Forstamt Heldburg Was ist mit den Eichen los?

Katja Kempter

Erst der Borkenkäfer, der die Fichtenwälder zu Fall gebracht hat und nun der Zweipunktige Eichenprachtkäfer. Im Heldburger Land sterben Eichen in alarmierendem Tempo. Doch was tun?

Eichen – wohin das Auge blickt. Der Stolz des Heldburger Landes. Doch was ist das? Wo sind die feingliedrigen Äste in der Krone? Was ist mit dem stattlichen Baum passiert? Löcher über Löcher in der groben Stammrinde, Bohrmehlreste sind zu erkennen. Der Specht hat sich gütlich getan. Der Baum ist tot. So, wie auch viele neben ihm. Strauchelt und fällt nun nach den Fichten die nächste Baumart? Die, die als sichere Bank im Zukunftswald galt?

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Lars Wollschläger, Leiter des Thüringer Forstamts Heldburg, hat es seit Jahren beobachtet: Auch die Eiche beginnt zu schwächeln in seinem Eichenforstamt. „Dass Eichen in den trockensten Ecken des Forstamts absterben, ist für uns keine Neuigkeit. Besonders augenscheinlich ist das auf reinen Keuper-Mergel-Böden mit ihren schwierigen hydraulischen Verhältnissen“, weiß der Forstmann. Doch die Förster kämpfen.

Erst Fichte, dann Buche

Erst kam die Fichte, dann die Buche – ja, und auch die Eiche hatte in den extrem trockenen, heißen Sommern, die in den vergangenen Jahren immer wieder an der Tagesordnung waren, zu kämpfen. „Wir haben Vitalitätseinbußen beobachtet“, sagt Wollschläger. Doch erst jetzt wird klar: Das waren nur Vorboten.

Was ist das Problem? Das eine sind die schlechten Böden, die kein Wasser speichern können. Der Höhenzug von Westhausen bis Haubinda und Gellershausen besteht aus blankem Keupermergel. Ein großes Problem für jegliche Baumarten.

Die dicke Eiche hat’s entschärft. Ein Käfer hat ihr den Rest gegeben. Foto: Katja Kempter

Auf solchen Böden stehen Eichen. Sie wuchsen über Jahrhunderte gut. Doch das ist nun zu Ende. Sie reagieren heftig – auf die Änderung klimatischer Bedingungen. Sind sie geschwächt, greifen Schädlinge an.

Den Todesstoß aber gibt ein ganz bestimmter Schädling, ein Käfer, der in jedem Eichenwald lebt, dessen Angriff bisher aber nicht tödlich war: der Zweipunktige Eichenprachtkäfer (Agrillus biguttatus). „Erst jetzt hat sich herauskristallisiert, dass wir in einigen Bereichen des Forstamts augenscheinlich eine Massenvermehrung zu verzeichnen haben.“

Das Ausmaß sei regional sehr unterschiedlich. In guten Eichenbeständen, also dort, wo die Holzqualität von jeher top ist, die Böden gut sind, mehr Wasser zur Verfügung steht, sind nur Einzelbäume befallen. An schlechten Standorten wie beispielsweise auf dem Höhenzug von Gellershausen über Haubinda bis Streufdorf sind die Schäden massiv.

Die „Epidemie“ arbeitet sich vor – von den schlechten hin zu den guten Standorten. Die Schadholzmenge wächst: Der Heldburger Forstamtsleiter spricht von rund 7500 Festmeter in ganz Thüringen in diesem Jahr. 98 Prozent davon stammen aus seinen Wäldern. Im Vergleich dazu sind die rund 100 Festmeter Eichenschadholz, die in „normalen Jahren“ anfielen, ein Klacks.

Mit schwarzem Saftschleim versuchen die Eichen, die Eichenprachtkäfer abzuwehren. Foto: Katja Kempter

Doch mit dem Jahr 2019 und 1000 Festmetern Schadholz begann der Zweipunktige Eichenprachtkäfer seinen Vormarsch. Mittlerweile ist die siebenfache Menge erreicht – im ersten Vierteljahr 2026. Der Prachtkäfer entwickelt sich prächtig. Der schwarze Saftschleim, mit dem die Bäume reagieren, kann ihn kaum stoppen. Doch er hilft, den Forstleuten, Befall zu erkennen.

Mit Augenmaß reagieren

Die Förster müssen reagieren. Zügig aber mit Augenmaß. Denn nach dem Eichenprachtkäfer warten andere Schädlinge. Der Eichenkernkäfer, der Sägehörnige Werftkäfer. Und sie entwerten das Holz. „Wir versuchen, schneller zu sein, die befallenen Bäume zu fällen, sodass ihr Holz schließlich verkauft werden kann. So wollten und wollen wir den Vermögensverlust des Eigentümers so gering wie möglich halten“, sagt Lars Wollschläger.

Moderat und effektiv eingreifen, so hieß die Devise bisher. Um die Bestände durch ein verändertes Waldklima nicht zusätzlich zu schwächen. Straff habe man schließlich im Revier Straufhain saniert. Doch es werde immer schwieriger, das anfallende Schadholz an den Mann zu bringen. Die Kunst sei, einen Sanierungseffekt zu erzielen, das Holz aber noch vermarkten zu können.

Ein Käferbohrloch wird zum Spechtloch. Foto: Katja Kempter

„Wir sind gerade gemeinsam mit unserer Zentrale in Erfurt und dem Forstlichen Forschungs- und Kompetenzzentrum Gotha dabei, konsequente Sanierungskonzepte zu erarbeiten, weil wir ein Überschwappen in gute Eichenbestände möglichst verhindern wollen“, sagt der Forstmann. Alle Facetten des Problems sollen dabei beleuchtet werden – von Waldschutz, Waldbau, bis zu Holzvermarktung und Logistik. Die zweijährige Entwicklungszeit der Schadkäfer gibt den Förstern etwas mehr Zeit, als sie ihnen der Borkenkäfer gelassen hatte.

Lars Wollschläger weiß, dass er mit dem Problem in seinem Forstamt nicht allein dasteht. Auf der Fränkischen Platte wütet der Zweipunktige Eichenprachtkäfer genau wie um Würzburg, auf der Tauberplatte oder im Schönbuch zwischen Ost-Schwarzwald und der Schwäbischen Alb. „Da ist etwas unter dem Radar groß geworden. Dass der Eichenprachtkäfer stehende, gute Eichen befällt, das ist neu.“

Befallenes Holz muss aus dem Wald

Förster müssen nun abschätzen, wo sich eine Sanierung lohnt. Und dort muss es zügig gehen. Nicht nur mit der Holzernte. Das Holz muss auch umgehend aus dem Wald geholt werden. „In 500 bis 1000 Meter Entfernung zu den nächsten stehenden Eichen sollte es gelagert werden.“ Wollschläger schüttelt den Kopf. „Im Heldburger Unterland ist das wohl unmöglich!“

Die Wald-Transformation ist längst da. Doch die Förster behalten sich ihren Optimismus. Sie wissen: Ein Weiter-So gibt es nicht. „All unsere Erfahrungen basieren auf der Vergangenheit. Doch nun stehen wir am Beginn einer Zukunft, die anders wird.“

Wie wohl der Wald der Zukunft aussieht? Gemischt, soviel ist klar. Doch welche Mischung das sein kann, welche Baumarten tatsächlich künftig den großen Temperaturschwankungen, den Extremen standhalten, das wissen selbst Forstleute nicht hundertprozentig. Doch sie experimentieren weiter.