Hexen, Folter, Scheiterhaufen - immer wieder beschäftigen sich Ausstellungsmacher und Buchautoren mit diesem dunklen Kapitel der Frühen Neuzeit. Und immer wieder findet sich interessiertes Publikum. Ein Grund dafür liegt auf der Hand: Es ist ein schaurigschönes historisches Kapitel und bedient nicht zuletzt voyeuristische Triebe bis hin zu sexuellen Neigungen. Vielleicht hat Kai Lehmann das potenziell interessierte Publikum sogar im Blick gehabt, als er im Dezember vergangenen Jahr seine "Hexenausstellung" auf der Schmalkalder Wilhelmsburg konzipierte. Ein Museum muss schließlich auch Publikum generieren. Mit dem nun erschienene Buch "Unschuldig - Hexenverfolgung südlich des Thüringer Waldes" wendet sich der Schmalkalder Museumsdirektor aber trotz einer überaus populären Schreibe nicht nur an interessierte Laien. Er legt mit seiner systematischen Untersuchung von mehreren hundert teils kaum und zum Teil sehr gut dokumentierten Hexenprozessen in Südthüringen vielmehr eine sozialgeschichtliche Studie vor, die auch ein bezeichnenden Licht auf die Gepflogenheiten von Herrschaft und Jurisprudenz zwischen 1590 und 1710 im Meininger-Schmalkalder Raum wirft.