Freie Stellen Ein Job „wie bezahltes Fitnessstudio“

Beate Funk

Er versorgt fünf Tage die Woche rund 300 Haushalte mit wichtigen Informationen und hat Spaß dabei. Andreas Kuropka ist Zeitungszusteller – und kann diesen Job nur weiter empfehlen.

Auch bei Schnee und Eis ist Andreas Kuropka mit dem Fahrrad als Zeitungszusteller unterwegs. Foto: Imogen Berger

„Der Mann ist einer unserer Super-Springer“, sagt Sina Wagner über Andreas Kuropka. Die 41-Jährige ist zusammen mit Henrik Siebert (44) für den Einsatz der Zusteller von Südthüringer Zeitung und Freies Wort im südlichen Wartburgkreis und im Raum Kaltennordheim zuständig.

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Andreas Kuropka ist einer von aktuell rund 80 Leuten, die die Leser in der Region mit gedruckten Nachrichten versorgen. Über sein eigenes Gebiet hinaus springt er kurzfristig auch regelmäßig andernorts ein, wenn Zusteller ausfallen. „Mittlerweile kenne ich fast jede Ecke im Altkreis Bad Salzungen“, sagt er lachend.

Vielbeschäftigt, trotzdem flexibel

Der 48-Jährige lebt mit seiner Frau und vier Söhnen im Alter von 11 bis 17 Jahren in Stadtlengsfeld. Hauptberuflich arbeitet er selbstständig als Softwareentwickler und macht IT-Wartung. Außerdem ist er ehrenamtlich Ortsteilbürgermeister von Stadtlengsfeld, Gemeinderat in Dermbach und Vorsitzender sowohl des Schulfördervereins als auch des Kindergartenfördervereins in Stadtlengsfeld.

Seit 2016 trägt Andreas Kuropka nachts Tageszeitungen aus. Mit einer Stunde pro Woche habe er damals angefangen, dann wurden es vier Stunden pro Tag, mittlerweile seien es fünf und mehr. „Die meiste Zeit verbringe ich mittlerweile tatsächlich mit der Zeitung“, sagt er – was vor allem der personellen Notlage geschuldet sei. Zudem kümmere er sich „selbstständigerweise“ um die Verteilung des Wochenspiegels in diversen Orten der Rhön, „da habe ich sogar ein paar Mitarbeiter“.

Bis zu 90 Kilometer täglich per Fahrrad

In der Regel kurz nach Mitternacht schwingt sich Andreas Kuropka auf sein Fahrrad und bringt die Zeitungen in die Briefkästen. Zwischen 200 und 300 Stück pro Tag – dafür legt er radelnd eine Strecke von bis zu 90 Kilometern zurück. „Aber es ist ein E-Bike“, erklärt er. Neben seinem Stammbezirk – das komplette Oberdorf von Stadtlengsfeld – beliefert er von Dienstag bis Samstag Leser in verschiedenen Teilen der Region. Die Orte wechseln von Woche zu Woche. Dieser Tage war er unter anderem in Schweina, Bad Liebenstein, Bairoda und Gumpelstadt unterwegs.

Neue Gegenden und nette Leute

Andreas Kuropka hat Spaß an dem Zusteller-Job und den nächtlichen Radtouren. „Ich sage immer: Das ist bezahltes Fitnessstudio. Man hat Bewegung. Man ist an der frischen Luft.“ Das wirke sich auf das Wohlbefinden aus – „es hält gesund, es hält fit, ich fühle mich gut“. Was er „sehr schätze“, sei: „Man hat in der Nacht seine Ruhe, Zeit zum Nachdenken.“ Besonders toll finde er es, unter dem Sternenhimmel unterwegs zu sein. Und: Er habe immer wieder Freude daran, neue Gegenden und nette Leute kennenzulernen. In den Wohngebieten trifft er beim Zeitungseinstecken durchaus auch spätabends beziehungsweise frühmorgens auf den ein oder anderen Leser. „Und was ich sehr schön finde, wenn ich vertretungsweise unterwegs bin, dass es dann auch Leute gibt, die ’Danke’ sagen.“

Leser aus den Bezirken ohne Stammzusteller verstünden allerdings oft nicht, „warum ich mal da bin und dann wieder zwei Wochen nicht“. Das liegt daran, dass Andreas Kuropka umgehend dort eingesetzt wird, wo ein Notstand bekannt wird. Kommen dann weitere Ausfälle, beispielsweise durch Krankheit hinzu, wird es problematisch. Denn auch als „Super-Springer“ kann der 48-Jährige unmöglich überall im weit auseinander geklüfteten Verbreitungsgebiet im Einsatz sein.

Ganz anders als Schichtarbeit

Einen Mangel an Zustellern, vor allem im Raum Bad Liebenstein, gibt es schon seit Jahren. Aktuell ist die Personalnot aber extrem groß. Austräger werden dringend gesucht. Dabei sei der Job durchaus lukrativ, er könne die Leute nur ermuntern, sich zu bewerben, sagt Andreas Kuropka. „Man kann sich die Zeit auch relativ frei einteilen. Es ist nicht so, wie wenn ich in einen Betrieb gehe, dass die Schicht um 6 Uhr beginnt.“ Die Zeitungen stünden in der Regel ab Mitternacht, teilweise schon früher, bereit, müssten aber erst um 6 Uhr in den Briefkästen sein.

Morgen-Spaziergang oder Gassi-Runde

Die meisten erledigten die Touren mit dem Auto, einige gehen zu Fuß. „Für mich ist das bequemste das Fahrrad, mit länger Laufen habe ich’s nicht unbedingt.“ Und mit dem Auto – dauernd einsteigen und wieder raus – das liege ihm „auch nicht unbedingt“, erklärt Andreas Kuropka.

Appell von Karikaturist Ralf Böhme (Rabe).

Wer sich als Zusteller bewirbt, kann zwischen verschiedenen Arbeitszeitmodellen wählen. Ihn wundere vor allem, dass die Zuverdienstmöglichkeit so wenig Leute interessiere. Für Borsch beispielsweise finde sich seit Jahren niemand. „Da kann man doch jeden Morgen eine schöne Runde durch den Ort laufen. Theoretisch könnten die Leute dabei auch mit ihren Hunden Gassi gehen.“

Arbeit viel entspannter als früher

Die Arbeit sei heute auch weniger anstrengend als vor einigen Jahren. „Früher hatten wir noch Briefe mit dabei und samstags zusätzlich Fernsehzeitungen, da war das teilweise eine ziemliche Schlepperei“, berichtet Andreas Kuropka. „Mittlerweile ist das schon sehr entspannt, weil es nur noch Zeitungen sind.“

Schön sei es zudem, die Leute mit Nachrichten und wichtigen Informationen zu versorgen, befindet Andreas Kuropka. Auch für ihn selbst sei die Zeitung äußerst wichtig. „Das erste Mal lese ich sie schon digital am Abend vorher, da gucke ich aber nur schnell nach dem Neusten im Lokalteil, den Rest überfliege ich. Beim Fußball gucke ich manchmal auch, ob ein interessanter Artikel drin steht, drei meiner Jungs spielen ja im Ulstertal bei Borsch“, sagt er. „Und am nächsten Tag, wenn ich von der Arbeit zurück bin, normalerweise so gegen 9 Uhr, frühstücke ich immer mit meiner Frau zusammen – da wird dann die Papierzeitung aufgeschlagen und tiefer hineingelesen.“