Freies Wort hilft Das Wunder von Marla und Millionen helfender Herzen

„Freies Wort hilft“ kann keine Wunder bewirken, aber dem größtmöglichen Glück im Unglück nachhelfen. Und das seit mehr als 25 Jahren, wie das Mitgliedertreffen des Zeitungshilfswerks in Suhl zeigte.

 
Schließen

Diesen Artikel teilen

Die ganze Geschichte von „Freies Wort hilft“; die 25 Jahre, in denen das Hilfswerk dieser Zeitung unzähligen Menschen in Not beigestanden hat; in denen Zehntausende Südthüringer spendeten, halfen, mitmachten, aktive Solidarität zeigten; das Glück, das selbstloser Beistand im Unglück schaffen kann: Sie sind in einem einzigen Moment zusammengedrängt in diesen Minuten an diesem Abend in Suhl. Marla, ein siebenjähriges Mädchen aus Schmiedefeld bei Neuhaus, tanzt und springt so locker, so fröhlich und unbeschwert durch die Reihen der Hilfswerk-Mitglieder, als ob sie allen im Saal sagen wollte: Seht her, so was Tolles kommt heraus, wenn man an die Kraft der Mitmenschlichkeit glaubt. Marla hat, nach Monaten des Verzweifelns, Bangens und Leidens, ihren Blutkrebs besiegt, und allen stehen Tränen in den Augen: „Es ist die größte Freude überhaupt, dich heute hier zu sehen“, sagt Hilfsvereinsvorsitzender Kersten Mey, der seit Vereinsgründung Mitglied ist. „Mein schönster Termin in den 25 Jahren.“

Nun hat natürlich nicht „Freies Wort hilft“ Marla geheilt, und doch hat es einen Anteil an ihrem Weg zurück ins Mädchenleben: Die Spendenaktion für sie war eine der größten in der Vereinsgeschichte. Hunderte Leser bangten mit dem Mädchen aus dem Schiefergebirge und verfolgten ihre Schicksalsgeschichte, die an diesem Abend Katja Stollberg, Freundin und Wegbegleiterin von Marlas Mutter, nachzeichnet.

Urplötzlich war aus einer normalen Erstklässlerin eine schwerst kranke Blutkrebspatientin geworden, mit niederschmetternder Diagnose und Prognose: Eine besonders seltene und schwere Leukämieform, dazu ein Gendefekt, Überlebenschance minimal, kein Stammzellenspender in Sicht. Also volle Chemotherapie. „Wir hatten sehr schwere Zeiten, es war zeitweise aussichtslos“, erzählt Katja, während die Marla von heute lächelnd um sie herumspringt. Nur noch 13 Kilo habe sie gewogen. Einzige Hoffnung: Eine unfassbar teure Spezialtherapie in Singapur.

Hier kommen „Freies Wort hilft“ und die Zeitungsleser ins Spiel. Gemeinsam mit vielen Helfern kommen binnen Kurzem mehr als 80 000 Euro zusammen, genug für den Start der Therapie – und dann passiert ein Wunder. Die Werte verbessern sich urplötzlich, in den USA findet sich ein passender Zellenspender, und tatsächlich: „Die Therapie hat gegriffen. Marla, das Kämpferherz.“

Und so kann die Siebenjährige wieder unbeschwert lächeln und gemeinsam mit ihrer besten Freundin Xenia einen Gutschein des Hilfsvereins für Reiterferien in Meura entgegennehmen („Wir fahren aber ohne die Eltern!“) In zwei Jahren, nach Ende der vorgeschrieben Sperrzeit, kann sie hoffen, den amerikanischen Knochenmarkspender, also ihren Lebensretter, kennenzulernen .

Und die 80 000 Spenden-Euro? Die müssen noch auf dem Konto bleiben, denn völlig ausgestanden ist die Geschichte noch nicht. Noch fünf Jahre müssen Marla und ihre Leute warten. Erst dann kann ausgeschlossen werden, dass der Krebs nicht doch wiederkehrt. „Davor haben wir große Angst“, sagt Katja Stollberg. In diesem schlimmsten Fall bliebe die Therapie in Singapur die allerletzte Heilungschance. Aber auch wenn diese, was alle hoffen, nicht in Anspruch genommen werden muss, wäre der Spendenzweck nicht verfehlt: Das Geld ginge dann, so ist es vereinbart, an eine der anderen Familien, die von derselben seltenen tückischen Krankheit betroffen sind.

