Mit einem kuriosen Theaterstück ist der (Jung-)Regisseur Jonas Weber zur „Woche der jungen Regie“ in die Kammerspiele des Staatstheaters Meiningen gekommen.
Die „Woche der jungen Regie“ ist am Laufen. Jonas Weber ging mit „Being Jonas Weber“ und trockenem Humor dem nach, was es heißt, einen Allerweltsnamen zu haben.
Mit einem kuriosen Theaterstück ist der (Jung-)Regisseur Jonas Weber zur „Woche der jungen Regie“ in die Kammerspiele des Staatstheaters Meiningen gekommen.
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Meiningen. Zugegeben – wer Cschichowsky oder Zgybzensky heißt, der hat dieses Problem nicht. Doch wer Weber heißt, der kann sicher sein, dass es ihn nicht nur einmal gibt. Haben ihm seine Eltern dann noch den Vornamen Jonas gegeben, dürfte diese Zahl noch weit größer sein. Irgendwann interessierte es diesen Jonas Weber, wie viele es davon nun wirklich gibt. Wofür gibt es heutzutage das Internet? Also ran an den Computer und auf Teufel komm raus gegoogelt.
Denn er war überzeugt: „Während Weber unangefochten auf Platz fünf der häufigsten Familiennamen Deutschlands rangiert, ist Jonas nach jahrzehntelanger Beliebtheit aus den Top Ten der Vornamen gerutscht.“ Um diese Schieflage zu korrigieren, wollte er unbedingt etwas unternehmen. Wollte die Fragen klären: Was macht das Jonas-Weber-Tum überhaupt aus? Woraus setzt sich die geteilte Jonas-Weber-Persönlichkeit zusammen und welche Rolle spielt dabei die eigene Identität?
Schnell ist Jonas Weber fündig geworden, hat viele Namensvettern gefunden – und sie kontaktiert, ob per Mail oder per Anruf. Im Gespräch hat er ihre Lebensläufe erfahren – und die Idee zu einem Treffen, nicht aller, jedoch einiger, war ihm schnell gekommen.
Dass dabei ein Theaterstück entstehen würde, war zunächst nicht die Absicht des jungen Mannes, der immerhin in Frankfurt/Main und Helsinki Regie studiert hatte.
Doch die Lust auf eine gemeinsame Runde wurde immer stärker. Was inzwischen doch zu einem Theaterstück wurde – nicht mit allen, die er kennengelernt hatte, so doch mit insgesamt acht jungen Männern, die seinen Namen tragen. Keiner dabei, der diese Rolle nur spielt. Auf einer großen Videoleinwand werden zum Beweis die originalen Personalausweise gezeigt.
Der Dramaturg des Stückes, Leon Post, konnte sich das ebenfalls nicht gleich vorstellen, wie das gehen sollte, wenn jemand Regie führt und gleichzeitig als Hauptdarsteller auf der Bühne steht. Außerdem unterschied sich die Arbeit an diesem kuriosen Stück von allem, was er bisher gemacht hatte. Schließlich sind dies ja Laien, keine professionellen Schauspieler, selbst wenn sie keine Rollen einstudieren müssen, sondern lediglich sich selbst spielen sollen.
Seine Sicht von außen sollte dabei helfen, einen gemeinsamen Konsens zu finden. Ein Abend sollte es werden, der leicht und amüsant daherkommt. Was nicht leicht war, denn lange Proben waren kaum möglich, kommen die acht „Jonase“ doch aus unterschiedlichen Orten oder Regionen. So wurde jede Vorstellung quasi eine Premiere. Die erste gab es in Frankfurt/Main, die zweite in Hamburg – in Meiningen nun die dritte, oder doch schon die vierte?
Und so zieht sich trockener Humor durch die eineinhalb Stunden, in denen sie die Lachmuskeln der Besucher strapazieren. Wenn der Initiator des Stückes seine Namensvettern bittet, sich vorzustellen, das jedoch in alphabetischer Reihenfolge! Denn jeder Name hat seine Geschichte, wie er versichert: „Daran sollten wir im Andenken an unsere Vorfahren stets denken.“
Deshalb besteht das Bühnenbild aus drei großen Regalen mit unzähligen Ordnern, in denen alles aufbewahrt wird – die Gehaltsbescheinigungen der Webers, die Identifikationsbescheinigungen und viele weitere Protokolle, ohne die es nicht möglich wäre, dem Namen Jonas Weber auf den Grund zu gehen. Denn ein Jonas Weber ist offen, kreativ, sympathisch und geht stets allen Konflikten aus dem Weg! Wer diese Kriterien erfüllt, hat die Chance, zum Jonas Weber der Woche gewählt zu werden.
Die Marke Jonas Weber indes darf nur führen, wer dies von der Jonas-Weber-Zentrale bestätigt bekommt. Wie die Wurst, die es jetzt unter diesem Namen in Meiningen gibt – Motto: Frei von der Leber weg – Meiningen is(s)t zusammen.
Wie bei allen Vorstellungen der Reihe „Woche der jungen Regie“ gab es für die Besucher im Anschluss die Möglichkeit, mit den Darstellern ins Gespräch zu kommen.
Was war die Motivation für euch, bei diesem Projekt mitzumachen, wurden sie gefragt. „Anfangs war gar nicht von Theaterspielen die Rede. Ich dachte, dies sei eine wissenschaftliche Untersuchung. Erst im Laufe unserer Gespräche hat sich das so entwickelt.“
Eine weitere Frage: „Habt ihr eine Botschaft, die ihr vermitteln wollt?“ Darauf ganz klar: „Dazu war gar keine Zeit, um eine gemeinsame Botschaft zu finden. Es ist viel Improvisation dabei, und das bei jeder weiteren Vorstellung.“
Und weiter in der Fragerunde: „Gab es mal die Idee, eine Frau mit ins Programm aufzunehmen, die euch interviewt und eure Gemeinsamkeit damit durcheinander wirbelt und alles infrage stellt?“ Das schon, gaben die acht Darsteller gleichen Namens zu, dies sei aber recht schnell verworfen worden.
Weiter bestanden die acht Namensvettern darauf, dass sie zwar einzigartig sind, jedoch auch austauschbar. Und sie blieben sich in ihrer Art treu: Auf so manch ernst gemeinte Frage – was sie alles gemeinsam haben – antworteten sie nur: Unsere Vornamen.
Restkarten
gibt noch Restkarten für die Gastspiele in der „Woche der jungen Regie“ zum Georgjahr in den Kammerspielen am Staatstheater Meiningen. Dienstag, 24. März, 19.30 Uhr, „Aileen“. Mittwoch, 25. März, 19.30 Uhr, „Die Hölle ist leer“. Donnerstag, 26. März, 19.30 Uhr, „Keine Hoffnung, Baby!“
Einführungen:
45 Minuten vor Vorstellungsbeginn jedes Gastspiels findet eine Stückeinführung im Rahmen eines Gesprächs mit dem Regieteam der jeweiligen Produktion statt.
Ein Publikumsgespräch
findet im Anschluss an jedes Gastspiel mit den Beteiligten der Produktion statt.
Die öffentliche Diskussion und Preisverleihung findet am Donnerstag, 26. März, 19.30 Uhr statt, und ab 22.30 Uhr ist Partytime bei freiem Eintritt im Foyer der Meininger Kammerspiele angesagt.