Fünfte Jahreszeit Prinzenpaar übernimmt die Macht

Berit Richter

Um 11.11 Uhr werden in der Kreisstadt Prinzessin Ulrike II. und Prinz Sebastian II. die Regentschaft übernehmen. Sie hoffen, dass bald wieder richtig Karneval gefeiert werden kann.

Sebastian II. und Ulrike II. stoßen auf ihre Inthronisierung an. Foto: Berit Richter

Arnstadt - „Ihr glaubt ja gar nicht, wie glücklich wir sind und wie lange wir auf diesen Tag gewartet haben“, sagt Prinz Sebastian II. Soeben sind er und Prinzessin Ulrike II. vom Arnstädter Karnevalverein Narrhalla ganz offizielle zum Prinzenpaar der Session 2021/22 ausgerufen worden. Endlich wieder Karneval, wieder ein Stück normales Vereinsleben – da kullern selbst bei den gestandenen Herren der Ritterschaft ein paar Tränchen.

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Ein Jahr lang mussten Sebastian Schiel und Ulrike Schmidt-Tantz auf diesen Augenblick warten, denn eigentlich waren sie schon 2020/21 als Prinzenpaar auserkoren. Doch diese Narrensaison fiel bekanntlich komplett ins Wasser. Nun hoffen beide, ab dem 11.11 bis zum Aschermittwoch wieder Freude und Frohsinn verbreiten zu können. Und wenn Corona doch einen Strich durch die Rechnung macht, „dann bleiben sie bis 2023 Prinzenpaar oder notfalls auch bis 2030“, sagt Narrhalla-Präsident Norbert Fuchs.

Sebastian Schiel ist 38 Jahre jung, verdient seine Brötchen als pflegerischer Leiter Pneumologie in einem Krankenhaus. Er mag an seinem Job den Kontakt zu Menschen. Er findet es gut, Chef zu sein, um auf Menschen eingehen und sie weiterentwickeln zu können. Doch es gibt die Schattenseite in seinem Job, nämlich dann, wenn die Medizin an ihre Grenzen kommt. Der Karneval ist da ein guter Ausgleich, ebenso Haus, Garten und seine Berner-Sennenhündin Ally. Die 40-jährige Ulrike Schmidt-Tantz ist eine echte Powerfrau, vierfache Mutter und Inhaberin von zwei physiotherapeutische Praxen in Arnstadt. Auch sie arbeitet gern mit Menschen und hilft immer dann, wenn die körperliche Aktivität eingeschränkt ist.

Ein Paar im wirklichen Leben sind Prinz Sebastian II. und Prinzessin Ulrike II. aber nicht, obwohl beide verheiratet sind. Die Idee, das Prinzenpaar zu stellen, kam von Ulrike Schmidt-Tantz. Ihre Tochter Wiebke tanzt ihre letzte Saison als Mariechen bei der Narrhalla. Ihr Mann war allerdings nicht dazu bereit, Prinz zu sein. Kurzerhand sagte dann der Partner von Sebastian: „Dann nimmst du eben meinen Mann.“

Die Partner, so verrät es der Verein, reagierten auf den Wunsch, das Prinzenpaar zu stellen, „mit gemeiner Erpressung“: Ulrikes Mann bekam ein Multicar und Manuel, der Partner von Sebastian, kann sich über einen Pool freuen.

Sowohl Ulrike Schmidt-Tantz und Sebastian Schiel sind schon lange sehr eng mit dem Karneval verbunden. Er ist Trainer, seit einigen Jahren im Vorstand tätig und hat auch ansonsten immer ein offenes Ohr für die Belange des Vereins. Er führt gemeinsam mit Ilka Zacher den Weiberfasching und hatte eine eigene Gruppe ins Leben gerufen, auch wenn es „Babsy und die Brauseboys“ nicht mehr gibt. Und auch sie engagiert sich schon seit mehr als zweieinhalb Jahrzehnten im Verein, tanzte einst selbst in der Garde.

Ihre Kostüme haben sich die beiden von Kathrin Cagnin im eigenen Atelier in Arnstadt schneidern lassen. Sie sollten etwas Besonderes sein. Das Prinzenpaar wird als Prinzenführer und Ordonnanz begleitet von Sarah und Sebastian Gruß, die freundschaftlich mit ihm verbunden sind und während der Saison unterstützend zur Seite stehen werden. Wenn die zweifache Mama Sarah nicht kann, wird Sebastians Mann Manuel Jäsch einspringen.

Der Tradition ihrer Vorgänger folgend, möchte auch dieses Prinzenpaar während seiner Regentschaft ein soziales Projekt vorantreiben. „Wir möchten Kinder in Bewegung bringen“, sagt Ulrike Schmidt-Tantz. Deshalb werden sie und ihr Prinz Geld sammeln – unter anderem durch den Verkauf von Pins und Schnäpsen – um den Kindergärten Mittel für den Kauf von Sport- und Spielgeräten zur Verfügung stellen zu können. Alle zwölf Kindergärten in Arnstadt und seinen Ortsteilen, egal in welcher Trägerschaft, sollen davon profitieren.

„Wir möchten dem närrischen Volk zeigen, dass Karneval immer noch ein fester Bestandteil des Lebens ist“, sagen die beiden und hoffen, wie der ganze Verein, dass die für Januar und Februar geplanten Veranstaltungen stattfinden können. Auf alle Fälle soll der 11.11. an diesem Donnerstag gefeiert werden. Pünktlich um 11.11 Uhr werden sie mit ihrer Narrenschar von Bürgermeister Frank Spilling die Rathausschlüssel verlangen.