Der Orient ist auch nicht mehr das, was er mal war. Heute lässt sich Bassa Selim im Benz chauffieren, die vermummten Palastwächter prügeln ganz in Schwarz, und ein Nachrichtenkanal überträgt die Kriegsbilder aus aller Welt direkt in den Harem; selbstverständlich sehen die Damen nicht hin. Am Theater Erfurt versucht die türkische Regisseurin Yekta Kara, Mozarts "Entführung aus dem Serail" ins Heute zu holen. Das geht daneben. Musikalisch aber war der Premierenabend eine solche Freude, dass das Publikum mit der Großmut eines Selim Pascha über die Schwächen der Inszenierung hinwegsehen konnte.