Freies Wort hilft Ziel: Besseres Leben für Straßenkinder

Klaus-Ulrich Hubert
„Aus den Augen aus dem Sinn“ gilt für den Neu-Ilmenauer aus Guinea nicht: Dessen Bruder Abdul berichtet ihm ständig, wie hilfreich die Spenden für die Straßenkinder in der alten Heimat Labé sind. Foto: Klaus-Ulrich Hubert

Der aus Guinea stammende Ilmenauer Glasapparatebauer und Germania-Fußballer Mamadou Diallo unterstützt nach Kräften bitterarme Straßenkinder in seiner Heimatstadt Labé. Jetzt ermutigten ihn Freunde, dafür Unterstützung in Anspruch zu nehmen.

Mamadou Diallo hatte es nicht leicht, nach seiner Ankunft in Deutschland ein neues Leben zu beginnen, kam er doch ohne Familienangehörige als allein reisender Jugendlicher und ohne Sprachkenntnisse in ein ihm total unbekanntes Land. Gar nicht so einfach erst mal, dem neuen Lebensumfeld und Freunden seinen Namen zu buchstabieren…

Doch längst ist der 2016 aus dem westafrikanischen Guinea über Frankreich nach Deutschland Geflohene hier bestens integriert. Nicht nur sprachlich. Vor allem hat er als Facharbeiter für Glasapparatebau in der Firma Neubert-Glas in Ilmenau Fuß gefasst. Und – nur rund zwei Spielfeldlängen vom Standort seines Arbeitgebers im Hammergrund entfernt – auch als Fußballer bei SV Germania Ilmenau.

Dass Mamadou kürzlich mit Millionen Fußball-WM-Zuschauern leidenschaftlich für die allererste afrikanische Mannschaft in einem Weltmeisterschaftsfinale mitfieberte, versteht sich von selber. „Aber dann noch bei einem solch wirklich großartigen Spiel meiner nordafrikanischen Brüder“, schmunzelt Mamadou trotz der 0:2-Niederlage gegen Frankreich am Morgen danach. „Aber es sind eben nicht nur Tore, die zählen“, kehrt er einen alten deutschen Spruch dezent ironisch ins Gegenteil um.

Um dann auf die Frage, wie er denn nach Deutschland kam, noch ein Schmunzeln nachzuschieben: „Durch mein bereits in Kinderjahren ausgeprägtes Fußballhobby. Sozusagen beim Cola-Büchsen-City-Cup auf den Straßen und in jeder freien Ecke meiner Heimatstadt Labé. Zu der gehören in der gleichnamigen Region fast eine Million Einwohner. Es gibt bei uns trotz Armut große Fußballbegeisterung.“ Mamadou folgte also irgendwann neugierig einer „heißen Empfehlung von Freunden aus Frankreich“ – der früheren Kolonialmacht in Guinea. Dort habe einer seiner Kicker-Freunde gesagt: „Junge, geh du bloß nach Deutschland, dort fehlt’s nicht nur an Arbeitskräften, sondern auch an Fußballernachwuchs. Es heißt, der soll dort gut gefördert werden.“

Amtssprache aus Kolonialzeit

Das Kicken liegt Mamadou von Kindheit an im Blut. Aber doch nicht die schwere deutsche Sprache. Die erlernte er (zur „heimischen“ Amtssprache Französisch) hier als Zugangsvoraussetzung für nahezu alles in Deutschland. Inklusive lokal vielfältiger, hinter jeder Bergkuppe changierender thüringischer Mundarten …

„Das straffe Lernen von Grammatik und Vokabeln und alledem erfolgte an der Kreis-Volkshochschule in Arnstadt“, erinnert sich der junge Mann. Und das in einem nahezu akzentfreien Deutsch, als liege diese Zeit schon ewig zurück.

Was sie am bislang Erlernten gemessen ja auch tut. Denn das alles war nur die Vorstufe zu seinem Abschluss in einem Beruf, der gewissermaßen ebenso zum „genetischen Erbe“ unterm Kickelhahn gehört wie einst ab 1777 auch die Porzellinerei: Der freundlich-fleißige junge Mann aus Afrika machte schließlich seinen Abschluss als Glasapparatebauer.

