Nach dem großen Erfolg des ersten Postkartenvortrages mit Andreas Meusel vor einem Jahr war sich der Föritzer Obst- und Gartenbauverein sicher: Da muss es eine Fortsetzung geben. Am vergangenen Freitagabend nun stand Andreas Meusel wieder im ehemaligen Föritzer Gemeindeamt vor dem Verein und seinen Gästen. Diesmal ging es nicht um Neuhaus-Schierschnitz, sondern um die Dörfer der Gemeinde Föritztal. Andreas Meusel nannte eingangs immer das Datum der Ersterwähnung, wobei sich zeigte, das viele Jubiläen in den kommenden Jahren anstehen. Der älteste Ort von Föritztal ist Heinersdorf, 1071 erstmals urkundlich erwähnt und einer der ältesten Orte im Landkreis Sonneberg, der jüngste Neuenbau, erwähnt als Ort erst 1672. Meusel zeigte Ansichten auf Postkarten, die um die Wende zum 20. Jahrhundert, aus den 1920er und 1930ern datierten, einige auch später. Der Redner bezog dabei sein Publikum ein. Viele konnten von abgebildeten Häusern erzählen, wer darin wohnte und welche Geschichten es dazu gibt. Die Postkartenverlage ließen kaum einen Ort aus. Sie druckten sowohl Gesamtansichten des Ortes als auch einzelne Häuser, sicher auf Bestellung. Reine Erinnerung waren viele Ansichten von Rotheul, denn viele Häuser wurden wegen ihrer Nähe zur DDR-Staatsgrenze abgerissen und es gibt keine Spuren mehr. Gut konnte man auf den Postkarten verfolgen, wie sich das Schulwesen in den Orten entwickelte, wie Schulen gebaut und immer wieder vergrößert wurden. Das Herzogtum Sachsen-Meiningen hatte bereits Mitte des 19. Jahrhunderts eine große Mühe darauf verwendet, dass auch die Dörfer eine eigene Schule erhielten. Vorher unterrichteten ja die Lehrer, die Präceptoren, in den kleineren Dörfern die Kinder in den Bauernstuben. Augenfällig war auch, wie sehr sich doch einige Schulgebäude gleichen, beispielsweise die Schule in Judenbach und in Föritz. Von Föritz zeigte Meusel ein Foto vom Schulbau im Jahr 1900. Das Originalfoto war lange verschollen. Viele Erinnerungen an die eigene Jugendzeit weckten die Bilder von den Gaststätten und Tanzsälen aus verschiedenen Dörfern. Da konnte jeder etwas erzählen: „Kerwa, Jugendtanz, da hat Karat mal gespielt, wann haben die eigentlich zugemacht?“ hieß es aus dem Publikum. Erzählt wurde auch die Geschichte der Wirtsfamilie Viktor Walter aus Heubisch, die zwangsausgesiedelt wurde. Das Tagebuch des Heubischer Viktors wurde veröffentlicht und kann auch im Internet nachgelesen werden. Auch die Schilder von einstigen Handwerkern und Kleinbetrieben wie eine Tuschkastenfabrik regten zum Gespräch an. Eine Neuerung ins Postkartenwesen kam mit den Luftbildern. Andreas Meusel zeigte welche aus den Jahr 1939. Den Zuschauern fiel auf, wie weit damals der Wald von den Orten entfernt war. „Holz kann man nicht essen“ Es gab viel mehr Äcker und Wiesen als heute und diese waren natürlich viel kleingliedriger als nach der Kollektivierung.