Freies Wort hilft Voll ausgebremst zurück im Leben

Das Ersparte aufgebraucht, keine Chance zu verdienen und trotzdem seinen Kindern ein Stück weit Papa sein, gelingt dem querschnittsgelähmten Falk Zimmermann aus Suhl gerade nicht.

Udo Stern und Falk Zimmermann sind dicke Freunde seit Kindertagen. Foto: Karl-Heinz Frank

Wie es ist, nach mehrwöchigem Koma mit der Erkenntnis zu erwachen, dass das bisherige Leben ein jähes Ende gefunden hat und plötzlich eines bevor steht, in dem nichts mehr ist, wie es einmal war, dafür reicht wohl kein Vorstellungsvermögen aus. Für Falk Zimmermann stellte sich diese Frage nicht. Er hat genau das vor elf Jahren erlebt.

Nach der Werbung weiterlesen

Der Sturz von einem Gerüst hat ihn regelrecht aus seinem bisherigen Leben katapultiert. Fortan querschnittsgelähmt und nach zig Operationen, kämpfte sich der Suhler in eines im Rollstuhl sitzend zurück, eines, längst ohne Partnerin, das ihn bis heute immer wieder vor Hürden stellt und mitunter auch überfordert. Inzwischen ist der 60-Jährige an einem Punkt angelangt, wo es auch ohne fremde finanzielle Hilfe nicht mehr geht. Bitter ist das für jemanden, der immer auf eigenen Füßen stand.

Zimmermann statt Polizist

Dem Suhler war in jungen Jahren klar, dass er Polizist wird. Für andere da zu sein, das war sein Ding. Doch daraus wurde nichts. Die Westverwandtschaft, die nun einmal zu seiner Familie gehört, ließ diesen Traum zu DDR-Zeiten platzen. Er entschied sich, Zimmermann zu werden. Sein Name muss wohl ein Wink gewesen sein. Der Beruf wurde ihm alles.

Handwerker durch und durch

Falk Zimmermann wurde Handwerker durch und durch. Solange es hell war, gehörten Dächern und allem, wo seine Arbeitskraft gefragt war, sein Können und sein Wissen. Er liebte seine Arbeit, machte sich später selbstständig. Und er liebte sein Leben, bald mit wachsender Familie. Dass es sogar ein noch größeres Glück geben kann, erlebt er seit der Geburt seiner Tochter und seines Sohnes.

Die beiden Kinder schenken Kraft

Sie beide sind es in erster Linie, die ihm heute die Kraft schenken, sein Leben autark wohnend zu meistern, das gern mit ungeahnten Fallstricken daher kommt. Seither mit Bürgergeld und Pflegegeld bei Pflegegrad IV umzugehen, fällt Falk Zimmermann nicht leicht. Auch solche Momente zehren an ihm, wenn er zum Beispiel Strafgeld zahlen muss, weil gut gemeinte Überweisungen seiner Tochter zum Begleichen von Außenständen als Einkommen angerechnet und ihm somit wieder abgezogen werden. Dann wird alles noch schwerer für ihn.

Ein Papa wie andere auch

Irgendwie möchte er ja besonders für seinen noch schulpflichtigen Sohn Papa sein. Sehr viele Möglichkeiten bleiben ihm in seiner Situation nicht. Auch deshalb investierte er vor neun Jahren sein Geld in einen gebrauchten, bereits umgebauten Bus, der ihm die Beine ersetzt, die ihm den Dienst versagen. Mit ihm konnte er ein Stück Freiheit zurückholen. Arztbesuche, endlich mit seinem Sohn unterwegs sein oder ohne Hilfe einkaufen – all das wurde mit seinem T6 möglich.

