Und wenn Bayerns Innenminister Joachim Hermann den Schlagersänger Roberto Blanco einen "wunderbaren Neger" nennt oder der EU-Kommissar Günther Oettinger mit Blick auf das Geschäftsgebaren chinesischer Partner flapsig von "Schlitzaugen und Schlitzohren" spricht, dann gibt es einen Aufschrei. Keine Frage: Das jahrzehntelange Bemühen um eine politisch korrekte Ausdrucksweise hat Früchte getragen. Viele Menschen gehen heute bewusster und sensibler mit Sprache um. Andere aber finden das verbale In-Watte-Packen der Wirklichkeit nervig. Oder sie sind schlicht davon verunsichert. Dürfen Ostfriesen-Witze
nur noch von Ostfriesen erzählt werden? Wann ist ein Kompliment charmant und wann sexistisch? Sollte eine Zeitung in der an sich löblichen Absicht, keine Vorurteile zu schüren, einfach ausblenden, dass ein Krimineller aus Südosteuropa stammt oder wird sie dann zur "Lügenpresse"? Und auf wie viel politische Korrektheit hat ein Autokrat die Recep Tayyip Erdogan Anspruch?