Entdeckung in Belize Forscher entdecken Grab des ersten Maya-Königs von Caracol

Markus Brauer

In Belize haben Forscher das Grab des ersten Königs der Maya-Stadt Caracol entdeckt. Te K’ab Chaak begründete die Dynastie der bedeutenden Metropole und starb um 350 n. Chr. .

Blick auf den zentralen Tempelkomplex der Mayastadt Caracol in Belize. Im Nordosten der Stadt haben Archäologen jetzt das Grab des ersten Königs von Caracol entdeckt. Foto: Imago/Jam Press/© Caracol Archeological Project/University of Houston

Die Maya herrschten von 250 bis 900 n. Chr. über große Teile Mittelamerikas. Von ihrem Einfluss zeugen die Ruinen zahlreicher Städte, die über die Halbinsel Yucatan und angrenzende Regionen in Guatemala und Mexiko verstreut im Dschungel liegen. Sie errichteten gewaltige Tempel und Monumentalbauten, nutzten komplexe astronomische Berechnungen und Kalender und konstruierten durchdachte Systeme zur Wasserversorgung ihrer Städte.

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Archäologin Diane Chase in der neuentdeckten Grabkammer des Mayakönigs Te K’ab Chaak. Foto: Imago/Jam Press

Aufstieg und Fall der Maya-Kultur

Gegen Ende des zehnten Jahrhunderts n. Chr. brach die Hochkultur der Maya jedoch zusammen. Ihre einst riesigen Städte wurden verlassen und vom Urwald überwuchert. Die Gründe für den Zerfall dieser präkolumbianischen Kultur sind bis heute nicht vollständig geklärt. Heute leben noch etwa sechs Millionen Menschen in Mittelamerika, die Sprachen der Maya sprechen.

Sein Grab hat das Forscherteam um Arlen und Diane Chase von der University of Houston in den USA an der Basis eines königlichen Schreins auf der nordöstlichen Akropolis von Caracol aufgefunden. Foto: Imago/Jam Press

Trotz eindrucksvoller Ruinenstädte wie Chichen Itza, Tikal, Calakmul oder Palenque sind aber längst nicht alle Zeugnisse dieser geheimnisvollen Kultur entdeckt. Immer wieder entdecken Archäologen Artefakte aus der Maya-Ära.

Doch Funde aus unberührten Königsgräbern sind selten. Viele der Grabstätten wurden schon vor langer Zeit ausgeplündert. Umso sensationeller ist die Entdeckung, die Archäologen jetzt im Dschungel von Belize gemacht haben.

Das Grab von Te K’ab Chaak Foto: Imago/Jam Press

Königsgrab in der Maya-Metropole Caracol

Die vor rund 3000 Jahren gegründete Maya-Stadt Caracol war einst eine der größten Metropolen der Maya. Auf 90 Quadratkilometer Fläche beherbergte die Metropole zehntausende Wohnhäuser und große Pyramiden, Tempel und Paläste. Von 560 bis 900 n. Chr. könnten hier mehr als 100.000 Menschen gelebt haben.

Im Königsgrab fanden die Spatenforscher zahlreiche Grabbeigaben wie Jadeschmuck und eine kunstvolle Totenmaske in Form eines Jadeit-Mosaiks, geschnitzte Knochenflöten, Muschelschalen und verzierte Keramikgefäße. Foto: Imago/Jam Press
Im Grab entdecktes verziertes Gefäß mit Deckelknauf in Form eines Nasenbären-Kopfes. Foto: Imago/Jam Press
Jadeschmuck aus dem Königsgrab. Foto: Imago/Jam Press

Jetzt haben Archäologen das Grab des ersten Maya-Königs von Caracol entdeckt. Te K’ab Chaak bestieg im Jahr 331 n. Chr. den Thron und wurde zum Begründer einer mehr als 460 Jahre lang regierenden Dynastie. Sein Grab hat das Forscherteam um Arlen und Diane Chase von der University of Houston in den USA an der Basis eines königlichen Schreins auf der nordöstlichen Akropolis von Caracol aufgefunden.

