178. Sonneberger Vogelschießen Festwoche eröffnet: „Schau mer mal, was hier so geht“

Der Auftakt am Sonnabend war ein Kracher: Mit drei Salven eröffneten die Böllerschützen das 178. Sonneberger Vogelschießen. Noch bis Sonntag, 10. Juli, bleibt Volksfeststimmung angesagt auf dem Schießhausplatz.

„Eine lange Durststrecke war’s“, bis heuer endlich wieder Geselligkeit, Musik und strahlende Gesichter zum Volksfest-Start Anfang Juli einkehren dürfen. Tobias Trommer, Chef der Privilegierten Schützengesellschaft Schießhaus Sonneberg 1851, machte indes kein langes Gewese um die vergangenen zwei Jahre, in denen das Vogelschießen dem Gesundheitsschutz zu weichen hatte. Stattdessen bat er Bernd Schäfer nach vorne auf die Biergarten-Bühne. Dessen Gessner-Brauerei habe dem Beisammensein einmal mehr ein „anständiges Bier“ gestiftet. Und da das in 14. Generation familiengeführte Unternehmen 2022 auf sein eigenes Jubiläum schaut, gab’s zum 400-Jährigen ein Gegengeschenk an Schäfer in Form eines Tellers. Der stellvertretende Bürgermeister Christian Dressel ermunterte in einem kurzen Grußwort ebenfalls, die Gelegenheit zum Prosit zu nutzen. „Eine schwere Zeit liegt hinter und wohl auch vor uns.“ Von daher dürfe man jetzt gerne das Leben feiern, lachen, trinken – „nia so viel meckern“ – und nebenher ein Zeichen der Solidarität setzen mit den Schaustellern. Mit zwei Salven hatten die Böllerschützen den Ruf gesetzt, dass es auf den Anstich zugeht, eine dritte folgte hintennach. Das Fässchen zwischen den Knalleffekten anzuzapfen, erledigte Dressel mit einem einzigen sachverständigen Haudrauf. Und schon verkosteten Trommer, Schäfer und Dressel zusammen mit den Schützen Heiko Höfner, Nicole Schubert und Anne-Katrin Berwing das offiziell erste Gold-Gelbe der Saison 2022. Was dem Publikum bis Sonntag ansonsten schmecken wird: Der Preis für die Halbe liegt – als wäre nichts gewesen – gleichauf 2019 bei drei Euro. Eher durchwachsen geriet die Vorfreude auf die Woche bei manchem Schausteller. Über zuwenig Besucher zum Auftakt um 16 Uhr motzt der eine. Derweil eine andere bei der Bitte um ein Foto nur müde abwinkt. „Das Benzin ist sauteuer“, auf ein Ersatzteil für einen seiner Wagen werde er bis Oktober warten müssen, schimpft der Dritte. Umgekehrt bezweifele er, ob die Leute wohl klarkommen mit moderat angezogenen Preisen. Doch anders geht’s nicht, wolle man überhaupt einen schmalen Gewinn erwirtschaften. Immerhin Mariana und René Warkus aus Wittenberge haben sich entschlossen gute Laune zu flaggen. Das Duo mit seiner Baguette- und Champignon-Theke ist das erste Mal beim Vogelschießen zu Gast und hat sich gleich einen Anschluss für Oberlind ausgemacht. „Schau mer mal, was hier so geht“, lautet die optimistische Losung der beiden Sumbarch-Debütanten am Nachmittag.

Positiv gestimmt ist auch René Otto. Die Schausteller-Dynastie, der er entstammt, habe die Spielzeugstadt nie sausen lassen. „Das Vogelschießen kenne ich schon als Kleinkind – und ich bin jetzt 53 Jahre als.“ Zuerst war’s die Kindereisenbahn. Die Fischspezialitäten hat er vor zwei Jahren Tochter und Schwiegersohn vermacht und selbst in einen neuen Greifautomaten-Park investiert.

Ja, klar, bestätigt der Bad Köstritzer, zugleich Vorsitzender des Thüringer Schaustellerverbandes: Man müsse schon genau kalkulieren, wie man hinkommt. Auch fehlen Hilfskräfte, „das ist bei uns nicht anders, als in der Hotellerie oder im Gastro-Bereich“. Die Spritkosten drücken. Doch dass Volksfeste immer noch allen Beteiligten entweder eine Geschäftsgrundlage oder Spaß bieten, diese zuversichtliche Botschaft will er jedem gerne vermitteln.

Dass die Sonneberger Grund haben dem Traditionsfest und seinen Akteuren die Stange zu halten, in diesen Lockruf stimmt auch Cornelia Brückner mit ein. Die Kulturamts-Fachfrau aus dem Rathaus freut sich, dass es ein in sich geschlossenes Bild aus Fressbuden und Biergarten, Kinderkarussell, Magic und Autoscooter geworden ist – „schön anzuschauen“. Der Aushub aus dem Baustellentreiben ringsum – für den der Schießhausplatz derzeit die Zwischenablage machen muss – fällt jedenfalls nicht ins Auge der Rummelgäste, darauf habe man geachtet. anb

Öffnungszeiten bis 10. Juli: Montag, Dienstag und Donnerstag von 15 bis 22 Uhr. Mittwoch und Samstag von 14 bis 22 Uhr. Freitag von 15 bis 24 Uhr. Sonntag von 14 bis 20 Uhr.

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