Freies Wort hilft Endlich wieder das größte Stück Freiheit zurück

Seit einem Unfall vor elf Jahren ist Falk Zimmermann aus Suhl an den Rollstuhl gebunden. Freiheit ermöglichte ihm sein Bus, bis er die Reparaturen nicht mehr zahlen konnte.

Falk Zimmermann ist glücklich. Mit Hilfe vieler Spender, auch über „Freies Wort hilft“, hat er seinen Bus zurück, der in Betreuung von Werkstattleiter Reiner Mähler (rechts) ist. Vereinsvorsitzender Pierre Döring überbrachte die freudige Nachricht, wie viele Leser dem Rolli-Fahrer wieder zu Mobilität verholfen haben. Foto: Karl-Heinz Frank

Wie viel Freiheit ist möglich, wenn das Leben eines ist, das ausschließlich im Rollstuhl sitzend bewältigt werden kann? Dass alles, was in einer solchen Situation auch nur einen Hauch Selbstständigkeit bedeutet, eine ganz andere Dimension besitzt als bei allen, für die jeder Gang selbstverständlich ist, das ist unbestritten. Umso tragischer, wenn diese hart erkämpfte Autonomie plötzlich verloren geht. So, wie bei Falk Zimmermann aus Suhl, der sich nach einem Unfall vor elf Jahren, querschnittsgelähmt in einem völlig anderen Leben zurechtfinden musste.

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Sein vor neun Jahren gebraucht erworbener und bereits zuvor umgebauter VW T6 wurde ihm wichtiges Bindeglied zu Teilhabe, zu einem Stück weit mehr Selbstbestimmung und Unabhängigkeit. Beachtliche 300.000 Kilometer hat er mit ihm zurückgelegt.

Mehr als neun Monate Stillstand

Doch mehr als neun Monate musste der 60-Jährige auf Mobilität verzichten, weil eine Verstrickung vieler ungünstig verlaufener Situationen ihn auch finanziell in eine Notlage brachte, aus der er trotz der Unterstützung von Familie und Freunden nicht mehr herausfand. Der Bus blieb mit Motor- und Getriebeschaden, kaputten Bremsen und einer nicht mehr funktionierenden Rampe, ohne die er weder ein-, noch einsteigen kann, in der Werkstatt stehen. Unmöglich war es ihm geworden, die dafür nötigen Mittel im hohen vierstelligen Bereich aufzubringen.

Kaum etwas ohne fremde Hilfe möglich

Zurück rutschte der Suhler in ein Leben mit noch begrenzterem Bewegungsradius, in eines, das er nur noch in seinem Rolli absolvieren konnte. Arztbesuche, Einkäufe, Ausflüge? Für alles brauchte er ohne seinen Bus plötzlich fremde Hilfe. Dabei war ihm diese Freiheit das Wichtigste, konnte er doch so auch seinen Kindern, besonders seinem schulpflichtigen Sohn, mehr Vater sein und seine bereits erwachsene Tochter entlasten, die ihm immer zur Seite steht.

Auch die Rampe funktioniert wieder, ohne die Falk Zimmermann weder ein-, noch aussteigen kann. Foto: Karl-Heinz Frank

Seit vergangenem Freitag hat Falk Zimmermann den so wertvollen Handlungsspielraum zurück, den ihm der T6 ermöglicht. Pünktlich 13 Uhr rollte er mit Reiner Mähler von der Mezger Gmbh und Co. KG – Bosch-Meisterwerkstatt in Suhl direkt auf den Behindertenparkplatz vor dem Block in der Aue, in dem Falk Zimmermann wohnt. „Endlich habe ich meine Freiheit wieder“, strahlt er. Den Werkstattleiter begrüßt er mit großem Überschwang. „Dieser Mann ist ein Held, der von einem anderen Planeten kommen muss“, sagt er aus tiefster Überzeugung.

Ein wichtiger Partner

Auch er gehört zu jenen, die in den vergangenen Jahren stets nach Lösungen für Probleme mit dem Fahrzeug suchten, wo andere längst die Hände gehoben hätten. So ist der Einbau einer Haltestange seine Idee, nachdem sich Falk Zimmermann einen Oberschenkelhalsbruch beim Umsteigen zugezogen hatte. Ebenso „rettete“ er sogar an manchem Wochenende aus der einen oder anderen misslichen Situation. Gemeinsam mit seinem Kollegen Markus setzte er nun Himmel und Hölle in Bewegung, um die Kosten für die nötigen Reparaturen möglichst gering zu halten. Sogar das Getriebe auseinanderzulegen, um den Einbau eines wesentlich teureren, neuen zu verhindern, scheuten sie nicht.

Ohne Spenden nicht machbar

Dass es überhaupt zu den Reparaturen kommen konnte, verdankt Falk Zimmermann in erster Linie seinem Freund Udo Stern, der einen Spendenaufruf startete sowie den Lesern von „Freies Wort“. Mit dem Verein „Freies Wort hilft“ im Boot wurde die bisher wegen des fehlenden Geldes nicht mögliche Instandsetzung des Busses in Angriff genommen. Insgesamt sind dem genau vor einem Monat erschienenen Aufruf zur Mithilfe 73 Leser mit je einer Einzelspende in völlig unterschiedlicher Höhe gefolgt. Ein großartiges Ergebnis. „Sie alle haben dazu beigetragen, endlich wieder mehr mein eigener Herr – unabhängiger von fremder Hilfe – sein zu können“, freut sich der nun wieder mobile Bus-Besitzer und dankt allen, die dazu beigetragen haben.

Ein tolles Ergebnis

Dass so viele Unbekannte ein Schicksal nicht unberührt lässt, beeindruckt auch Reiner Mähler. Ebenso der Lebensmut von Falk Zimmermann, der immer daran glaubte, irgendwann seinen Bus wieder fahren zu können. „Hut ab! Wohl niemand, der nicht selbst in einer solchen Lage war oder ist, kann deren Ausmaß auch nur erahnen“, ist er überzeugt. Pierre Döring, der Vorsitzende von „Freies Wort hilft“, dem gemeinnützigen Hilfswerk der drei Tageszeitungen in Südthüringen, wünschte, dass mit den nun erfolgten großen Reparaturen eine möglichst lange sorgenfreie Phase verbunden ist.

Genau zum richtigen Zeitpunkt sind sie möglich geworden. Denn Falk Zimmermann ist seit Montag für ein paar Tage mit seinem Sohn auf Tour, um gemeinsam ein wenig Ferienzeit zu verbringen. Wichtige aktive Zweisamkeit, die in den vergangenen Monaten viel zu kurz gekommen ist.