Feuer, Sturm, Wasser Sirenen-Alarm bei Katastrophen

Der Thüringer Katastrophenschutz setzt im Ernstfall auf eine Warnung der Bevölkerung über Sirenen. Allerdings dauern der Wiederaufbau beziehungsweise die Erneuerung des Netzes noch einige Zeit.

Viele von ihnen wurden abgebaut, doch im Katastrophenfall werden Sirenen gebraucht. Foto: dpa/Jens Büttner

Erfurt - Thüringen verfügt nach Angaben des Innenministeriums in Erfurt über ein fast flächendeckendes Netz an Sirenen, mit denen die Menschen im Katastrophenfall gewarnt werden können. Bei aktuell 2323 Sirenen im Land gebe es allerdings sowohl in den Landkreisen und kreisfreien Städten noch Lücken, sagte ein Ministeriumssprecher am Montag auf Anfrage.

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Angesichts der aktuellen Flut-Katastrophe im Westen Deutschlands ist eine Diskussion darüber entbrannt, warum die Bevölkerung nicht frühzeitiger vor den zerstörerischen Wassermassen gewarnt wurde, nachdem klar war, dass besonders in der Eifel innerhalb von Stunden Rekord-Regenmengen fallen würden. Der Präsident des Bundesamtes für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe, Armin Schuster, erklärte im Deutschlandfunk: „Wir wollen die gute alte Sirene zurückhaben.“ Sie sei neben den Warnungen auf digitalem Weg – über Rundfunk, Fernsehen und Apps auf den Mobiltelefonen – eine wichtige Ergänzung. In den betroffenen Gebieten erwies sich als besonders verhängnisvoll, dass die Flutwelle die Menschen in der Nacht überraschte.

Laut Thüringer Innenministerium gibt es derzeit im Freistaat keine Übersicht darüber, in welchen Gemeinden die Sirenen noch oder wo sie nicht mehr funktionieren. Hinzu komme, dass Anfang der 1990er Jahre viele Sirenen abgebaut wurden nun nun ein erneuter Aufbau wegen der Suche nach geeigneten Standorten sehr zeitaufwendig sei.

Die Anschaffung von Sirenen ist Sache der Gemeinden. Laut Ministerium wurden von 2017 bis 2020 insgesamt 66 neue Sirenen gefördert – im Schnitt mit fast 2300 Euro pro Stück. Dabei handelt es sich um digitale Geräte. Herkömmliche Sirenen sind sogenannte Motorsirenen, bei denen ein Luftstrom in Schwingungen versetzt wird und so den auf- und abschwellenden Heulton erzeugt. Parallel dazu werden auch die zentralen Leitstellen des Katastrophenschutzes mit der digitalen Steuerungstechnik ausgerüstet, um die Sirenen auslösen zu können. Seit 1. Juli sei in Thüringen ein entsprechender Erlass in Kraft.

Erst im vergangenen September hatte ein bundesweiter Warntag, bei dem die verschiedenen Katastrophen-Warnsystem getestet wurden, ein ernüchterndes Ergebnis gebracht. Manche Test-Warnungen kamen nicht oder nur mit großer Verzögerung an – auch bei den Handy-Warnapps.

In den Katastrophengebieten in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz gibt es unterdessen auch massive Kritik am öffentlich-rechtlichen Rundfunk. Dieser habe sein Programm in der Nacht nicht unterbrochen, um die Menschen vor den Gefahren zu warnen. Als die Flutwelle dann kam, wurden die Stromversorgung wie auch die Telefon- und Handynetze zerstört, so dass dann auch keine Informationen mehr an die Betroffenen gelangen konnten.