Fotograf entdeckt Rarität Das gibt’s doch gar nicht: Eisvogel im Werratal

Der Eisvogel ist nur spatzengroß, aber bringt eine Farbenpracht ins Werratal wie kein anderes Tier Foto: /Thomas Oeckel

Der kleine Eisvogel gehört zu den großen Raritäten in Thüringen. Thomas Oeckel aus Themar ist vor wenigen Tagen ein Exemplar des extrem farbenfrohen Wundertiers in Untermaßfeld vor die Linse geflogen.

Themar/Untermaßfeld - Wer einen Eisvogel zu Gesicht bekommt, der kann sich glücklich schätzen. In ganz Thüringen wurden bei der „Stunde der Gartenvögel“ des Naturschutzbundes (Nabu) im vergangenen Jahr gerade einmal 20 Exemplare gezählt. Im Landkreis Schmalkalden-Meiningen zwei und im Wartburgkreis einer – sonst ging Südthüringen leer aus.

Vielleicht lag die magere Ausbeute ja auch an den Beobachtern. „Trotz ihrer Buntheit sind Eisvögel nicht auffällig. Gerade die intensive Färbung verschafft dem Eisvogel beste Tarnung in seinem Lebensraum: Im ständigen Wechselspiel aus Licht und Schatten an Flussufern lösen sich seine Konturen regelrecht auf und er ist mitunter schwer zu entdecken“, berichtet der Vogelschutzexperte des Nabu, Lars Lachmann.

Thomas Oeckel aus Themar hatte nun besonderes Glück in Untermaßfeld bei Meiningen. Eisvögel hat er schon manches Mal gesehen und fotografiert. „Aber bisher waren das nur Bilder für die Tonne. Sind ja auch ziemlich flink und schnell wie Pfeile“, berichtet er.

Ein kleiner Trick

Der Versuch am 6. April lief schon vielversprechend: „Eine Wolkenlücke, ohne Schnee und Regen ... ich hab’ einen erwischt. Mit meinem 600-Millimeter-Objektiv trotzdem gar nicht so einfach, so ohne Stativ und freie Hand.“ Ohne ein starkes und dadurch auch schweres Teleobjektiv ist nichts zu wollen. Durch dicht bewachsenes Schilf zu fotografieren, ist auch nicht einfach.

Am 7. April wurden die Mühen von Erfolg gekrönt. „Nach einer Stunde rausfinden, wo sein Lieblingsast war, hieß es, sich so gut wie möglich zu verstecken. Da es dort viel Dickicht gibt, fand ich 20 Meter entfernt einen guten Platz“, erinnert sich der Fotograf. Dann hieß es: Stativ aufbauen, manuell den Ast fokussieren und abwarten. „Aber er tauchte natürlich nicht auf. Ich wollte schon heim, weil mir bitterkalt war“, so Thomas Oeckel.

Wer ist nun schlauer – Mensch oder Eisvogel. Kurzerhand hat der Fotograf Vogellaute von einem Eisvogel per Smartphone im Internet gesucht, das Handy in die Nähe des Astes gelegt und zwitschern lassen. „Und siehe da, er fiel drauf rein. Und ich habe endlich die Bilder eines Tieres,die ich schon immer mal machen wollte“, freut sich Thomas Oeckel und hat das Bild an die Heimatzeitung geschickt.

Der kurze, scharfe Ruf des Eisvogels klingt übrigens wie tiht, das bei Erregung zu tih-tih oder tit-tit-tit abgewandelt wird. Zur Balz sind Eisvögel besonders ruffreudig und wandeln ihre Rufe geringfügig ab. Entgegen falscher Beschreibungen tragen Eisvögel keinen Gesang mit verschiedenen Rufen, Pfiffen und Rollern vor. Ist der Liebesakt vollzogen, dann betteln die Jungen lang andauernd rrüerrüerrüe.

Vielweiberei

Die meisten Eisvögel leben in einer monogamen Brutehe. Vor allem in Jahren mit hoher Vogeldichte neigen einige Männchen aber auch zur Bigamie mit zwei Weibchen, die bis zu mehreren Kilometern voneinander entfernt brüten. Immerhin füttert das Männchen die parallel verlaufenden Bruten nach dem Schlüpfen der Jungen im Wechsel.

Keiner ist prächtiger

Ob der Name des Eisvogels tatsächlich mit Eis zu tun hat oder das eisblaue Rückengefieder Pate stand, ist strittig. Manche Deutungen leiten den Namen vom althochdeutschen „eisan“ für „schillern“ oder „glänzen“ ab. „Der ‚Schillervogel‘ wäre eine gute Beschreibung für das flirrende Farbenspiel, das der Eisvogel im Sitzen und erst recht im Flug bietet“, meint Nabu-Experte Lars Lachmann. Wieder andere Forscher interpretieren den Eisvogel als „Eisenvogel“ und vermuten einen Bezug auf das stahlblaue Rücken- oder das rostfarbene Bauchgefieder des Eisvogels.

Sein prächtiges Federkleid macht den etwa spatzengroßen Eisvogel unverwechselbar. Keine andere am Wasser lebende Vogelart entfaltet eine solche Farbensymphonie aus Blau-, Blaugrün- und Türkistönen im Rücken- und Kopfgefieder, die eindrucksvoll zum rostroten Bauchgefieder kontrastieren. Die Geschlechter sind an der Schnabelfärbung zu unterscheiden: Nur beim Weibchen ist die Basis des sonst ganz schwarzen Unterschnabels orange gefärbt.

Nur an naturnahen oder wenig vom Menschen beeinflussten Bächen, Flüssen oder Teichen mit einem guten, artenreichen Fischbestand findet der Eisvogel genügend Kleinfische, von denen er sich und seine Brut hauptsächlich ernährt.

Der flinke Fischjäger ist optimal an seinen Lebensraum angepasst. Seine Jagdtechnik ist ausgefeilt: Im Sturzflug taucht er bis zu 60 Zentimeter tief ins Wasser und binnen Sekunden mit seiner Beute wieder auf. Seine Beute kann der Eisvogel nur in ruhigem, sauberem oder höchstens leicht getrübtem Wasser erspähen.

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