Freies Wort hilft Mehr als 20.000 Euro für Leonard

Madlen Pfeifer
Leonard am Ostsee-Strand. Foto: privat/privat

Über 20000 Euro haben Leser dieser Zeitung im Zuge des Spendenaufrufes von „Freies Wort hilft“ in den vergangenen Monaten für den schwer kranken Leonard aus Lauscha gespendet. Eine große Hilfe für seine Familie, die weiter hofft, dass der Zweijährige gesund wird.

„Die letzten zwei Monate möchte ich am liebsten streichen“, sagt Stefanie Moersch. Abgesehen von der knapp einen Woche, die sie mit ihren Kindern an der Ostsee verbracht hat. Der erste Urlaub seit Langem für die achtfache Mutter und ihre Familie. Ein so wichtiger zum Abschalten, zum Krafttanken, zum Zeit- und Lebengenießen. Einer für all das, was seit der Diagnose eines Hirntumors bei ihrem jüngsten Sohn dringend einmal notwendig gewesen ist. Der Hilfsbereitschaft der Leser dieser Zeitung sei Dank.

Mehr als 20000 Euro sind seit dem ersten Bericht über die Krankheit des zweijährigen Leonard über den damit verbundenen Spendenaufruf von „Freies Wort hilft“ und einem zweiten Beitrag im September für den kleinen Jungen und die Lauschaer Großfamilie zusammengekommen. Allein 16815 Euro, die auf das Spendenkonto überwiesen und vom Hilfswerk dieser Zeitung auf 18000 Euro aufgestockt wurden. Stefanie Moersch hat das Geld bereits erhalten. Nicht zu vergessen sind die 215 Euro, die der Lauschaer Kindergarten „Hüttengeister“ an seinem Geburtstag im September in einer Freies-Wort-hilft-Dose gesammelt hat und die 200 Euro, die sich in einer zweiten, im Haus der Natur in Goldisthal stehenden Box des Vereins angehäuft haben. In den vergangenen Monaten hat die Mutter immer wieder auch Spenden an der Haustür entgegennehmen dürfen. Unterm Strich steht auch da noch einmal ein Betrag von circa 2000 Euro. Tankgutscheine und sonstige zusätzliche Aufmerksamkeiten nicht mit eingerechnet.

Dankbar für jede einzelne Hilfe

Einen Gutschein für einen Besuch im Haus der Natur hat die Familie, wie berichtet, etwa erhalten. Ebenso Freikarten für einen Ausflug in den Playmobil-Funpark in Zirndorf im Landkreis Fürth. Yvonne Schmidt, Hebamme aus Grümpen, hat der Familie das Ganze organisiert. Und das obwohl man sich, wie Stefanie Moersch sagt, gar nicht kenne. Gleiches gilt für die Hilfe einer Frau aus Erfurt, die dort ein Haarentfernungsstudio betreibt und über eine Bekannte, die im Krankenhaus arbeitet, in dem Leonard regelmäßig behandelt wird, auf die Leidensgeschichte des Jungen und seiner Familie aufmerksam wurde. Mit dem Ergebnis, dass sie nun den Einkauf im Playmobil-Shop des Funparks übernimmt. „Die Kinder fahren tierisch auf Playmobil ab“, sagt Stefanie. „Das ist einfach klasse, absolut irre.“

Allgemein ist die 39-Jährige, die ihrer Arbeit seit der Diagnose nicht mehr nachgehen kann, jedem einzelnen ganz egal für welche Art der Unterstützung dankbar. Allen voran ihrer Freundin Patrizia Schiller, die die Spendenaktion über die Zeitung angeleiert hat. Dass die Hilfsbereitschaft solche Ausmaße annimmt, damit haben beide nicht im Entferntesten gerechnet. Am liebsten würden sich die Frauen bei jedem Einzelnen für die geleistete Spende bedanken. Nachvollziehen lässt sich das für sie aber nicht, sodass sie ein aus tiefstem Herzen kommendes Dankeschön gleichsam an alle übermitteln.

„Alle haben Federn gelassen“

Das Geld nehme zumindest ein Stück weit die Sorgen, sagt Stefanie. Es verschafft ihr einen Puffer. Und es macht etwa einen Urlaub möglich. Ganz so, wie es sich die Mutter für ihr Kinder gewünscht hat, um ihnen nach den aufreibenden Monaten etwas Schönes zuteilwerden zu lassen. „Es war sehr schön“, erzählt sie. Jeden Tag habe man etwas unternommen, ob eine Schifffahrt, um Seehunde zu beobachten, ob Ausflüge in Städte und zu Häfen zum Bummeln, ob einen Besuch im Meeresaquarium oder einfach nur einen Tag am Strand, um bei der steifen Brise Drachen steigen zu lassen, mit einem Zehn-Mann-Fahrrad am Deich entlang zu radeln oder am Meer durch den Sand zu gehen. „Ich glaube, es hat allen gut getan“, sagt Stefanie. Und sie weiß, seit der Diagnose im Dezember 2021 „haben alle Federn gelassen“.

Noch kurz vor der Ostsee-Reise stand der Urlaub auf Kippe. Leonard hat Fieber bekommen. Der Portkatheter, über den er die Medikamente für die Chemotherapie erhält, war verschlossen. Und Stefanie hat selbst auch noch insgesamt gut vier Wochen in Krankenhäusern verbracht im Zuge einer Operation mit anschließenden Komplikationen, bei der ihr ein handballgroßer, circa ein Kilogramm schwerer, gutartiger Tumor entnommen wurde – ebenso ein Eierstock und ein Eileiter, die nicht mehr zu retten waren. Eine wiederum schwierige Zeit für die Familie. Der größte Sohn Justin hat sich derweil zu Hause um den Kleinsten und um den Teil der Kinder gekümmert, die nicht beim getrennt lebenden Vater in Obhut waren. „Für einen 20-Jährigen eine große Bürde“, weiß Stefanie, die ihm das gern erspart hätte.

Nächstes MRT steht bevor

Für Leonard steht am 17. November die nächste Chemotherapie an. 48 Stunden lang bekommt er Medikamente verabreicht. Ein ähnliches Prozedere folgt je einmal in den sich anschließenden zwei Wochen. Dann ist wieder für einen Monat Ruhe. Beziehungsweise in der Zwischenzeit der Termin für das so lang ersehnte, nun vorgezogene erste MRT seit Mai, das zeigen wird, ob die Behandlung Fortschritte bringt und den ursprünglich 4,5 mal 4,5 Zentimeter großen Tumor hat verkleinern können.

Von dem Ergebnis macht Stefanie den weiteren Behandlungsweg für ihren Jüngsten abhängig. Ist die Geschwulst geschrumpft, dann soll die Chemotherapie bis zu Ende geführt werden. Heißt etwa bis zu Leonards drittem Geburtstag im Juli. Sollte das MRT ein unverändertes Bild zeigen, möchte Stefanie eine andere Option in Betracht ziehen, die sich über eine auf Hirntumore bei Kindern spezialisierte Klinik in Berlin ergeben hat. Dort habe man ihr die Hoffnung gemacht, die Geschwulst operativ – wenngleich etwaig nicht in Gänze – entfernen zu können.

„Er hat fast sein halbes Leben immer wieder im Krankenhaus verbringen müssen“, sagt Stefanie. „Das hat er nicht verdient.“ Die Mutter gibt die Hoffnung nicht auf. Alles, was sie ihrem Sohn wünscht, ist, „dass er endlich ein ganz normales, gesundes Kind sein und seine Kindheit genießen darf“.

 

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