Dass Deutschland angesichts rasanter Bevölkerungsüberalterung eben doch auch ein Einwanderungsland ist, will und kann Mamadou nicht kommentieren. Nur so viel lässt er dann doch mal in Sachen Demografie „gucken“: In seinem 1958 nach Ende der Kolonialunterdrückung gegründeten Heimatland gebe es heute rund 14 Millionen Einwohner. „Und jetzt halten Sie sich fest bitte: Wenn die Statistik korrekt die Wirklichkeit wiedergibt, sind davon – Achtung! – die Hälfte jünger als 15 Jahre.“ Dies sei jedoch noch kein Jubelgrund, denn die Entwicklungschancen „für Kinder und junge Menschen sehen schlecht aus. Sehr, sehr schlecht!“

Mamadous Familie geriet durch vielerlei innenpolitische und militärische Unruhen in dem strukturell extrem schwach entwickelten Land in Gefahr. Deshalb auch Mamadous Flucht an der Seite seines Onkels, der die Flucht über das Mittelmeer nicht überlebte.

Armut fängt hinter Straßenkreuzung an

Mamadous eigene Familie leidet in Guinea nicht unter Armut. Doch genau die fängt gleich hinter der nächsten Straßenkreuzung an. Und so will und kann der aufgeschlossene junge Mann nie vergessen, in welchem Elend und unter welch menschenunwürdigen Entbehrungen Kinder in seiner Heimat leben. Massenhaft!

Am schlimmsten geht es eben jenen Kindern, die keine Eltern mehr haben... Zu Mamadous ersten Kontakten in der neuen Heimat Ilmenau gehörte das kleine, hochaktive Begegnungszentrum des Ilmenauer Flüchtlingsnetzwerkes. Zu den vielen rührigen Ehrenamtlichen, die sich dort seit 2014 um die Alltagsbewältigung und Integration Geflüchteter und Asylbewerber kümmern, gehört auch Cordula Giewald.

Im November erzählte ihr Mamadou von seiner bislang sehr still gelebten Empathie und tätigen Solidarität. Konkret: von der aus seinem Lehrlings- und später Facharbeiterlohn finanzierten Hilfe für die Schwächsten seiner Heimat. Wie die obdachlosen Straßenkinder von Labé.

Moschee-Asyl und Malaria

Monat für Monat schickt er Geld nach Hause, um diesen Kindern wenigstens eine tägliche Mahlzeit, einen Hauch von Hygiene oder auch den Genuss von trinkbarem Wasser zu ermöglichen. Nun aber erkranken immer mehr Kinder an Malaria und das Geld reicht nicht für die dringend benötigten Medikamente.

Mamadous Bruder Abdul, der sich vor Ort um die Verwendung des Geldes für die Kinder kümmert und die Hilfe koordiniert, berichtet Mamadou über die schwierige Lage: „Zum Schlafen kommen die Kinder in einer nahe gelegenen Moschee unter, aber tagsüber sind sie sich selbst überlassen. An Schule? – Nicht zu denken! Das Geld reicht gerade so für etwas Essen.“ Aber nun noch die Medikamente? „Das wäre mehr, als ich von hier aus leisten kann“, sagt Mamadou.

Deshalb bat ihn die Ilmenauer TU-Mitarbeiterin und Aktivistin Cordula Giewald, sich bei seiner Spendenaktion unterstützen zu lassen. So fand dieser Hilferuf auch seinen Weg zum Hilfswerk der Heimatzeitung, das seit über zwei Jahrzehnten deutschland- und weltweit durch Leserspenden ganz praktische Hilfe leistet.

Eine weitere, überschaubare und absolut von Administrationskosten freie Spendenaktion über „Freies Wort hilft“ könnte jetzt mit der Unterstützung von Leserinnen und Lesern und den Überweisungen Mamadous von jeweils bis zu 200 Euro auch den Straßenkindern von Labé große Unterstützung sein. Auch mit kleinen Spendenbeträgen. Denn den obdachlosen Kindern von Labé fehlt es an nahezu allem

Spenden für die Straßenkinder von Labé nimmt der gemeinnützige Verein „Freies Wort hilft“ entgegen. Konto: IBAN DE39 840 500 00 1705 017 017. Bitte Verwendungszweck „Straßenkinder Labé“ angeben. Jeder gespendete Euro kommt auch an. Spenden sind steuerlich absetzbar, bis 300 Euro reicht der Kontoauszug.

 

Bilder