Fotorallye Die Heimat aus einem anderen Blickwinkel

Josefine Söllner
Vereinsvorsitzende Foto:  

Preiswürdige Sonneberg-Ansichten standen jüngst in der Wolke 14 im Mittelpunkt. Im Nachgang der 12. Fotorallye wurden die gelungensten Aufnahmen prämiert.

Die Siegerehrung der 12. Sonneberger Fotorallye fand am Wochenende im Stadtteilzentrum Wolke 14 statt. Zur Feier des Tages hatte die erste Vorsitzende des Sonneberger Fotoclubs, Annett Jungk, die das Amt kürzlich von Andreas Schneider übernommen hatte, Kekse in Form einer Kamera gebacken. Optisch auf jeden Fall ein echter Hingucker und passend zur Prämierung der besten Bilder. Jungk stellte noch einmal alle fünf Themen vor. Diese lauteten „Sonneberger Details“, „Kreide“, „Wechsel die Perspektive“, „Herbstfarben“ und das Bärenmuseum. Christian Dressel, hauptamtlicher Beigeordneter der Stadt Sonneberg, hob in seinem Grußwort den Wert dieses kreativen Zeitvertreibs hervor. „Fotografie ist ein richtiger Zeitschrank. Sie kann aber nicht nur das Gesehene archivieren, sondern auch gezielt auf soziale Missstände hinweisen oder übertreiben.“

Bewertet wurden die Beiträge in diesem Jahr vom befreundeten Fotoclub aus Ebern. Von über 50 Teilnehmern hatten leider nur 40 ihre ausgedruckten Werke abgegeben. Lucia Kalb gehörte bei der 12. Fotorallye zu den Neulingen unter den Teilnehmern. Anfangs war die junge Frau sich unsicher, ob sie überhaupt etwas einreichen sollte, da sie nach eigenen Angaben immer sehr kritisch mit ihren eigenen Fotos ist. Letztendlich hatte sie sich aber dafür entschieden und wurde im Laufe der Siegerehrung mit einem 6. Platz in der Gesamtwertung belohnt. „Es muss nicht immer alles perfekt sein. Wer nicht wagt, der nicht gewinnt oder wie es mein Klassenlehrer einmal zu mir sagte: Wichtig ist vor allem, dass man Dinge, das man anfängt auch zu Ende bringt, selbst wenn es in die Hose geht, aber wenigstens hat man es versucht.“

Vorbereitung wichtig

Zwei Plätze hinter ihr, auf Rang acht, war ein junger Mann aus Coburg gelandet. „Ich hätte nie damit gerechnet unter die top ten zu kommen, da ich zum ersten Mal dabei bin. Anfangs war ich noch unsicher, was von den eingereichten Fotos erwartet wird, aber jetzt, nachdem ich die anderen Gewinnerbilder gesehen habe, weiß ich ungefähr worauf es ankommt und kann mich fürs nächste Mal besser vorbereiten.“

Spannend wurde es beim Verkünden der Treppchenplatzierungen. Bei den Erwachsenen belegte Falk Coburger den dritten Platz. Vor ihm reihte sich Ina Gärtner ein, die nur einen Wertungspunkt hinter Maria Setale lag. Bei der Kinder- und Jugendgruppe wurde Letizia Sänger zuerst aufgerufen, die sich als Drittplatzierte über einen der heiß begehrten Glaspokale freuen konnte. Die Teilnehmerinnen Felicia Müller und Celine Blechschmidt schafften es beide punktgleich auf Rang Zwei. Siegerin der Jugendgruppe wurde – wie im Jahr zuvor – Zoe Jungk.

