Floh-Seligenthal Politiker wollen sich selbst auf Corona testen und impfen lassen

Mario Voigt, Ralf Holland-Nell und Gerald Ullrich (von links) vor Foto:  

Eine Demonstration vor dem Rathaus und ein Pressegespräch am Tag danach: Corona beschäftigt Floh-Seligenthal.

Floh-Seligenthal - Dass der Bundestagsabgeordnete Gerald Ullrich (FDP) und der Thüringer CDU-Landtagsfraktionsvorsitzende Mario Voigt am Freitagmorgen in Floh-Seligenthal mit Bürgermeister Ralf Holland-Nell (CDU) zusammenkamen, hat einen aktuellen Hintergrund. Die Politiker wollten ganz einfach klarmachen, dass sie fast alle Maßnahmen rund um die Corona-Bekämpfung und vor allem die Schnelltests begrüßen, aber einige Dinge anders gemacht hätten, so sie in Verantwortung wären und nicht auf der Oppositionsbank säßen. Die Bürgermeister seien in vorderster Stellung der Verteidigungslinie gegen die Seuche, betonte Voigt, der anerkennend in Richtung Holland-Nell bemerkte: „Du bist der thüringische Michael Kretschmer. Wie der sächsische Ministerpräsident beim Schneeschippen bist du vor einigen Tagen auch durch Bürger in deiner Privatsphäre behelligt worden.“

Am späten Donnerstagnachmittag hatten sich 40 Menschen aus der den Corona-Maßnahmen skeptisch gegenüberstehenden Szene zu einem angemeldeten Spaziergang durch Floh-Seligenthal versammelt. Laut Polizei gab es zunächst keine Probleme. Aber als sich vor dem Rathaus eine Menschentraube bildete, Banner entrollt und Reden gehalten wurden, schritt die Polizei ein. „Die Veranstaltung hat den Charakter einer Demonstration angenommen. Wir haben sie aufgelöst. Es hat niemand Schwierigkeiten gemacht“, sagte Polizeisprecherin Julia Kohl. Die Polizei habe keine Personalien aufgenommen. Aber die Anmelderin selbst habe eine Teilnehmerliste übergeben, die an das Landratsamt weitergereicht worden sei. Möglicherweise werde diese Behörde Verstöße wegen fehlender Mund-Nasen-Schutze ahnen.

„Meinungsfreiheit ist ein ganz wichtiges Gut, auch jetzt“, stellte Voigt am Folgetag klar. „Aber es gibt auch Grenzen. Man kann Bürgermeister nicht für Dinge verantwortlich machen, für die sie keine Verantwortung haben.“ Das gelte etwa für Schließungen von Kindergärten, Schulen oder von bestimmten Einrichtungen, Gewerken und Geschäften. Holland-Nell selbst hatte Friseuren bei einer Aktion in Schmalkalden kürzlich den Rücken gestärkt. Dem Bürgermeister liegen die Kinder besonders am Herzen, sie litten mehr als alle anderen, war er sich mit Voigt einig. Der Landespolitiker sieht zahlreiche Fehler im Krisenmanagement der Ramelow-Regierung. Er sieht aber keinen Zweifel daran, dass man der Pandemie nicht einfach ihrem Lauf lassen dürfe und dass Maßnahmen notwendig seien.

Voigt ist für Schnelltests, wie Gerald Ullrich. Der FDP-Politiker pries den südkoreanischen Weg und wundert sich, dass einzelne Leute das Erfolgsmodell ablehnen. „Auch die Dänen testen, testen, testen.“

Ullrich war an Corona erkrankt und ist genesen. Sein Bürokollege, der FDP-Bundestagsabgeordnete Reginald Hanke, falle wohl noch Monate aus. „Er musste beatmet werden, hat es aber überstanden. Er kommt jedoch nicht auf die Beine.“ Ullrich will sich impfen lassen, sobald das möglich ist. Der mit einer Ärztin verheiratete Voigt und Bürgermeister Holland-Nell ebenso. „Natürlich lassen wir uns auch testen“, betonen die Politiker. „Übrigens ist das keine Pflicht. Wer nicht will, muss da nicht hin.“ Die Protestler verkörperten übrigens überall nur eine Minderheit. Unter den 40 vom Donnerstag in Floh sollen nicht so viele Einheimische gewesen sein. Mit anderen Worten: Der Protest kommt von außen. „Es ist wie überall: Die Mehrheit der Bürger steht hinter den Maßnahmen“, stellt Voigt fest. „Die große Mehrheit, aber eine schweigende.“

 

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