Am Ende hat eine Jury der Internationalen Filmfestspiele einmal mehr alle Erwartungen von Kritikern und Publikum über den Haufen geworfen. Bei der 68. Auflage des Festivals sprachen Präsident Tom Tykwer und die übrigen Juroren dem rumänischen Beitrag "Touch me not" den Goldenen Bären zu. Eine Entscheidung, die mehr als eine Überraschung ist. Der erste Langfilm der Regisseurin Adina Pintilie ist am ehesten als Experimentalfilm zu beschreiben, bei dem die Protagonisten diverse Konstellationen der Sexualität erforschen. Gewiss: Ein in vielerlei Hinsicht mutiger Film, der einen gänzlich uneitlen Blick auf Nacktheit wirft und durch immer neue Perspektivwechsel dem Zuschauer einiges abverlangt. Unter anderem gibt die Regisseurin zwischenzeitlich ihre Rolle hinter der Kamera auf und wird selbst Teil der Erforschung von Intimität. Eine Arbeit von großer künstlerischer Radikalität, die aber trotz der hohen Auszeichnung der Berlinale schwerlich mehr als ein sehr limitiertes Nischenpublikum erreichen wird.