Fest zum 70. Geburtstag Neuhäuser Ensemble feiert schwungvollen Jubiläumsabend

Peter Müller

In einem bis auf den letzten Platz gefüllten Kulturhaus hat des Folkloreensemble Neuhaus am Rennweg am 25. Juni sein 70-jähriges Bestehen gefeiert. Befreundete Musiker von Sonneberg bis Bingen am Rhein haben das Festprogramm mit Rückblick auf die Geschichte der Chor- und Tänzertruppe gemeinsam mit ihr ausgestaltet.

Die Chefin des Geburtstagskindes „Folkloreensemble Neuhaus am Rennweg“, Katalin Zirwas, – Intendantin, Regisseurin, Choreografin und Managerin in einem – kann sich über die Fülle der Gäste, die zur Geburtstagsfeier zum Siebzigsten am Samstagabend ins Kulturhaus gekommen sind, nicht genug freuen und wundern. Lange vor dem Start des musikalischen Festes ist der große Saal des Hauses bis auf den letzten Platz gefüllt. Neben den befreundeten Chören von Sonneberg bis Bingen am Rhein hat Zirwas auch den Bürgermeister der Stadt Neuhaus, Uwe Scheler, und – eine Überraschung für die Jubilare – den stellvertretenden Präsidenten des Chorverbandes Thüringen, Klaus Kubelka, begrüßen können.

Die „Lichtethaler Blasmusik 1958“ eröffnet die Festlichkeit nach den Grußworten von Zirwas, Scheler und Kubelka mit einem mitreißenden Marsch. Die Musikanten begleiten die weitere Veranstaltung vom Zuschauerbalkon herab mit ihren Märschen durch das Programm und spielen die Zwischenmusiken während der Chorwechsel auf der Bühne. Nach dem offiziellen Festprogramm mit den Auftritten der Jubilare, dem Schmalenbuchener Männerchor und den Sonneberger Vokalisten spielt die Blasmusik zum Weiterfeiern bei Essen und Trinken von der Bühne auf.

Crossover aus Volksliedern

Zirwas und Sopranistin Sabine begleiten mit ihren Redebeiträgen zur 70-jährigen Geschichte des Folkloreensembles von Volkskunstgruppen des heimischen Mikroelektronikbetriebes bis zu einem großen Ensemble, das aus Chor, Orchester, Tanzgruppe, Volksmusikgruppe und Jodlerquartett bestand. Vieler Chor- und Ensembleleiter wird gedacht, die die vielen Mitglieder auf ein hohes künstlerisches Niveau hoben. Nach dem Grenzfall entfiel der betriebseigene Status und man musste sich als eingetragener Verein neu aufstellen, wobei die Hilfen von Stadt, Land und privaten Sponsoren notwendig wurden, um die Arbeit des Kulturvereins fortzusetzen.

Das Ergebnis seiner engagierten Arbeit legt das „Folkloreensemble Neuhaus“ auch gleich im ersten Teil des Festkonzertes vor. Unter der heiteren, quirligen, mitreißenden und genauen musikalischen Leitung von Judith Blödorn, für die der Auftritt ebenfalls eine Premiere vor großem Publikum bedeutet, präsentieren sich der Chor mit seinen Solisten und die schwungvollen Tänzer in ihren rauschenden und authentischen Kostümen in bester Verfassung. Ein fröhliches Volksliederpotpourri unter dem Titel „Kommt und lasst uns Tanzen, Singen“ eröffnet die vielseitige Performance des Jubilars. Mit ihrem Crossover aus Volksliedern mit Rundtanz, Polka, Galopp und klassischem Liedgut von Felix Mendelssohn Bartholdy und Robert Schumann bis zu Folklore-Arrangements präsentieren sie bereits als ersten Programmpunkt die absoluten Highlights des Abends. Mit seinem harmonischen Einklang und der geschlossenen Dynamik von den Sopranen bis zu den Bässen begeistert der Chor und zeigt die künstlerische Akribie und Leidenschaft, die alle Mitglieder zusammenschweißt. Nachdrücklich beeindrucken Lieder wie „Zogen einst fünf wilde Schwäne“ mit obligatem Sopransolo oder das englische Trio für Frauenstimmen im Chor „Früh wenn die Wiesen“. Mit scharfem Tempo und lustigem Übermut geht es mit Herbert Roth „Zwischen Rennsteig und Rhön“ zum Wandern. Am Finale steht der „Lauschaer Galopp“, bei dem die Tanztruppe begeistert und in eine Zugabe weitergaloppieren darf.

Gute Laune zum Finale

Nach diesem Auftritt bringt der „Schmalenbuchener Männerchor“ dem Jubilar seine Grüße dar. Die Männer, die wie alle auftretenden Ensembles unter weiblicher Leitung stehen, besingen den Umgang mit den Thüringer Mädels, zeigen in klassischen Liedern ihr traditionelles Erbe und Können. Sie enden schön passend mit Mendelssohns „Lebe wohl du schöner Wald“ und besten Wünschen für die Gastgeber.

Das Finale des Geburtstagskonzertes bestreitet das „Sonneberger Vokalensemble“ unter Leitung von Kristin Degner-Engelhardt mit grenzenlos guter Laune und viel Rhythmus, bei dem der ganze Saal mitmuss. Außer Abstechern in die Renaissance nimmt der gemischte Chor das eifrige Publikum mit auf eine Reise durch die Schlager- und Popmusik. Er rührt die sensibilisierten Gemüter der Gäste mit Reinhard Meys verträumten Melodien und führt die Besucher bis ins „Yellow Submarine“ der Jugenderinnerungen. Mit einem irischen Segen wünschen die Vokalisten Glück und Schutz für alle Musikenthusiasten, „bis wir uns wiederseh‘n“.

Nach dem ausführlichen Auftritt des Folkloreensembles gleich zu Beginn der Veranstaltung hat sich der Geräuschpegel im Saal zunehmend und störend gesteigert. Wohl weil die Programmfolge keine Pause vorgesehen hat, haben Konzentration und Konzertverhalten bei etlichen Gästen nachgelassen. Das Wiedersehen und die Kommunikation nach der langen Zeit der Vorsicht und Isolation haben scheinbar gegenüber dem eigentlichen Fest überwogen. Dadurch ist auch kaum noch das Ende der Veranstaltung erlebt worden, in dem sich eine Dame von der Bühne mit einem bemerkenswerten und nachdenklichen, dennoch heiteren Gedicht zum Fluss der Zeit verabschiedet. Trotz ihres Refrains von „Immer weiter“ ist sie nicht gegen die Unruhe angekommen.

 

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