Ferientipp Sonneberg macht Bestseller-Autoren

Kommen die nächsten Cornelia Funke oder Daniel Kehlmann aus der Spielzeugstadt? Eine Autorin erklärt vier Tage, wie eine druckfähige Geschichte entsteht. Hier sind schon mal die wichtigsten Tipps.

Jeder Mensch hat seine Lieblingsautoren. Aber wie schreibt man einen Bestseller-Roman? Foto: picture alliance/dpa/Jens Kalaene

In den Sommerferien lädt die Stadtbibliothek Sonneberg Kinder, Jugendliche und Erwachsene zu einem Schreibworkshop mit der Autorin Anke Hempfling ein. Das kostenlose Angebot richtet sich an alle Interessierten ab zwölf Jahren und findet vom 20. bis 23. Juli jeweils von 14 bis 16 Uhr statt.

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Die erfahrene Autorin gibt Einblicke in das Handwerk des kreativen Schreibens. Dabei geht es unter anderem um den Aufbau von Figuren und Handlung sowie um die Frage, wie Geschichten Spannung entwickeln.

Auch Themen wie ein gelungenes Finale, die Entwicklung einer Idee zum fertigen Text und Möglichkeiten der Veröffentlichung werden behandelt.

Anke Hempfling Foto: Stadt Sonneberg/ 

Der Workshop steht nicht nur Jugendlichen, sondern auch Erwachsenen offen. Eine Anmeldung ist erforderlich. Interessierte können sich in der Stadtbibliothek Sonneberg unter der Telefonnummer (03675)880262 oder per E-Mail an bibliothek@stadt-son.de anmelden.

Wie schreibt man einen Erfolgsroman?

Wenn Sebastian Fitzek im Herbst ein neues Buch veröffentlicht, lässt sich der Erfolg auf dem deutschen Buchmarkt fast sekundengenau vorhersagen. Es ist das immergleiche Phänomen, das Fitzek mit Kolleginnen wie Cornelie Funke oder der britischen Erfolgsautorin Lucinda Riley teilt: Sie dominieren die Bestenlisten des 21. Jahrhunderts, weil sie eine Klaviatur beherrschen, die das bloße Aneinanderreihen von Worten hinausreicht.

  • Der Spannungsbogen: Der Autor lässt den Leser mehr wissen als die Figuren. Dadurch entsteht das packende Gefühl des Wartens auf das Unausweichliche
  • Das Mysterium: Leser und Figuren wissen gleichermaßen wenig. Man rätselt aktiv mit, um ein Geheimnis oder Verbrechen aufzuklären.
  • Hohe Einsätze: Für die Hauptfigur muss extrem viel auf dem Spiel stehen. Es geht um Leben und Tod, die Existenz oder das große Glück
  • Starke Identifikationsfiguren: Der Leser muss emotional mitfühlen. Nur wer mit einer Figur bangt, empfindet die Situation auch als spannend.
  • Unvorhersehbare Wendungen: Logische, aber völlig überraschende Richtungswechsel brechen die Erwartungshaltung des Lesers auf
  • Zeitdruck: Ein künstliches Zeitlimit erhöht das Tempo. Die Charaktere müssen handeln, bevor die Zeit abläuft.
  • Gekonnte Geschwindigkeit: Der Wechsel aus rasanten Actionszenen und ruhigen Phasen zum Durchatmen hält die Dynamik hoch
  • Cliffhanger: Kapitel enden auf dem Höhepunkt der Instabilität. Das zwingt zum sofortigen Weiterlesen
  • Der Antagonist: Ein mächtiger, intelligenter Gegenspieler fordert den Helden maximal heraus und treibt den Konflikt an

Für die meisten Besucher der Sonneberger Schreibwerkstatt wird der eigene Roman aber wohl Hobby bleiben. Die Zahl der freiberuflichen Autoren und Übersetzer sinkt. Mit real 19.700 Euro Jahreseinkommen im Jahr 2025 verfügen sie heute über weniger Geld als noch vor acht Jahren. Dies zeigt ein Blick in die Zahlen der Künstlersozialkasse, ausgewertet durch Michael Söndermann vom Kulturwirtschaftsbüro Köln im Auftrag der Gewerkschaft Verdi.

Die wenigsten Autoren können vom Schreiben leben

„Aus einer früheren Einkommensstudie wissen wir, dass auch im Buchbereich eine wachsende Schere zwischen einigen wenigen Spitzenverdienenden und der Mehrheit der Buchautoren existiert. Die meisten von uns haben am Ende des Monats nicht genug Geld im Portemonnaie. Nur 5,7 Prozent aller Autoren in Deutschland, und von diesen schwerpunktmäßig voraussichtlich Drehbuch- und Games-Autoren, können vom Schreiben leben.“ so Lena Falkenhagen, Vorsitzende des Verbandes deutscher Schriftsteller.

Wer den klassischen Weg über einen Publikumsverlag wählt, merkt schnell, dass beim Urheber am wenigsten hängenbleibt. Die Honorarsätze für Belletristik sind ernüchternd. Autoren erhalten im Schnitt nur fünf bis zehn Prozent des Netto-Verkaufspreises pro Buch. Bei einem Taschenbuch für 12,99 Euro (ca. 12,14 Euro netto) verdient der Autor rund 85 Cent bis 1,20 Euro pro verkauftem Exemplar.

Warum so viele Menschen einen Roman schreiben möchten

Trotz der harten wirtschaftlichen Realität brennen Millionen Menschen für das Schreiben. Der Beruf – oder die Berufung – des Autors bietet eine emotionale und mentale Erfüllung, die man in klassischen Angestelltenverhältnissen selten findet. Als Autor erschafft man Welten, bestimmt Schicksale und setzt die Naturgesetze seiner Geschichte fest. Es gibt keine kreativen Grenzen.

Der Moment, in dem das gedruckte Belegexemplar mit dem eigenen Namen auf dem Cover im Briefkasten liegt, gehört für jeden Autoren zu den Glücksmomenten des Lebens. Es ist der physische Beweis für die eigene Disziplin und Kreativität.