Freies Wort hilft Suhler bauen in Namibia Kindergarten

Heike Fuhrmann (rechts) durfte zur Schuleinführung ihrer Schützlinge dabei sein. Foto: privat/privat

Es sollte ein ganz normaler Urlaub in Namibia werden. Doch dann landete Heike Fuhrmann in einem Kindergarten in den Townships. Aktuell war sie mit einer 18-köpfigen Delegation vor Ort. Ihr Ziel: Ein Kinderhaus mit Hilfe von Stein-Spendern.

 
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Seit 2017 schlägt das Herz von Heike Fuhrmann anders. Und zwar im Takt eines fremden Landes. Namibia. „Es war das erste und letzte Mal, dass ich dort mit leeren Händen angereist bin“, sagt sie. Damals besuchte sie den St. Johannes Kindergarten, der von einem Deutschen, Gottfried Brenner, aus Spendengeldern betrieben wurde. Sein Ziel sei es gewesen, die Kinder von den Müllhalden in den Townships wegzulocken.

Immer wieder kehrte die Suhlerin nach Namibia zurück. Dort hin, wo den Jungen und Mädchen, die in Blechhütten leben, Englisch beigebracht und ein Mal am Tag eine warme Mahlzeit serviert wurde. Bis Brenner 2020 verstarb. In dem angemieteten Farmhaus konnte die Einrichtung ab diesem Zeitpunkt nicht mehr bleiben. Kindergärtnerin Toini kümmerte sich um eine leer stehende Blechhütte, in der die Kleinen weiter betreut werden konnten. Damals wurde von Heike Fuhrmann die Idee geboren, ein Kinderhaus aus Steinen zu bauen. Kurz zuvor hatte die Firma Polycare kennen gelernt, die aus recycelten Plasteflaschen und Wüstensand Bausteine im Lego-Prinzip herstellt. Ausgerechnet dieses Unternehmen hatte in Namibia eine Zweigstelle eröffnet. Ein erster Kostenvoranschlag für die benötigten Steine lag bei 75 000 Euro. Viel mehr, als die Suhler Unternehmerin ursprünglich vermutet hatte. „Mein erster Gedanke war ein privater Kredit“, erinnert sie sich. Dann besann sie sich auf ihren Lions Club, dem sie das Projekt vorstellte. Die Idee kam bei ihren Freunden gut an. Die Unterstützung war damit gesichert.

Über „Freies Wort hilft“ wurde eine überwältigende Spendenaktion angeleiert. Zugleich wurde jeder der 1500 benötigten Steine für 50 Euro als Spende ausgerufen. Die Lions wurden zu Waffelbäckern und verwendeten sämtliche Einnahmen für das Hilfsprojekt. Außerdem wurden 31 Kinderhauspaten gefunden, die mit einer monatlichen Spende von 10 bis 20 Euro die Aktion unterstützen.

Am Freitag konnte Heike Fuhrmann nun in der Sporthalle Am Bock in Albrechts einem interessierten Publikum verkünden: „Stand heute haben wir Spenden für 1310 Steine bekommen.“ Das endgültige Ziel von 1500 Steinen ist also greifbar nahe. Deshalb steht jetzt die Entscheidung: „Wir haben beschlossen, in diesem Jahr zu bauen.“ Mit Wir meint Heike Fuhrmann ihre Mitstreiter vom Lions Club Suhl – Zella-Mehlis. Nachdem sie so viel von ihren Bemühungen, Fortschritten, Begegnungen und Rückschlägen erzählt hatte, wollte sich ein Teil der Lions ein eigenes Bild vor Ort machen. Im März diesen Jahres setzte sich daher eine Delegation von 18 Clubmitgliedern und Anhang in den Flieger, mit dem Ziel Okahandja in Namibia. Unter ihnen auch IHK-Hauptgeschäftsführer Ralf Pieterwas, Notar Martin Jäger, Ortsteilbürgermeisterin Birgit Endter, Patentanwalt Christoph Engel sowie Knut Halir vom gleichnamigen Werbestudio. Die Kosten hat jeder Teilnehmer übrigens selbst getragen.

In fünf großen Jeeps fuhren die Suhler und Zella-Mehliser am Kindergarten vor. Dort konnten sie sehen, was sich seit dem ersten Besuch von Heike Fuhrmann inzwischen getan hat. Zu der ursprünglichen alten Blechhütte sind eine größere Hütte sowie ein Kochhaus dazu gekommen. Drei fest angestellte Mitarbeiter, davon ein Koch und zwei Kindergärtnerinnen, betreuen die Jungen und Mädchen. Waren es anfangs nur 20 Kinder, so ist die Zahl nunmehr auf 50 gestiegen.

Umgehend wurden die deutschen Gäste zu einem großen Meeting der Stadt Okahandja eingeladen. „Wir haben Eindruck hinterlassen. Die Stadtvertreter haben uns zugesichert, dass wir auf das vorhandene Grundstück bauen dürfen. Ich warte jeden Tag auf Post aus Namibia“, sagt Heike Fuhrmann. Das ist wichtig: Denn das Grundstück ist bisher nirgends registriert.

„Uns geht es hier so gut. Das merkt man erst dort. Da können wir doch ein kleines bisschen an diejenigen abgeben, denen so vieles fehlt“, erklärt Heike Fuhrmann, warum ihr und vielen Spendern dieses Projekt so sehr am Herzen liegt.

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