Foto-Aktion Blick ins Familienalbum

Alter Opel aus den 1950er Jahren. Aufgenommen in der Haindorfsgasse. Foto: FW/privat

Blick ins Familienalbum

Schmalkalden - Vorsichtig legt Gitta Venter ein kleines rotes Fotoalbum auf den Tisch. Die Seiten, die sie liebevoll umblättert, sind schon etwas abgenutzt. Hier und da fehlt ein Bild. Andere Fotos liegen lose dazwischen, sind leicht vergilbt und verfärbt. Als die gebürtige Schmalkalderin den Aufruf in der Heimatzeitung las, das private Fotoarchiv zu öffnen, fiel ihr sofort das kleine rote Album ein. Das erste, das Gitta, eine geborene Werner, vor mehr als 50 Jahren angelegt und in den vergangenen Jahrzehnten wohl hundertfach in den Händen gehabt hat. Beim Öffnen des alten Fotobuches bleibt irgendwie die Zeit stehen. Seite für Seite blättere ich mit der 76-Jährigen durch. Wir verlieren uns in Erinnerungen. An die guten alten Zeiten, an Familiengeschichten, an Erlebnisse mit Schulfreunden, an Ausflüge und Wanderungen, an den Schulfasching auf der Burg, an Geburtstagspartys mit Freunden. Gitta Venter weiß zu jedem der kleinen gezackten Fotos etwas zu erzählen. „Dieses Auto gehörte meinem Vater“, sagt die 1944 geborene Schmalkalderin und zeigt auf einen alten Opel. Aufgenommen im Winter 1952 in der Haindorfsgasse. Das Auto hatte Arthur Werner vor Kriegsende in der Garage eines Verwandten im Luisenweg in seine Einzelteile zerlegt und so vor dem Zugriff der Alliierten gerettet. Ein anderes Bild zeigt zwei junge Mädchen in hübschen Sommerkleidern. Sie lachen in die Kamera. „Das ist meine Freundin Anneliese“, erinnert sich Gitta Venter. Die Jahreszahl 1951 steht unter dem Foto. Rummel Siechenrasen. Heute steht hier die Staatliche Regelschule. In unmittelbarer Nähe, an den Siechenteichen, schruppten die Schmalkalder Frauen ihre Wäsche. Weil es billiger war, schmunzelt die 76-Jährige. Ihr Blick verweilt auf einem Foto, das einen freundlichen älteren Mann in weißem Hemd, mit Schlips und Hosenträgern zeigt. Er sitzt auf einem Holzbänkchen. Die Hausfassade hinter ihm blättert ab. In der rechten Ecke stapeln sich zwei Kisten. Obenauf ein Stuhl. „Das ist mein Vater Arthur im Jahr 1959“, sagt Gitta Venter. Wie sein Vater Otto Adolf stellte er in der eigenen Werkstatt Beißzangen her. Nachdem eine Bombe im Februar 1945 das Haus in der Haindorfsgasse zerstört hatte, war die Familie in der Haindorfsgasse 8 gezogen. 1988/89 wurde das Anwesen, wie die gesamte Häuserreihe, abgerissen. Gitta Venter, die nach ihrer Scheidung von Kleinschmalkalden zurück in ihre Geburtsstadt gezogen war, geht oft in die Haindorfsgasse und hängt ihren Erinnerungen nach.

Vorsichtig packt die 76-Jährige ihr kleines rotes Fotoalbum wieder ein. Die kleine Reise in die Vergangenheit ist beendet.

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