Für Senioren und Frauen Selbstbehauptung mit breiter Brust

Marvin Kalwa
Wie behauptet man sich gegen einen Angreifer? Foto: dpa-Zentralbild/Hendrik Schmidt

Senioren, Frauen und Mädchen können leichte Überfallopfer sein. Wie sollen sie sich am besten schützen?

Nein, es geht nicht darum, innerhalb weniger Stunden neue Kampfmeister im Seniorenbereich auszubilden, auch wenn Ulrich Hofmann jemanden eingeladen hat, der sich damit bestens auskennt. Zusammen mit Yvonne Maul vom Netzwerk gegen häusliche Gewalt im Landkreis Hildburghausen Binko möchte der Geschäftsführer des Kreissportbundes (KSB) für den ersten Selbstbehauptungskurs in der Stadt werben. Da wird eben Steven Koch als Trainer dabei sein, der Präsident des Ju-Jutsu-Verbandes in Thüringen.

Ju-Jutsu, das ist eine Art multiple Selbstverteidigungskunst gegen alle möglichen Angriffe. Wahrscheinlich hilft es schon, wenn Koch den Eindruck, den er als Kampfkünstler macht, ein wenig auf die Teilnehmer des Kurses abperlen lässt. Denn darum wiederum soll es ja gehen: wie schrecke ich Angreifer auch ohne gekonnte Kampftechniken ab, wie mache ich mich bemerkbar und wie wehre ich mich gegebenenfalls?

Das ist die Idee vom KSB und dem Netzwerk. Gemeinsam wollen sie am 24. August in der Werratal-Sporthalle den Kurs für verletzliche Gruppen anbieten. Also ältere Menschen und, zumindest ausweislich der Kriminalitätsstatistiken, auch Frauen. „Natürlich kann man keine Kampfsportart an einem Tag erlernen“, sagt Yvonne Maul. Den Teilnehmern aber eine breite Brust für den nächsten abendlichen Spaziergang allein zu geben, das sollte schon möglich sein.

„Es soll vermittelt werden, was man tun kann, um in der eigenen Körperhaltung selbstbewusster wahrgenommen zu werden“, erklärt Maul weiter. Zwei Kurse wird es am 24. August geben: vormittags für Senioren, nachmittags für Frauen und Mädchen. Die Gefahren unterscheiden sich je nach Altersgruppe. Körperliche und sexuelle Übergriffe bei jungen Frauen und Mädchen, Diebstahlsdelikte bei älteren Personen. „Ein bekannter Trick bei Senioren ist, dass ein erster Täter das Opfer zum Beispiel auf dem Markt ablenkt, während ein zweiter Täter unbemerkt die Tasche ausräumt.“ Gerade bei so etwas könne ein selbstbewusstes Auftreten helfen, Täter, die bewusst Ausschau nach schwach aussehenden Opfern halten, abzuschrecken.

In ihren Gesprächen mit Frauen, berichtet Yvonne Maul, die auch Leiterin des Frauenkommunikationszentrums Binko ist, falle immer wieder „eine gefühlte Unsicherheit in den Abendstunden auf“. Auch wenn die Zahlen in den Kriminalitätsstatistiken allgemein im Sinken begriffen sind, würden sich offenbar viele ältere Menschen im Dunkeln nicht mehr auf die Straße trauen, etwa weil Gruppen abends im Hildburghäuser Stadtbereich Gelage veranstalten würden.

In theoretischen und praktischen Einheiten auf Grundlage von Ju-Jutsu soll deshalb ein nach Außen sicher wirkendes Auftreten trainiert werden. Im günstigen Fall können Übergriffe so schon präventiv verhindert werden. Sollte es dennoch zum Angriff kommen, soll auf Hilfsmittel wie Schrill- oder Schockeralarme zurückgegriffen werden. Auch sie werden in dem Kurs gezeigt. „Es dauert meistens zu lang, bis Senioren ihr Pfefferspray zur Hand haben und gezielt versprühen können.“ Auch die klassische Senioren-Grundausstattung wie Gehstöcke oder Regenschirme erfährt in dem Kurs eine neue Anwendung.

Teilnahme kostenfrei: Der Selbstbehauptungskurs am Mittwoch, 24. August, wird in zwei Gruppen aufgeteilt. Von 9.30 bis 12 Uhr bekommen Seniorinnen und Senioren theoretisch und praktisch vermittelt, wie sie sich auf der Straße selbstbewusster verhalten können, von 13.30 bis 16 Uhr wird dann Frauen und Mädchen ab 14 Jahren gezeigt, wie sie sich bei abfälligen Bemerkungen oder sexuellen Belästigungen verhalten können. Die Teilnahme in der Werratal-Sporthalle in Hildburghausen (Waldstraße 11) ist kostenfrei. Anmeldungen nimmt Yvonne Maul unter (0 36 85) 40 52 00 entgegen.

 

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