Fußball Ein Schritt zurück

Schweinas Noah Giesbrecht (Nr. 5) gewinnt den Zweikampf gegen den Geraer Raphael Börner. SG-Kapitän Patrick Schellenberg beobachtet die Szene. Foto: Heiko Matz

Kapitän Patrick Schellenberg

Schweina -

Standesgemäß. So können das Ergebnis und der Spielverlauf der Glücksbrunner gegen die eine Klasse höher spielenden Ostthüringer bezeichnet werden, die in den Religationsspielen um den Aufstieg in die Oberliga gegen den SV Arnstadt scheiterten. Befragt nach der Zielstellung für die neue Saison, lässt der BSG-Trainer Marcus Dörfer keinen Zweifel an den Ambitionen für die kommende Serie. „Wir wollen oben mitspielen. Dafür gab es einige personelle Veränderungen im Kader und im Umfeld. Wenn alle gesund bleiben, sollte uns das auch gelingen“, so der Geraer Trainer.

Dass die BSG Wismut für den Punktspielstart in knapp drei Wochen auf einem guten Weg ist, unterstrich sie beim Test in Schweina. Sie präsentierten sich abgeklärt, ballsicher, effektiv und mit athletischen Vorteilen. Insbesondere die Schnelligkeitsvorteile und das robuste Zweikampfverhalten beeindruckten die Gastgeber. Vor allem in der ersten Halbzeit überbrückten die Geraer mit schnellem Passspiel das Mittelfeld und brachten die Glücksbrunner Vierer-Kette um die Innenverteidiger René Heger und Patrick Köhler mehrfach in Verlegenheit. Bei Pässen in den Rücken der Hausherren tat sich die Schweinaer Abwehr schwer. Beim Führungstreffer wurde die Schweinaer Defensive mit drei direkten Pässen ausgespielt und Geras Kapitän Flor brauchte nur noch einzuschieben (19.). Der zweite Treffer der Gäste resultierte aus einem Schweinaer Ballverlust im Mittelfeld, den Tim Urban mit einem Schuss aus 16 Metern ins kurze Eck abschloss. Noch vor der Pause erhöhte Raphael Börner nach Flanke von Urban per Kopf auf 3:0 für den Thüringenliga-Vertreter.

Auch im zweiten Abschnitt dominierten die Gäste und ließen den Hausherren kaum Entfaltungsmöglichkeiten. Nach einem Konter kam die Wismut zehn Minuten nach dem Wiederanpfiff durch ein Eigentor von Robert Kämpf zum vierten Treffer. Danach ließ die Konzentration bei den Geraern im Spiel nach vorne nach. Die BSG spielte nicht mehr mit letzter Konsequenz ihre Angriffe aus. Schweina kam besser ins Spiel, ohne die Gäste in Verlegenheit zu bringen.

Unter der Woche wurden den Verantwortlichen der Spielgemeinschaft Schweina/Gumpelstadt zwei tschechische Spieler von einer Spielervermittlungsagentur angeboten. Mit Petre Jandal kam ein Stürmer im zweiten Abschnitt gegen Gera zur Beobachtung zum Einsatz. Zwar körperlich robust ausgestattet, tat sich der Angreifer allerdings gegen die starke Geraer Abwehr schwer, Akzente zu setzen. „Nach einer Halbzeit zu einem Urteil zu kommen, ist nicht einfach. Wir werden Petre möglicherweise diese Woche noch einmal zum Training einladen und dann entscheiden“, lautete der Kommentar von Olaf Gabriel, Trainer der Glücksbrunner.

„Uns wurden heute klar die Grenzen aufgezeigt. Wismut spielte beweglich. Wenn mir einer meiner Stammkräfte wie beispielsweise David Arnold fehlt, fällt das gleich ins Gewicht. Unser Kader ist eben recht schmal. Dazu kommt, dass es dauern wird, bis wir die Defizite aufgrund der Corona-Pandemie aufgeholt haben. In der Woche werden wir versuchen, uns konzentriert auf das Pokalduell gegen Bad Salzungen vorzubereiten“, meinte Gabriel zum Spiel seiner Mannschaft.

Auch gegen die BSG Wismut Gera beorderte Schweinas Trainer Patrick Schellenberg auf die Regieposition. Für Schellenberg ist das ein Schritt zurück, aber nur im Spielsystem der Glücksbrunner. Der 34-Jährige ist fast zwei Jahrzehnte der erste Mann im Sturm der Schweinaer. Der Akteur mit der Nummer acht auf dem Trikot ist aus dem Angriff der SG nicht wegzudenken. Die Idee, auf die Sechser-Position in den Spielaufbau der Glücksbrunner zu wechseln, kam dem Schweinaer Trainer und seinem Kapitän vor einem Jahr, als sich der Landesklassen-Vertreter ebenfalls in der Vorbereitung befand.

„Patrick kam auf mich zu, um seine Rolle für die Saison zu besprechen. Es ist eine alte Weisheit, dass ein Spieler im Alter etwas nach hinten rückt. Mit seiner Routine und Abgezocktheit kann er der Mannschaft helfen und ist der ruhende Pol im Mittelfeld. Die jüngeren Spieler blicken zu ihm hoch. Außerdem habe ich als Trainer immer die Option, ihn nach vorne zu schicken, wenn es nötig erscheint“, erklärt Olaf Gabriel den Rollenwechsel.

Sein Kapitän, der optisch einen hervorragenden Eindruck hinterließ, fühlt sich in seiner neuen Rolle wohl. Er brennt darauf, auch im fortgeschrittenen Sportalter nachzuweisen, dass er als Regisseur neue Akzente bei der Spielgemeinschaft setzen kann nach den vielen Jahren, wo Tore sein Markenzeichen waren. Heute glänzt er mit Spielintelligenz und ist als Vorbereiter für seine Sturm-Nachfolger im Angriff gefordert. Schellenberg möchte noch lange nicht über sein Karriereende nachdenken und er möchte voraussichtlich auch kein Alt-Herren-Trikot überstreifen. Aktuell hat er mit seinen Glücksbrunnern noch viel vor. Vor allem möchte er das verlorene Jahr der Saison 20/21 aufholen, als er mit seinem Verein, auf Platz 1 in der Landesklasse, Staffel 3 stand. Der Traum vom nochmaligen Aufstieg in die Thüringenliga wurde für Schweinaer im Oktober mit dem Saisonabbruch wegen der Covid-19-Pandemie jäh und kompromisslos beendet. Es wird spannend, zu sehen, wohin die Reise für Schweinas Regisseur mit seiner Mannschaft gehen wird.

 

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