FSV Martinroda FSV Martinroda: Paradigmenwechsel in der Personalpolitik

Erstmals wieder mit der gesamten Mannschaft gegen den Ball treten: Dieses lange vermisste Gefühl durften die Oberligaspieler des FSV Martinroda und ihre Trainer am Samstag beim Trainingsauftakt endlich mal wieder erleben. Foto: Ralf Brückner

Der Spielerkader des Oberligisten FSV Martinroda verändert sich zur nächsten Punktspielsaison doch ganz erheblich.

Martinroda - Nein, für den Landespokal wird hier nicht trainiert, als der Ilm-Kreis-Oberligist FSV Martinroda am Samstag, nach über einem halben Jahr Pause, wieder ins Mannschaftstraining einsteigt. Auch wenn er, wegen des rasanten „Niedergangs“ der Corona-Zahlen, nun plötzlich viel schneller in dieses Training zurückkehren konnte, als er das vielleicht noch bis vor Kurzem selbst erwartet hatte. „Für uns steht die nächste Oberliga-Saison im Mittelpunkt; wir wollen uns, auch für die Vorbereitung darauf, keine Verletzten im Pokal abholen“, bügelt Trainer Heiko Nowak die Frage ab, ob der Verzicht auf die Teilnahme am neu ausgeschriebenen Landespokal-Wettbewerb vielleicht nicht doch etwas zu voreilig gewesen sei.

Der zweite Grund, der nicht ganz so offiziell geäußert wird, aber offensichtlich ist – auch an diesem Samstag, da insgesamt 14 Spieler und zwei Torhüter zum Trainingsstart erscheinen: Der FSV hätte auch Schwierigkeiten, seine Mannschaft schlagkräftig zu formieren. Denn viele der Neuzugänge, die jetzt zum Verein gestoßen sind, können natürlich erst ab der nächsten Saison in Wertungsspielen eingesetzt werden. Und aus dem Kader der aktuell noch laufenden Saison 2020/21 – abgebrochen wurde ja nur deren Punktspielbetrieb – sind in den fußballfreien Monaten doch eine ganze Reihe von Abgängen zu verzeichnen gewesen.

Das beginnt mit den drei Ilmenauern Marc Fernando, Markus Finn und Matthias Wolfenstetter, die ja bereits von ihrem „neuen alten“ Verein präsentiert wurden (siehe Ausgabe vom 5. Juni, Seite 26). Torwart Philipp Konjevic geht berufsbedingt zu seinem Heimatverein Wacker 04 Bad Salzungen zurück; er verabschiedete sich am Samstag vom Team und trainierte dort letztmals mit. Max Graubner will nach seiner schweren Verletzung vom Ludwigsfelde-Spiel vorerst nicht wieder in den Leistungsfußball zurückkehren. Der Erfurter Franz Wiegel rechnet sich bei Preußen 1996 Bad Langensalza ebenso mehr Einsatzchancen aus wie Enes Hoppe beim SV 09 Arnstadt. Patrick Hädrich verschlägt es privat bedingt nach Stuttgart, er will dann dort auch Fußball spielen. André Rieß fehlt vorerst verletzungsbedingt. Zählt man noch Chris Griebel hinzu, der schon im Herbst berufsbedingt zu Blau-Weiß 91 Bad Frankenhausen gewechselt war, und Rudi Müller, der aktuell – ebenfalls berufsbedingt – pausiert, dann ist man plötzlich bei elf Mann, also einer kompletten Mannschaft!

Dem gegenüber stehen bisher sieben Neuzugänge: Bereits im Winter kehrten Tino Langhammer (zuletzt Einheit Rudolstadt) und Lucas Weis (zuletzt Blau-Weiß Büßleben) zum FSV zurück. In den letzten Wochen wurden außerdem als Neuverpflichtungen gemeldet die Offensivspieler James-Kevin Nahr (zuletzt VFC Plauen) und Kaoa Khalef (zuletzt Rot-Weiß Erfurt, früher auch mal Germania Ilmenau) sowie die beiden Defensiv-Akteure Konrad Schneider und Rune-Kjell Litzenberg, die beide von Wacker 90 Nordhausen kommen und aus Römhild bzw. Eisenach stammen. Hinzu kommt noch der aus Plaue stammende Youngster Paul Zwinkmann, gut bekannt aus der Nachwuchs-Szene des Ilm-Kreises. „Wir haben aktuell einen Kader von 18 Feldspielern und zwei Torhütern“, fasst Dirk Keller, der Sportliche Leiter, zusammen, „und wollen ihn möglichst noch auf 20 Feldspieler und drei Torhüter erweitern.“ Trainer Nowak wünscht sich Verstärkung vor allem noch im defensiven Bereich.

Dabei fällt auf, was ebenfalls nicht offiziell betont wird: Offensichtlich gibt es hier beim FSV einen Paradigmenwechsel: Der Fokus liegt nun weniger auf vielversprechenden Akteuren aus der Umgebung, die sich an der Messlatte „Oberliga“ beweisen wollen, sondern eher auf Spielern, die diese Messlatte anderswo entweder schon übersprungen oder zumindest kennengelernt haben.

Eine Veränderung gibt es auch im Trainerstab: Co-Trainer Sandro Kubitza wechselt als Coach zum Kreisoberligisten SV 1911 Gehren, weil dort Sven Johren aus Zeitgründen kürzertreten, wenn auch im Trainerstab verbleiben will. Dafür ist „Physio“ Mike Eckardt nunmehr Co-Trainer des FSV; hinzu kommt Bernd Stoye als Torwarttrainer.

Vorerst will Trainer Heiko Nowak zweimal wöchentlich zum Training bitten. Vom 2. bis 4. Juli bezieht der FSV wieder sein traditionelles Trainingslager in Heubach (Oberes Waldgebiet) und wird auch erst dann seine ersten Testspiele austragen.

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