Flucht aus dem Coburger Landgericht Wie konnte das passieren?

, aktualisiert am 20.02.2023 - 15:06 Uhr

Noch vor ein paar Wochen hatte Bayerns Innenminister bei einem ähnlichen Fall Aufklärung gefordert. Trotzdem wurden wieder Fesseln abgenommen. Lesen Sie auch: Missbrauchsprozess - Angeklagter flieht aus Coburger Gerichtssaal >>> Landgericht Coburg - Wie ein NP-Reporter die Flucht erlebt (Plus+) >>> Landgericht Coburg – So entkam der Angeklagte der Justiz (Plus+) >>>

 
Schließen

Diesen Artikel teilen

Mittlerweile ist der 47-Jährigen, der am Morgen aus dem Landgericht Coburg flüchtete, gefasst. Zwischenzeitlich wurde auch mit einem Polizeihubschrauber gefahndet. Immer wieder kreiste er über der Coburger Innenstadt. Ebenso waren zahlreiche Streifen unterwegs. Am Dienstag versuchten Personensuchhunde in der Nähe von Kongresshaus und Anger die Spur des Mannes aufzunehmen.

Bei dem Fenstersprung werden Erinnerungen wach. Erst am 5. Januar, einem Donnerstag, war mit einem Sprung aus einem Fenster ein zu lebenslanger Haft ein verurteilter Mörder aus dem Gerichtsgebäude in Regensburg entkommen. Sofort wurde international nach ihm gefahndet. Weil der 40-jährige Algerier Verwandte in Frankreich hat, richtete sich der Blick der Ermittler auf das Nachbarland. Der nun aus Coburg Geflüchtete ist irakischer Staatsbürger.

Im Regensburger Gerichtssaal hatte die Vorsitzende Richterin gestattet, dass dem Algerier die Handfesseln abgenommen werden. In Coburg plagten den Iraker offenbar seine Fußfesseln. Die Vorsitzende Richterin gab hier nach Informationen der Neuen Presse einem entsprechenden Antrag des Rechtsanwaltes statt, dass der Angeklagte sie abnehmen darf.


Warum ist unklar, vor allem vor dem Hintergrund, dass sich nach dem Regensburger Vorfall Politik und Ermittlungsbehörden deutlich geäußert hatten. Der Vorfall müsse gründlich nachbereitet werden, hatte der Oberpfälzer Polizeivizechef Thomas Schöniger seinerzeit gesagt. Und sogar Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) hatte sich zu Wort gemeldet und umfassende Aufklärung gefordert, damit sich eine solche Situation in Zukunft verhindern lasse.

Im aktuellen Landtagswahlkampf ist das jetzt eine Steilvorlage für Florian von Brunn. Er ist bayerischer Landesvorsitzender der SPD. Auf Twitter schreibt er: "Hoffentlich wird der Flüchtige schnell gefasst. Die zuständigen Minister müssen jetzt erklären, wie es schon wieder zu einer Flucht aus dem Gericht kam."

Die Flucht an sich sei nicht sei nicht strafbar, erklärte Schöniger damals. Jedoch machten sich etwaige Fluchthelfer strafbar.

 

Autor

 

Bilder