In Suhl startet ein Theaterprojekt über das Simson-Moped – als Symbol ostdeutscher Identität, Erinnerungskultur und gesellschaftlicher Vielfalt.
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Die Simson steht für industrielle Stärke, Jugend, Mobilität, Umbruchserfahrungen und ein besonderes Lebensgefühl, das Generationen verbindet. Kaum ein Objekt verkörpert Suhler Identität so unmittelbar wie sie.
Das Projekt widmet sich der Frage, welche Rolle die Simson heute in ostdeutschen Biografien spielt, wie Erinnerungen und Gegenwart ineinandergreifen und wie eine Stadt ihre Geschichte vielstimmig und selbstbewusst erzählen kann – jenseits von Klischees und politischen Zuschreibungen.
Initiatoren und künstlerische Partner sind Regisseur und Produzent Janek Liebetruth, Mitglied des Theaterkollektivs Künstlerische Intelligenz, sowie der Schriftsteller und Journalist Aron Boks.
Liebetruth entwickelt seit vielen Jahren dokumentarische und ortsspezifische Theaterarbeiten mit starkem partizipativem Ansatz. Boks befasst sich in Essays und Reportagen intensiv mit ostdeutscher Identität und politischer Deutung von Erinnerung.
„Die Simson ist kein Denkmal, sondern Teil gelebter Erfahrung“, betont Liebetruth. Boks ergänzt: „Die Simson ist Identifikationssymbol, Projektionsfläche und zugleich Gegenstand politischer Vereinnahmung. Uns interessiert die Kraft dieser Gleichzeitigkeit.“
Das Projekt verknüpft historische Recherchen – von der jüdischen Unternehmerfamilie Simson über Enteignung, Exil, Rüstungsproduktion und DDR-Industrie bis zur heutigen gesellschaftlichen Aufladung der Marke – mit wissenschaftlichen Perspektiven und Zeitzeugenberichten. Auch ein Interview mit Dennis Baum, dem letzten Erben der Familie Simson, fließt ein.
Für Suhls Oberbürgermeister André Knapp ist Freiheit:Simson ein wichtiges Vorhaben: „Die Simson ist ein bedeutender Teil unserer Stadtgeschichte. Ein Projekt wie dieses kann helfen, Vergangenheit offen zu reflektieren und für die Gegenwart fruchtbar zu machen.“
Mit Beginn der ersten partizipativen Phase sind ehemalige Simson-Mitarbeiter, Schrauber, Jugendliche, Zeitzeugen der Wendezeit sowie Weggezogene und Zurückgekehrte eingeladen, ihre Erinnerungen und Erfahrungen einzubringen. Die Beteiligung erfolgt in Gesprächen, Workshops oder künstlerischen Laboren – ohne notwendige Vorkenntnisse.
Die Uraufführung der Inszenierung ist für Herbst 2026 auf dem ehemaligen Werksgelände geplant – an jenem Ort, an dem Vergangenheit und Gegenwart unmittelbar aufeinandertreffen.
Bei diesem Projekt handelt es sich um eines des Theater- und Filmkollektivs Künstlerische Intelligenz. Es wird in unterschiedlichen Phasen gefördert durch die Bundeszentrale für politische Bildung, die Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur, den Fonds Darstellende Künste sowie die Kulturstiftung des Freistaats Thüringen. Interessierte können sich ab sofort melden unter: simson@kuenstlerische-intelligenz.com Weitere Informationen gibt es unter www.kuenstlerische-intelligenz.com oder Instagram: @kuenstlerische_intelligenz