Flickenteppich Weitere Schulen öffnen – aber nicht in Corona-Hotspots

Endlich wieder in die Schule – oder doch nicht? Foto: dpa/Michael Reichel

Ab Montag dürfen in Thüringen viele weitere Klassen wieder in die Schule. Welche genau und wo, kommt auf die Infektionslage an. Oft bringt erst der Blick in die aktuelle Corona-Statistik Klarheit – so etwa im Ilm-Kreis und im Kreis Hildburghausen

Erfurt - Tausende weitere Thüringer Schüler stehen kurz vor ihrer Rückkehr in die Klassenräume. Laut Bildungsministerium sollen nach den Grundschülern ab Montag nun auch die Fünft- und Sechstklässler fast überall im Land wieder vor Ort unterrichtet werden. Nur im landesweit schlimmsten Hotspot Schmalkalden-Meiningen (auf Weisung des Freistaats) sowie in den Kreisen Kyffhäuser und Unstrut-Hainich (nach Entscheidung der Landräte) bleiben sämtliche Schulen und Kindergärten auch nächste Woche dicht.

In den Kreisen Sonneberg und Nordhausen sowie in Eisenach, Jena und Weimar werden am Montag darüber hinaus sogar alle Schüler ab Klasse 7 wieder vor Ort unterrichtet. In diesen landesweit am wenigsten von der Pandemie betroffenen Regionen sei mit hoher Wahrscheinlichkeit davon auszugehen, dass Zahl der wöchentlichen Neuinfektionen pro 100 000 Einwohner auch am Montag unter 100 liegen werde – diesen Grenzwert, den auch Bayern verwendet, sieht das Thüringer Ministerium offenbar als unbedenklich an. Derzeit rangieren die Sieben-Tage-Inzidenzen dort durchweg unter 80. Dennoch überschreitet Sonneberg (68) den deutschlandweiten Durchschnitt von 62.

Für den Ilm-Kreis (Inzidenz 85) und den Kreis Saalfeld-Rudolstadt (89) will das Bildungsministerium erst die Entwicklung übers Wochenende abwarten und am Montag entscheiden, ob dort die Schüler ab Stufe 7 vielleicht ab Dienstag wieder in die Klassenräume dürfen. Dort heißt es also für Schüler, Eltern und Lehrer: Am Montag erst auf die Corona-Statistik schauen und erst dann die Schulsachen für den nächsten Tag packen – oder eben nicht.

Der Unterricht erfolgt laut Ministerium überall in Pandemiestufe gelb, was in der Regel bedeutet, dass entweder im Wechsel aus Präsenz- und Distanzunterricht unterrichtet wird oder dass die Kinder in festen Gruppen lernen. Überall gelten verstärkte Hygieneregeln. Die meisten Grundschüler in Thüringen sind bereits wieder in den Schulen. Auch die Kindergärten haben seit Montag meist wieder geöffnet. Ob es klug ist, die Bildungseinrichtungen nun wieder zu öffnen, ist umstritten. Die Infektionszahlen im Freistaat sind zuletzt wieder gestiegen. Seit Wochen hat kein anderes Bundesland eine so hohe Corona-Belastung wie Thüringen, die Werte liegen doppelt so hoch wie im Bundesdurchschnitt.

Die vorige Woche erst nach Druck durch Gesundheitsministerin Heike Werner (Linke) festgelegten Schul-Regeln verlangen Schließungen in allen Kreisen mit Inzidenzen über 200 und empfehlen sie den Landräten bei Werten über 150. Neben Kyffhäuser und Unstrut-Hainich rangieren fünf weitere Kreise in dieser Spanne. Hildburghausen (195) und Sömmerda (199) lagen zuletzt sogar knapp unter der Totalverbots-Grenze. Trotzdem haben die dortigen Landräte bis Donnerstag noch keine Weisungen getroffen, die eine generelle Öffnung bis Klasse 6 verhindern würde. Sobald die 200er Schwelle aber überschritten würde, wäre ab dem nächsten Tag alles für mindestens eine Woche dicht.

Die am Mittwoch von Bildungsminister Helmut Holter (Linke) im Landtag erstmals genannte Schwellen-Zahl von 80 bezeichnete ein Sprecher am Donnerstag als „rechtlich unerheblich“ . Dass Holter diese Zahl plötzlich in den Raum geworfen hatte, hatte für Erstaunen und Kritik gesorgt, weil diese Grenze bislang in keiner Debatte um Schulöffnungen eine Rolle spielte. Man nehme diese „interne Planungszahl“ immer freitags zum Maßstab, um die Entscheidung über mögliche Schließungen nicht am Wochenende treffen zu müssen. Bei eine Freitags-Wert von unter 80 sei ein Montags-Wert unter 100 wahrscheinlich.

Aktuelle Corona-Infektionen gibt es derweil an mindestens 26 Schulen und rund 30 Kindergärten in Thüringen. Das geht aus einer Aufstellung des Bildungsministeriums mit Stand vom Donnerstag hervor.

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