Ins Auge sticht sie ganz bestimmt, diese musikalisch inspirierte Deutschlandkarte. Wer sie vom praktischen Sakkotaschen-Format entfaltet, hat alsbald eine Landkarte in Größe einer Schreibtischunterlage vor sich, die ein bisschen aussieht wie der Plan für ein Würfelspiel. Eine weiße Linie schlängelt sich kreuz und quer durchs grell orange eingefärbte Land, verbindet 366 Punkte - von Süden nach Norden und wieder zurück, von Augsburg bis Zittau, von Nummer "1" bis Nummer "366". Nummer 322 war Eisenach am vergangenen Samstag, Nummer 329 wird Rudolstadt am kommenden Samstag sein. Von der Georgenkirche bis in die Lutherkirche führt die Südthüringer Reise, streift Haupt-, Dreifaltigkeits-, Stadt- und Bachkirchen - und das im Tagesrhythmus.

366 Punkte - das sind 366 Konzerte, denen eine faszinierende Idee zugrunde liegt: Im Rahmen ihres Themenjahres "Reformation und Musik" startete die Evangelische Kirche Deutschlands am 1. Januar in Augsburger St.-Anna-Kirche eine musikalische Reihe mit dem Titel "366+1 - Kirche klingt 2012", bei denen sich Konzert für Konzert, Kirche für Kirche wie an einem Band aneinander reihen. So soll ein gedachtes "Miteinander Tausender" die Musik der Reformation, ganz gewiss eine eigene künstlerische Gattung, zu Gehör bringen. Von der Lutherkirche in Konstanz am Bodensee bis zur Pfarrkirche Altenkirchen am Kap Arkona reichen die Klangorte - im Mittelpunkt der Deutschland-Tournee steht also das Verbindende, der Gemeinsamkeit stiftende Zauber von Musik. Und nebenbei klingen hier auch die Farben der Reformation von 22 Landeskirchen. Dass es ein Konzert mehr gibt als Tage in diesem Jahr hat übrigens seine Bewandtnis: Am Ostersamstag gab es noch ein besonderes Nachtkonzert in der Fritzlarer Kirche.