Nichts geht mehr. Schon vor mehr als einem Jahr hätte das Trainingsgerät neu eingestellt werden müssen. Auch dafür reicht das Geld nicht mehr. Foto: Dörthe Lemme

Mehr noch. Hoffte er doch, nachdem er von dem nach einem Unfall querschnittsgelähmten Sportler Markus Holubek gelesen hatte, auch wieder auf die Beine zu kommen. Auf eigene Kosten ließ sich Falk Zimmermann – wie dieser – in der Schweizer Privatklinik einen Schrittmacher im Bauchraum sowie Elektroden im Beckenbereich einsetzen, um die Muskeln zusätzlich per Knopfdruck zu stimulieren. Diesen Strohhalm für mehr Lebensqualität wollte er unbedingt ergreifen. Sein Erspartes sowie der Rest vom Versicherungsgeld, der nach dem Buskauf blieb, waren ihm diesen Hoffnungsschimmer wert.

Der Ärger nimmt seinen Lauf

Das Dilemma ließ nicht lange auf sich warten. Erst ein gebrochener Fuß, dann vor zwei Jahren ein Oberschenkelhalsbruch, den er sich beim Umsteigen vom Rollstuhl in den Bus zuzog, ohne es auch nur zu bemerken, brachten ihn weiter in die Bredouille. Es folgten wieder Operationen, Krankenhausaufenthalte, Pflegekosten – auch solche, von denen er nicht ahnte, dass sie ihn finanziell belasten würden.

Nichts geht mehr

Reparaturen am Bus konnte er bei seiner Haus-Werkstatt, die ihm über Jahre immer schnell behilflich war, nicht mehr bezahlen. Auch die kaputte Rampe nicht, die er benötigt, ebenso wenig den zusätzlichen Einbau einer Strebe, die ihm das Ein- und Aussteigen vereinfacht. Liegengebliebene Rechnungen auch anderer Art summierten sich in Größenordnung. Auch solche, die sich aus Komplikationen beim Wechsel von der privaten Krankenversicherung in die gesetzliche ergeben haben. Seine Tochter ist eingesprungen und stottert längst ab. Die nächsten Jahre wird sie dafür noch brauchen.

Falk Zimmermann hat keine Chance, über das, was er zum Leben bekommt, weitere Mittel hinaus zu generieren. Erfolglos blieben seine Versuche, wenigstens stundenweise dem Arbeitsmarkt zur Verfügung zu stehen. Eine Caritas-Sozialberaterin hilft ihm inzwischen, sich in seinem Leben besser zurecht zu finden und auf weitere mögliche Hürden gar nicht erst zuzusteuern.

Unbezahlbarer Getriebeschaden

Zu allem Unglück steht seit neun Monaten sein Bus auch noch mit Getriebeschaden still. Und seit mehr als einem Jahr blinkt das Steuergerät für seine Muskelstimulation und zeigt Kalibrierung an. Seither ist das zusätzliche Training passé. Dringend müsste er erneut in die Schweiz reisen und den Termin in der Klinik auf eigene Kosten finanzieren. Unmöglich!

Der Bus soll wieder rollen

Bei allen aufgelaufenen Problemen sind sich seine Tochter und sein enger Freund einig, dass das fahrbereite Auto für ihn im Moment am dringlichsten ist, damit der Vater und Freund mit zurückerlangter Mobilität endlich wieder Teilhabe, Hoffnung, Lebensqualität, mehr Würde und Normalität erhält, formulierte Udo Stern in seinem Spendenaufrauf über gofundme. 10.000 Euro für die Busreparatur zusammen zu bekommen, das war sein Ziel. Doch das liegt weit entfernt. Er ist dankbar über jeden, der seinem Aufruf gefolgt ist. Doch die eingegangenen 4135 Euro reichen für die nötige Reparatur nicht aus.

Freies Wort hilft“, der gemeinnützige Hilfsverein von Freies Wort, Südthüringer Zeitung und Meininger Tageblatt, der Menschen in Not zur Seite steht, will dabei unterstützen. Gemeinsam mit Ihnen, liebe Leserinnen und Leser, hoffen wir, dem Betrag für die Reparatur für ein selbstbestimmteres Leben für Falk Zimmermann näher zu kommen oder gar zu erreichen. Jeder Beitrag trägt mit dazu bei. Unter dem Verwendungszweck „Falk Zimmermann“ (IBAN DE39 8405 0000 1705 0170 17) kommt jeder gespendete Euro direkt diesem Ziel zugute.