Freies Wort hilft Brunos Familie hofft aufs neue Jahr

Karin Schlütter

Weihnachten 2025 im barrierefrei umgebauten Haus. Das war der Plan. Das war Hoffnung für die Familie des schwerkranken Bruno in Erlau. Doch daraus wurde nichts.

Bruno ist inzwischen neun Jahre alt, sein Zuhause noch immer nicht barrierefrei. Foto: Archiv

Seit zwei Jahren plant und baut Familie Hoffmann, um das Haus barrierefrei umzubauen, damit Bruno, der durch einen sehr seltenen Gen-Defekt schwer beeinträchtigt ist, im Haus am Erlauer Bahnhof mit einem Spezialrollstuhl befördert werden kann. Die Familie hatte das Haus vor zehn Jahren gekauft, als ihr zweites Kind unterwegs war, nicht ahnend, dass der kleine Junge schwerst beeinträchtigt zur Welt kommt. Das Häuschen am Erlauer Bahnhof mit einem kleinen Anbau ist noch nicht vollständig abbezahlt und Brunos Familie hat weiter Sorgen.

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Die Geschichte Brunos und seiner Familie hat die ganze Region bewegt, seit unsere Redaktion sie im Jahre 2020 erstmals öffentlich gemacht hat. Eine Welle der Hilfsbereitschaft ist seither im Gange und hält noch an. Mit Hilfe der Leser dieser Zeitung konnte der Verein „Freies Wort hilft“ bis Ende Dezember 2021 rund 45 000 Euro an die Familie auszahlen.

Durch viele weiteren Spendenaktionen im Suhler Klinikum, in der Klosterapotheke, im Schleusinger Ortsteil St. Kilian … hatte die Familie schließlich so viel Geld zusammen, um den Umbau in Angriff nehmen und Bauantrag stellen zu können. Doch so schnell wie gehofft ging es dann nicht. Die Familie ist im kleinen Haus zusammengerückt, um im Anbau Platz zu schaffen für den Fahrstuhl und die neue Treppe, die auf zwei Ebenen den Zugang zum Hauptgebäude barrierefrei möglich macht. Dazu musste der Anbau, in dem zuvor Brunos Zimmer war, aufgestockt werden.

Immer wieder Ärger mit der Baufirma

Der Fahrstuhl ist installiert und funktioniert, erfüllt aber nicht die Funktion, für die er eingebaut ist. Grund: die Bauarbeiten gingen nur schleppend bis gar nicht voran. „Wir hatten immer wieder Ärger mit der Baufirma“, erzählt Brunos Vater André. Die Familie lebt seit zwei Jahren auf engstem Raum. Bruno zog ins Zimmer seines großen Bruders Tom. Bruno, der inzwischen neun Jahre ist und 30 Kilo wiegt, muss weiterhin über die enge Treppe zum Auto getragen werden, das ihn täglich zur Schule bringt.

Mama und Papa haben ihr Schlafzimmer für Tom geräumt und schlafen im Durchgangszimmer. Für ein 13-jähriges „Pubertier“ nicht unbedingt erstrebenswert. Freunde einladen geht gar nicht. Die Familie ist an der Belastungsgrenze. Der Rohbau steht, doch auf Türen und Fenster, die längst installiert sein sollten, wartet die Familie immer noch. Woran hapert’s? „Die Baufirma erwies sich als Katastrophe. Absprachen wurden nicht eingehalten, vereinbarte Termine nicht wahrgenommen, wir mussten mehrmals mahnen, dass Türen und Fenster endlich eingebaut werden“, sagt Mama Janine, „doch wir wurden immer wieder hingehalten.“

Im Fahrstuhl. Foto: privat

Fast hätte die Familie dadurch den Zuschuss von 16.000 Euro für den Fahrstuhl vom Hilfswerk „Ein Herz für Kinder“ verloren. „Wir sind froh, dass wir den dann doch noch bekommen haben“, sagt Janine. Sie war am Verzweifeln. „Wir mussten uns schließlich von der Baufirma trennen, damit es weitergeht.“

Dann noch ein Beinbruch

Zu allem Unglück hat sich André Hoffmann beim Spendenlauf Wings for Life am 5. Mai in Suhl ein Bein angebrochen und konnte die neue Arbeitsstelle am 1. Juni nicht wie geplant antreten. In seiner Zella-Mehliser Firma hatte er gekündigt, weil die Situation in der Familie die Schichtarbeit nicht mehr zugelassen hat. „Wir haben den Spendenlauf mit der ganzen Familie mitgemacht, weil uns so viele Menschen schon geholfen haben und wir etwas zurückgeben wollten, damit anderen geholfen werden kann“, erklärt Janine. Die ganze Familie war mit Bruno dabei.

Bruno macht Fortschritte. Foto: privat

Zwei Operationen stehen an

Und was nun? „Inzwischen haben wir uns um eine andere Baufirma bemüht. Eine Schmiedefelder Firma hat uns ein Angebot gemacht“, erzählt Janine voller Hoffnung, dass es jetzt voran geht. Doch die finanziellen Sorgen begleiten sie weiter. Inzwischen liegen die Kostenvoranschläge vor und sie weiß, dass das Geld, das sie Familie hat, nicht reicht. Auch nicht mit dem Zuschuss für Wohnraum verbessernde Maßnahmen der Krankenkasse von 4180 Euro. Janine hat sich inzwischen auch an das Sozialamt des Landkreises gewandt in der Hoffnung auf Unterstützung. Und Papa André hofft, bald wieder arbeiten zu können. Weil er sein gebrochenes Bein nicht belasten darf, trägt Mama Janine ihr krankes Kind über die Treppe.

Viel Unterstützung für Bruno. Foto: privat

Von den Sorgen der Eltern weiß Bruno freilich nichts. Der aufgeweckte hübsche Neunjährige artikuliert fröhlich vor sich hin, wenn er aus der Schule nach Hause gebracht wird. Und er macht Fortschritte. Er hat in der Schule eine Integrationshelferin an seiner Seite, die nur für ihn da ist, ihn unterstützt und fördert. „Es ist so ein Glück, dass wir Katrin für Bruno haben“, sagt Mama Janine. „Sie hat das richtige Gespür für Bruno und der liebt sie. Katrin gehört längst zur Familie.“ Doch für Bruno steht noch ein schweres Jahr bevor. Im Arnstädter Marienstift, in dem er regelmäßig untersucht wird, muss er in diesem Jahr noch zweimal operiert werden, damit die Fehlstellung der Füße gerichtet werden kann, die durch das nicht vorhandene Stehvermögen des Jungen entstanden ist. Das bedeutet eine neue Belastungsprobe für den Neunjährigen und seine Familie.

Wenigstens nächstes Weihnachten?

Jetzt hofft die Familie auf das neue Jahr und dass sie Weihnachten 2026 im barrierefrei umgebauten Haus feiern kann. Der Verein „Freies Wort hilft“ möchte die Familie in dieser schwierigen Situation weiter unterstützen. Wer dabei helfen möchte, kann sich an der Spendenaktion für Brunos Familie beteiligen.

Spenden sind möglich mit dem Verwendungszweck „Bruno“ auf das Konto von „Freies Wort hilft“, dem gemeinnützigen Hilfswerk der Südthüringer Tageszeitungen (IBAN: DE 39 8405 0000 1705 0170 17).