Freies Wort hilft Ein Bus für Alican – Südthüringer Leser zeigen Herz

Knapp sechs Wochen nach dem Spendenaufruf sind für den sechsjährigen Alican unglaubliche 10.873 Euro auf dem Konto von „Freies Wort hilft“ eingegangen.

Alican spielt in seinem Stehstuhl. Eines der Therapiegeräte, für die kein Platz im aktuellen Auto der Familie ist. Foto: privat

Während die zuständige Behörde sich weiter Zeit lässt, haben Leser von insuedthueringen.de nicht lange gezögert. Bereits Stunden nach der Veröffentlichung des Berichtes über den schwerstbehinderten Sechsjährigen aus Bad Liebenstein am 9. September gingen die ersten Spenden auf den Konto von „Freies Wort hilft – miteinander füreinander“, dem Hilfsverein von Südthüringer Zeitung und Freies Wort, ein. Inzwischen sind knapp 11.000 Euro zusammen gekommen. Genauer 10.873 Euro, informierte Barbara Gerhardt, die im Vereinsvorstand die Zahlen im Blick hat, zur jüngsten Vorstandssitzung.

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„Als ich die Info zum Betrag bekam, musste ich mehrmals nachschauen, ob ich tatsächlich richtig gelesen habe“, sagt Alicans Mama Jana Güler spürbar gerührt. So unglaublich sei die große Summe. „Ich konnte es nicht fassen, zumal alle Aktionen, die wir privat gestartet haben eher verhalten gelaufen sind“, berichtet die alleinerziehende Mutter. „Ich bin so unglaublich dankbar.“ Neben Nesthäkchen Alican gehören noch eine 13-jährige Tochter und ein erwachsener Sohn, der nicht mehr zu Hause lebt, zur Familie.

Mehrere Gendefekte verursachen schwere Behinderung

Seit nunmehr sechs Jahren dreht sich nahezu das komplette Familienleben um Alican, der mit mehreren Gendefekten auf die Welt kam. Er ist blind und schwerhörig, hat Epilepsie, eine Nierenfehlbildung, eine Ernährungsstörung und diverse Muskel- und Entwicklungsbeeinträchtigungen. Pflegegrad 5 mit keiner Aussicht auf Besserung. Ein 24-Stunden-Job an 365 Tagen im Jahr für seine Mama Jana Güler. Unterstützt wird sie wochentags für acht Stunden von einem Intensivpflegedienst. Zudem besucht der Junge für drei Stunden pro Tag einen integrativen Kindergarten in Eisenach.

Für die große Schwester bedeutet der enorme Pflegeaufwand, oft zurückstecken zu müssen. Denn Ausflüge oder gar Urlaubsreisen sind mit dem bisherigen Auto der Familie schier unmöglich. Vom Absauggerät über den Hustenassistent und den Buggy bis zum Stehtrainer braucht der Fünfjährige etliches, was zusammen nicht in den Kombi passt. Um wieder mobiler zu werden, hat Jana Güler sich an den Hilfsverein gewandt und um Unterstützung zum Kauf eines behindertengerechten Busses gebeten. Und die Leser zeigten ein Herz für die Nöte der Alleinerziehenden. Auch vom Thüringer Hilfsfond gab es inzwischen eine sehr positive Nachricht, erzählt die Bad Liebensteinerin. „Hier werden wir mit 10.000 Euro unterstützt.“ Von einer weiteren Stiftung gibt es einen Zuschuss in Höhe von 2000 Euro.

Zwischen 30.000 und 40.000 Euro kostet ein geeigneter Bus samt Umbau, weiß die Heilerziehungspflegerin, die bis vor einem Jahr in der Bad Liebensteiner Kinderkrippe gearbeitet hat. Seitdem ist sie wegen der starken psychischen aber auch körperlichen Belastung krank geschrieben.

Wochenlang nichts vom Sozialamt gehört

Während Leser und Stiftungen schnell agierten, zeigt sich das Sozialamt des Wartburgkreises schwerfälliger. Nachdem Jana Güler am 7. Juli einen Antrag auf Unterstützung gestellt hatte, hörte sie wochenlang nichts von der Behörde. Erst nach einem erneuten Schreiben Ende September kam eine Antwort. In dem Schreiben wurde informiert, dass zur Bearbeitung des Antrages eine sozialpädagogische Empfehlung angefordert wurde.

Kommende Woche nun hat die Fallmanagerin ihren Besuch angekündigt. Sie will vor Ort sehen, dass tatsächlich nicht alle Hilfsmittel und Therapiegeräte von Alican in den Kombi der Familie passen. Für Jana Güler wieder ein enormer Aufwand, denn alles muss von der Wohnung in der ersten Etage zum Auto transportiert werden. „Aber hier wird deutlich werden, das bereits der Rehabuggy den Kofferraum komplett ausfüllt.“ Sie sei zuversichtlich, dass „wir dann eine hilfreiche Empfehlung bekommen“. Jedoch auch die Fallmanagerin entscheide am Ende nicht, ob und in welcher Höhe es Unterstützung vom Sozialamt gibt. Bis zu 22.000 Euro seien möglich. „Wenn wir die bekommen, dann hätten wir das Geld zusammen“, sagt die Bad Liebensteinerin.