapp 20 m nach schöner Vorarbeit von M. Zentgraf und Rückpass

5:5 Ostermann (73.) – nach schönem Diagonalpass von Wagenknecht

5:6 M. Zentgraf (77.) – typische Strafraumaktion mit sattem Abschluss nach Linksflanke von Ostermann

6:6 Hörcher (83.) – direkter Freistoß aus 20 m zentral, von Ostermann verursacht und dann in der Mauer per Kopf unhaltbar abgefälscht

6:7 Ostermann (89./Foulstrafstoß) – nach Strafraum-Schubser gegen Wagenknecht, der dadurch nicht mehr an den Ball kommt. Scharf und hoch vollstreckt, sodass Bülling zwar am Ball ist, ihn aber nicht abwehren kann.

Autor

 

Bilder