Für modernste Forschung TU Ilmenau baut eigenes 5G-Netz auf dem Campus auf

Ein eigenes 5G-Netz auf dem Campus der Technischen Universität Ilmenau soll den Wissenschaftlern modernere Forschung und Lehre ermöglichen. Doch wozu genau braucht es das Netz?

Der Campus der TU Ilmenau: Hier soll ein hochmodernes 5G-Netz aufgebaut werden. Foto: Hajo Dietz

Die Technische Universität Ilmenau errichtet auf ihrem Campus nach eigenen Angaben ein 5G-Funknetz. Mit diesem groß angelegten Forschungsprojekt, das am 1. Januar startet, will sich die Universität Forschung und Lehre auf internationalem Top-Niveau ermöglichen – beispielsweise zu autonomem Fahren, in der Medizintechnik oder auch zu automatisierter Produktion. Das Projekt mit einem Gesamtvolumen von 860 000 Euro ist auf drei Jahre angelegt.

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Das flexible 5G-Mobilfunknetz, das eine flächendeckende Signalübertragung im Mobilfunk auf dem Universitätscampus ermöglichen wird, soll in Zukunft allen Wissenschaftlern der Universität für Forschungs- und Experimentierzwecke zur Verfügung stehen. Dazu wird ein hochleistungsfähiges Outdoor- und Indoor-Netz aufgebaut – im Außenbereich über neun Funkzellen, die große Teile des Universitätscampus‘ abdecken.

Projektleiter Prof. Andreas Mitschele-Thiel, Leiter des Fachgebiets Integrierte Kommunikationssysteme, ist sich sicher, dass die neue Infrastruktur der Forschung vollkommen neue Möglichkeiten eröffnen wird: „Die Technik, die wir aufbauen, macht Funkübertragungen mit superschnellen Datenraten von mehreren Gigabit pro Sekunde und geringster Latenz möglich, also Verzögerungszeiten von nur einer bis fünf Millisekunden. Im Gegensatz zum Vorgängerstandard 4G ermöglicht uns das zuverlässige Datenübertragung sogar in Echtzeit und damit hochambitionierte Forschungsvorhaben in den verschiedensten Bereichen.“

Nützlich in vielen Forschungsbereichen

Beim autonomen Fahren beispielsweise haben Forschungsprojekte zu Sicherheit im Straßenverkehr ganz neue Möglichkeiten: Zusammenstöße von Fahrzeugen könnten mit höchster Zuverlässigkeit ebenso vermieden werden wie Unfälle mit Radfahrern oder Fußgängern.

Auch für die Medizin bietet der 5G-Standard neue Möglichkeiten, etwa bei neuen Anwendungen kollaborativer medizinischer Trainingsoperationen. Dadurch können auch komplexe Operationen mit mehreren Nutzern an verschiedenen Standorten virtuell erprobt werden, was neue Möglichkeiten zur Zusammenarbeit, zum Training und bei der medizinischen Ausbildung bietet.

Im Bereich der automatisierten Produktion macht 5G „Productive Teaming“ möglich – ein neues Konzept von Mensch/Maschine-Interaktion, das es Menschen und intelligenten Maschinen ermöglichen wird, ihre Handlungen empathisch aufeinander abzustimmen und so den gesamten Produktionsprozess als echtes Team zu organisieren. Damit Mensch und Maschine flüssig zusammenwirken können, muss die Maschine in Bezug auf die Handlungen des Menschen verzögerungsfrei agieren und reagieren können.

Von dem 5G-Campusnetz profitiert nicht nur die Forschung, auch die Lehre erhält neue Möglichkeiten. So kann Studenten in Zukunft Wissen zum Beispiel über moderne Mobilfunksysteme nicht mehr nur in der Theorie im Hörsaal vermittelt werden. Sie können dann auch praktische Experimente im 5G-Mobilfunknetz durchführen.

Für die Zukunft ist geplant, das neue 5G-Netz als Ergänzung zum WLAN-Netz der Universität auch Mitarbeitern und Studierenden zur Verfügung zu stellen. Die hochzuverlässige Echtzeitkommunikation wird es ihnen dann zum Beispiel ermöglichen, Augmented-Reality-Anwendungen zu nutzen oder an unterschiedlichen Orten gemeinsam zu musizieren.

Das 5G-Projekt ist außerdem so angelegt, dass es flexibel auf den künftigen, noch leistungsfähigeren Standard 6G ausgeweitet werden kann: „Dann werden wir die Latenz auf ein Zehntel reduzieren und Übertragungsraten erreichen, die 5G noch um das Fünfzigfache übersteigen“, so Andreas Mitschele-Thiel.