Meine obligatorische Frage „Versichert?“, sie lässt Manfred Krämer fast etwas ungehalten reagieren: „Ich könnte soooo kotzen! Vor Jahren regulierte die Versicherung Schäden bei mir und dem Nachbarn, dessen Feuer unser Haus gleich auch noch in Mitleidenschaft zog. Danach hat man uns aus dem Vertrag rausgeschmissen. Cool, oder?“
Auf Suche nach einem Neuanbieter habe er nur die Postleitzahl und Adresse hier im Ahrtal ins Formular der Versicherer eingeben müssen, „schon war es das! Sie, man kriegt Brechreiz über Brechreiz! Jetzt wirbt unsere frühere Versicherung damit, dass bei ihr jeder seine passende Elementarversicherung bekommen würde. Spiegel-TV hatte hier rumgefragt. Dann hatte die Versicherung wohl einen Imageverlust befürchtet.“
Manfred Krämer grüßt einen Nachbarn, sein Anwesen liegt ebenso weit über dem „Meeresspiegel“ von Mitte Juli wie seines. „Der kann ihnen erzählen, was seine saumäßig teure Elementarversicherung gegen Starkregenfolgen nützte: Nichts. Abenteuerliche Begründung: Weil Starkregen noch nicht die Flut zur Folge haben müsse.“
Michaele Krämer ruft aus dem muffig-nassen Haus zum gegenwärtigen Thema Nummer 1 der Betroffenen im Landkreis Ahrweiler: „Unser Herr Dr. CDU-Landrat sollte langsam mal einen Arsch in der Hose haben. Wozu seine doch wohl gut Daten-versorgten Katastrophenschutz- und anderen Ämter, wenn einem hier keiner sagte: Bringt euch in Sicherheit, rette sich wer kann!“
Als Krämers Nachbarn „mit der Taschenlampe das Drei-mal-kurz-lang-kurz-SOS durch die entfernten Dachziegel in den Nachthimmel blinkten, war schon alles zu spät.
Nun hätten die überforderten Statiker aus halb Deutschland das Sagen, ob Abriss oder Komplettsanierung. „Doch für die Entschädigung kriegst du niemals mehr annähernd vergleichbaren neuen Wohnraum.“ Auf ihren nur 90 Kilometern Länge habe die Ahr 400 Meter Gefälle bergab, die Mosel nur einen Bruchteil davon. So Manfred, bevor er den Zeitungsmann beim Gehen spontan umarmt.
„Auch für deine Thüringer Leser und Spender“, sagt er und ist dann ungewollt doch so nah am Wasser gebaut wie es sein Haus ist: Keinen Steinwurf weit entfernt von der heute längst wieder friedlichen Ahr. Übrigens: Da kamen die Krämers noch lange nicht wieder an ihre Kontoauszüge heran. Sie wussten nicht, dass auch sie eine Soforthilfe von 3000 Euro aus „Freies Wort hilft“-Leserspenden überwiesen bekommen hatten.
Dankbar ist Manfred Krämer an diesem Augusttag auch so schon. „Und dat isch es bloß nicht verjess“, sagt er dann noch zum Abschied. „Grüßt unbedingt dere wackeren Helfer von der Schmalkaldener Feuerwehr, die hier so, so, so sehr rangeklotzt hatten!“
Fast 240 000 Euro Spenden: Hilfsgeld-Auszahlung läuft weiter
Nahezu 240 000 Euro sind inzwischen auf dem Fluthilfe-Spendenkonto von „Freies Wort hilft“ eingegangen Jeder Spenden-Euro kommt direkt bei Betroffenen im Ahrtal an.
- 65 000 Euro sind ausgezahlt worden an 29 Einzelpersonen und Familien aus Bad Bodendorf und Sinzig. Die Empfänger wurden gemeinsam mit dem Ortsbürgermeister ausgewählt.
- 15 000 Euro Soforthilfe gingen an fünf weitere Betroffene in den zerstörten Dörfern Dernau, Mayschoß, Laach und Altenahr OT Altenburg weiter oben am Fluss. Hier kam der persönliche Kontakt durch Feuerwehrleute aus Schmalkalden zustande.
- 100 000 Euro sind reserviert für Opfer in Rech, einem weiteren extrem betroffenen Dorf an diesem Flussabschnitt, aus dem unsere Mitarbeiter noch berichten werden. Dort stimmt „Freies Wort hilft“ mit dem Ortsbürgermeister nun eine Empfängerliste ab, bei der es auch um längerfristige Unterstützung geht.
- Allen Orten gemeinsam ist die überwältigende Dankbarkeit der Menschen, die nie erwartet hätten, dass sie aus dem fernen Thüringen solche Solidarität erfahren
- Über den Restbetrag wird der Vorstand entscheiden, sobald die Gesamt-Spendensumme feststeht. Als Ziel hat sich „Freies Wort hilft“ mindestens 250 000 Euro gesetzt.
Noch kann und soll also gespendet werden.
Kontoverbindung: Freies Wort hilft, DE39 8405 0000 1705 017 017,
Verwendungszweck „Flut 2021“