Fußball in Neuhaus am Rennweg Verrückt nach Fußball

Im Jahre 1964: Die Stadtmeister auf dem Sportplatz „Bau“ in Neuhaus. Foto: Archiv

Beim Stöbern fällt Ingo Greiner ein vergilbtes Schwarz-Weiß-Foto in die Hände, das Erinnerungen an eine schöne Kindheit in den 1960er Jahren weckt. Hier berichtet er darüber.

Neuhaus  am  Rennweg - Auf einem alten Bild sind zwei Fußballmannschaften – aus Ernstthal und Igelshieb, genauer gesagt von der „Insel“ – sowie der „Gastschiedsrichter“ Hans Mörlein zu erkennen. Schon „Anzugsordnung“ (ohne Markenprodukte) und Mannschaftsstärke (jeweils 6) lassen erkennen, dass schon zwölf Spieler ausreichten, um dem runden Leder mit Leidenschaft, Spaß und Enthusiasmus hinterher zu jagen. Vielleicht wurden wir auch von den glorreichen Zeiten des Steinacher Oberligafußballs angesteckt.

Oft reichte uns eine Wiese, manchmal auch eine holprige oder steinige Fläche, um einen kleinen Sportplatz anzulegen. Mit Axt und Säge „bewaffnet“, gingen wir in den Wald und holten uns einige „Schtangele“ – zum Bau der Tore. Für Linien diente Sägespänemehl vom Brehmes Ernst, dem Tischlermeister in Igelshieb. Die Gummibälle, mit oder ohne Ventil, holten wir uns in der SPOWA, beim Löbels Gustav: für 2,40 oder 3,20 DM. Und besonders stolz waren wir „Kenner“, wenn wir unsere kurzärmligen blauen Jerseys (100 % Baumwolle/5,20 DM ), die blauen Hosen und die weißen Stutzen zu den Punktspielen präsentieren konnten. Das Geld dafür hatten wir uns durch Schrott- und Altpapiersammlungen zusammengespart.

Die Fußballbegeisterung bei uns „Pionierfußballern“ wurde in „Herrnhaus“ auch von Lehrer Klaus Schneider unterstützt. Dank seines Einsatzes und seiner Beharrlichkeit entstanden Anfang der 1960er Jahre in allen Ortsteilen Bolzplätze sowie sieben Stadtmannschaften: Sportclub Insel, Motor Mitte Igelshieb, Fortuna Neubau, Fortschritt Thomas-Mann-Straße, Aufbau Apelsberg, Spartak Bau und Empor Schmalenbuche. Wir, die Jungs vom Sportclub Insel, in der Besetzung Joachim Müller-Welt, Rudi Haak, Bernd und Peter Knoth, Jürgen Traut, Michael Findeisen, Horst und Ingo Greiner sowie Joachim Greiner-Adam waren einmal drauf und dran, den Titel des Neuhäuser Stadtmeisters zu gewinnen, unterlagen aber im Endspiel auf neutralem Platz am Apelsberg den spielstarken „Schmolbichnern“ – mit Bernd Töpfer, Rainer Koch, Bernd Knauer, Dietrich Bechmann, Bernd Bauer, Reiner Pröscholdt und Karl-Heinz Gitter – haushoch 0:7. So entgingen uns die Siegerpreise: ein silberner Traktor-Pokal und ein DTSB-Scheck über 50 DM.

Nach der ersten Meisterschaftsrunde schlossen wir uns dann nicht ganz freiwillig mit Motor Mitte Igelshieb zusammen und spielten dann unter SC Motor Igelshieb. Neben den Stadtmannschaften gab es bei Motor Neuhaus auch eine Vielzahl von Mannschaften – mit Knaben, Schülern, jungen Männern, Herren und Senioren. Da herrschte auf dem altehrwürdigen Rennsteig-Sportplatz an fast allen Tagen Fußballbegeisterung. Die besten Spieler eben jener Stadtmannschaften fanden dann auch schnell einen Stammplatz beim „großen“ Verein des Ortes.

Die ehemaligen Bolzplätze in Neuhaus am Rennweg sind mittlerweile verschwunden, die Stadtmannschaften mit den vielen, den fußballverrückten Kindern gibt es auch nicht mehr. Und die jungen Talente von damals sind heute Rentner oder leben schon nicht mehr. Geblieben sind aber die von Klaus Schneider mit vielen Bildern und Texten liebevoll gestalteten Chroniken.

 

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