Anarchosyndikalisten. Schwieriges Wort. Nicht nur wegen seiner vielen Silben. Es ist das Chaos, das in ihm mitklingt. Chaos und irgendetwas mit Gewerkschaft. Kai Richarz weiß um diesen Klang. Er kennt auch die Bilder, die das Wort hervorruft: Zerstörung, Randale, Gewalt. An diesem Samstagvormittag im Vortragssaal der Meininger Volkshochschule allerdings muss er nichts erklären. Vor dem Geschichtsstudenten aus Zella-Mehlis sitzen die Mitglieder der Lübecker Erich-Mühsam-Gesellschaft. Mühsam (1878-1934), jüdischer Intellektueller und Anarchist, war eine der bekanntesten Persönlichkeiten jener Bewegung der Anarchosyndikalisten und besuchte in dieser Eigenschaft um das Jahr 1930 mehrmals auch die Meininger Anarchisten.