Schicksalsschläge durch Unglücke, Krankheiten und Unfälle oder einfach großes Pech: Das waren auch in den vergangenen drei Jahren die Anlässe für „Freies Wort hilft“, unverschuldet in Not geratenen Menschen zu helfen. Der Rückblick auf die Jahre 2021 bis 2023 war denn auch der Anlass der Mitgliederversammlung, zu der der Verein auch Marla und ihre Freunde geladen hatte,.

Rund 866 000 Euro wurden alleine in diesen drei Jahren eingesammelt. Insgesamt beläuft sich die Spendensumme in den 25 Jahren von „Freies Wort hilft“ auf rund 3,2 Millionen. Inflationsbereinigt, also umgerechnet auf das aktuelle Preisniveau, sind es sogar nahezu vier Millionen Euro, die die Zeitungsleser seit 1998 spendeten. Damit machten sie „Freies Wort hilft“ zum größten Hilfswerk Südthüringens. Vereinschef Mey dankte für das „enorme Vertrauen in unsere Arbeit“, die sich in diesen Zahlen ausdrücke.

Dahinter stecken viele kleine und große Einzelspenden sowie zahllose Sammel-Aktionen von Gruppen und Institutionen. So wie die des Meininger Theaters, das traditionell einmal pro Saison eine öffentliche Generalprobe in den Dienst von „Freies Wort hilft“ stellt und die Eintrittserlöse spendet. Zuletzt kamen so bei der exklusiven Vorpremiere der „Fledermaus“-Operette im vergangenen Dezember knapp 4700 Euro zusammen. Das Benefiz-Fußballspiel, bei dem in jedem Olympiajahr Wintersport-Asse für „Freies Wort hilft“ kicken, brachte 2022 in Zella–Mehlis sogar fast 18 000 Euro ein.

Was mit dem Spendengeld geschieht, das ohne Abzug von Verwaltungskosten direkt an die Betroffenen geht, können Leser stets aktuell in der Zeitung verfolgen. Auch das ein Pluspunkt des Hilfswerks: Man weiß, dass und wo jeder Euro ankommt.

Etwa im Ahrtal im Rheinland, wohin mit insgesamt 285 000 Euro die größte Spendensumme der vergangenen Vereinsjahre floss – es war, nach der Hilfsaktion für das von der Flut zerstörte sächsische Dorf Erlln im Jahr 2002 mit damals einer halben Spenden-Million, das zweitgrößte Projekt von „Freies Wort hilft“ überhaupt. Die von der furchtbaren Flutwelle im Sommer 2021 getroffenen Menschen seien so erstaunt wie dankbar gewesen, dass ausgerechnet aus dem Osten Deutschlands so viel Beistand gekommen sei, berichtet Klaus-Ulrich Hubert, einer der Vereinsleute und Zeitungsjournalisten, die aus dem Katastrophengebiet berichteten und den Einsatz der Hilfsgelder organisierten. Für kaputte Häuser, überschwemmte Lebensträume, Nothilfe für Menschen, die knapp mit dem Leben davongekommen waren. „Vor Ort war das Ausmaß der Zerstörung viel, viel größer, als es Bilder aus der Ferne zeigten“, erinnert sich Hubert.

Wie immer waren auch 2021 bis 2023 die meisten Hilfsfälle eine Südthüringer Angelegenheit: Fahrzeuge, Lifte oder Umbauten für Familien, die schwerkranke Familienangehörige daheim haben und denen sonst niemand dabei hilft, die Mobilität und den Wohnraum zu schaffen, der den Betroffenen das Leben erleichtert; Nothilfe nach Bränden oder Unfällen für Menschen, die keinerlei Finanzreserven haben – viele Dutzend Male tat der Verein Gutes.

Dahinter stand seit 2008 vor allem mit Kersten Mey ein engagierter Vereinschef, im Hauptberuf Geschäftsführer der städtischen Zella-Mehliser Wohnungsgesellschaft. Nach 16 überaus produktiven Jahren gibt Mey nun sein Ehrenamt auf. „Er war ein Hilfswerk-Mann wie aus dem Bilderbuch“, lobte der alte und neue Vereinsvize Markus Ermert, Redaktionsleiter dieser Zeitung. Zum neuen Vorsitzenden wählten die Mitglieder Pierre Döring aus Suhl, als Verlagsleiter dieser Zeitung in der Region gut bekannt. Den Vorstand komplettieren Barbara Gerhardt und Silvia Bergner aus Suhl sowie Marie-Luise Otto aus Bad Salzungen, die der Schmalkalderin Silke Wolf nachfolgt.

Autor

Bilder