Alle vier konnten sich zudem über den Preis des Bürgermeisters freuen – nämlich ein Jahresabo der Fachzeitschrift „Pictures“, das die Jugendlichen inspirieren und bei der Stange halten soll. Die elfjährige Gesamtsiegerin der Jugendsparte ist bereits seit einigen Jahren kein unbeschriebenes Blatt mehr. Schon früh nahm sie an den Wettbewerben der Fotorallye teil und überzeugte bereits im jungen Alter von sechs Jahren mit ihrem Talent. Ein besonderes Erfolgsrezept hat sie aber nicht. Bescheiden gab sie zu, dass sie die gestellten Aufgaben schwieriger fand als jene aus den Jahren zuvor. „Bei manchen Themen hatte ich sofort eine passende Idee im Kopf, bei anderen fiel mir spontan gar nichts ein. Da hat sich erst später etwas Passendes ergeben, nachdem ich beim Herumlaufen in der Stadt von interessanten Dingen inspiriert wurde.“

Eine wahre Allrounderin der Kreativbranche ist die Siegerin der Erwachsenengruppe Maria Setale, die in ihrer Freizeit nicht nur fotografiert, sondern auch gern näht, zeichnet, bastelt und handwerklich tätig ist. „Als gelernte Druckvorlagenherstellerin habe ich seit jeher mit Bildern zu tun gehabt. Später absolvierte ich zwei Fernstudien in den Bereichen Fotografie und Grafikdesign.“ Nun ist sie 52 Jahre alt und kann auf jede Menge Wissen und Erfahrung zurückgreifen, welches sie sich im Laufe ihres Berufslebens aneignen konnte. Da sie aus dem Landkreis Kronach kommt, hatte sie aber nicht den Heimvorteil wie ihr Club-Kollege Falk Coburger, der in Bezug auf die Fotografie ebenfalls zu den alten Hasen gehört. Seine Heimatstadt kennt der Wehder aus dem Effeff. Er ist seit vielen Jahren Mitglied des Fotoclubs und hat mit dem Fotografieren begonnen, als diese noch in analogen Kinderschuhen steckte. „Egal wie lange man schon dabei ist, allzu sicher sein kann man sich seines Erfolges trotzdem nie. Viel hängt auch immer von der jeweiligen Jury ab“, so der 63-Jährige.

„Nicht zu gewinnen heißt nicht automatisch, dass man schlechte Bilder macht“, fügte die erste Vorsitzende des Fotoclubs hinzu. „Jede Jury bewertet ein Motiv anders. Oft hängt es davon ab, ob die Bildidee von den Leuten, die es bewerten sollen, überhaupt verstanden wird. Manchmal ergibt ein Motiv auch erst durch den richtigen Bildtitel Sinn, weil eine aussagekräftige Bezeichnung eine Art Erklärung sein kann.“ Christian

Kreativität gelobt

Dressel lobte Knowhow und Kreativität, mit der die Teilnehmer die verschiedenen Facetten der Spielzeugstadt herausgearbeitet hatten. Als gebürtiger Sonneberger kennt er sein Umfeld zwar sehr gut, doch auch er durfte viel Neues sehen. „Es ist erstaunlich wie blind wir manchmal sind. Meist laufen wir durch die Welt, ohne auf die Schönheit um uns herum zu achten. Viel zu oft nehmen wir Dinge als selbstverständlich hin, ohne deren Wert zu schätzen. Zugegebenermaßen ist das auch der Hektik des Alltags geschuldet, dass uns erst Fotos erstaunliche Blickwinkel offenbaren, die wir so niemals selbst gesehen hätten. Es wäre schön, wenn wir diese beeindruckenden Werke auch der breiten Bevölkerung zugänglich machen könnten. Denkbar wäre zum Beispiel eine Open-Air-Ausstellung auf dem Piko-Platz, aber das ist noch nicht spruchreif.“

Was bereits jetzt in Stein gemeißelt ist, das ist der Termin für die nächste Fotorallye. Diese findet wie gewohnt an einem Sonntag im September statt. Interessierte können sich bereits jetzt den 18. September im Kalender markieren und sich beim Sonneberger Fotoclub anmelden.

 

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