Te K’ab Chaak starb in hohem Alter und zahnlos

Die sterblichen Überreste des Maya-Herrschers enthüllen, dass er in hohem Alter um 350 n. Chr. starb. Der rund 1,70 Meter große Te K’ab Chaak war zu diesem Zeitpunkt offenbar komplett zahnlos, wie die Archäologen schreiben.

Im Königsgrab fanden die Spatenforscher zahlreiche Grabbeigaben wie Jadeschmuck und eine kunstvolle Totenmaske in Form eines Jadeit-Mosaiks, geschnitzte Knochenflöten, Muschelschalen und verzierte Keramikgefäße.

Arlen und Diane Chase von der University of Houston Foto: Imago/Jam Press

Drei weitere ungewöhnliche Gräber entdeckt

Im nordöstlichen Zeremonial-Zentrum haben die Wissenschaftler drei weitere Gräber hochrangiger Mayas aus der Zeit um 350 n. Chr. entdeckt. Anders als beim Königsgrab wurden die Gebeine der Toten verbrannt und zusammen mit den Grabbeigaben unter einer Plaza bestattet.

Grabungen in Caracol Foto: Imago/Jam Press
Diane Chase in der Grabkammer Foto: Imago/Jam Press
Jade-Geschmeide Foto: Imago/Jam Press

Zu den Totengaben gehören auch 15 Klingen aus grünem Obsidian, zwei große Messer, sechs Spitzen einer Atlatl-Sperrschleuder und diverse Gefäße. Die Machart und Verzierungen der Artefakte deuten darauf hin, dass sie aus dem rund 1200 Kilometer entfernten Teotihuacan stammen. Bis dahin benötigte man zur Zeit der Maya mindestens 153 Tagesreisen.

Querschnitt durch die Fundstelle mit dem könglichen Grab. Foto: Imago/Jam Press

Kontakt zwischen Caracol und Teotihuacan

„Schon seit den 1960er Jahren rätseln Archäologen darüber, ob und wann Menschen von Teotihuacan eine neue politische Ordnung im Maya-Gebiet eingeführten“, berichtet Diane Chase. „Steinstelen, Hieroglyphendaten, Abbildungen und archäologische Daten deuten darauf hin, dass es ab 378 besonders enge Pan-Mesoamerikanische Verbindungen gab. Dieser Übergang wird daher auch als ‚Entrada‘ bezeichnet.“

Die jetzt in Caracol entdecken Maya-Gräber legen einen deutlich früheren Beginn solcher Kontakte nahe. „Maya und Teotihuacan kannten schon damals ihre gegenseitigen rituellen Praktiken, wie die Feuerbestattungen in Caracol demonstrieren“, erläutert Arlen Chase.

Der Sonnentempel von Teotihuacan in Mexiko. Foto: Imago/Xinhua/Francisco Canedo

Was die Toten über Maya-Diplomatie verraten

Die Grabbeigaben und Bestattungsart zeigten, dass Maya-Herrscher schon sehr früh enge Kontakte zu der im Norden liegenden Nachbarkultur hatten. Auch in Guatemala haben Archäologen jüngst Hinweise für solche Kontakte entdeckt.

Caracol war eines der größten Städte der Maya-Kultur. Foto: Imago/Jam Press
Keramikgefäß aus den Grabfunden in Caracol. Foto: Imago/Jam Press

„Die Kontakte zwischen den beiden Regionen fanden auf der höchsten Ebene der Gesellschaft statt“, berichtet die Archäologin. „Schon die ersten Könige verschiedener Mayastädte – wie Te K’ab Chaak in Caracol – unterhielten offenbar formelle diplomatische Beziehungen mit Teotihuacan.“

Möglicherweise war einer der Toten ein enger Verwandter von Te K’ab Chaak. Er könnte mit den Bräuchen von Teotihuacan vertraut gewesen sein - vielleicht, weil er einige Zeit dort als Gesandter Caracol verbrachte.