Ferientipp Modenschau aus vier Jahrzehnten

Schloss Bedheim lädt am Sonntag zu einer Zeitreise von den 1950ern bis in die 1990er Jahre ein. Was machte die Mode vor einem Dreivierteljahrhundert eigentlich so außergewöhnlich?

Ostdeutsche Mode in den 1960er Jahren. Foto: pa/obs/picture alliance/Wilfried Glienke

Im Gartencafé von Schloss Bedheim (Landkreis Hildburghausen) wird am Sonntag, 26. Juli, um 15 Uhr eine Modenschau mit Kleidern aus den 1950er bis zu den 1990er Jahren präsentert. Die Gäste können bei Kaffee und Kuchen Lieblingsstücke der damaligen Mode erleben und eine kleine Zeitreise genießen, wie Astrid Rühle informiert .

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 Vorgeführt wird die Schau von einer Frauengruppe aus Suhl. Kein Eintritt, Spenden willkommen. Veranstalter ist der Förderverein Schloß Bedhem.

Rückblick in die Modewelt der 1950er in Ost und West

Die Mode der 1950er Jahre stand im Zeichen des Neuanfangs und zelebrierte nach den mageren Kriegsjahren wieder Eleganz, textile Fülle und klare Geschlechterrollen.

Die Damenmode war vom Pariser „New Look“ geprägt: Wadenlange, weite Tellerröcke mit gestärkten Petticoats oder hautenge Bleistiftröcke betonten die weibliche Sanduhr-Silhouette. Dazu trugen Frauen kurze Taillenjacken, Seidentücher und spitze Pumps.

Bei den Herren dominierte im Alltag der klassische, dunkle Anzug mit Hut. Die aufkommende Rock ’n’ Roll-Jugendkultur rebellierte jedoch mit Jeans, T-Shirts und Lederjacken.

Die Zwillinge Alice und Ellen Kessler – Ikonen der 1950er Jahre. Foto: picture alliance/dpa/Gerhard Rauchwetter

Die Frisuren spiegelten diesen Kontrast wider: Frauen trugen oft akkurate Hochsteckfrisuren, Pferdeschwänze oder die „Banane“, während junge Männer die Haare mit Pomade zur markanten Haartolle formten.

Die Ostdeutschen wurden bei Mode besonders kreativ

 In der DDR orientierte man sich modisch durchaus an westlichen Vorbildern, doch die sozialistische Führung forderte eine „praktische, langlebige und preiswerte“ Kleidung für die werktätige Frau. Da die Planwirtschaft mit den Trends oft nicht hinterherkam und edle Stoffe Mangelware waren, dominierte Improvisation.

Trotz aller Mangelwirtschaft bewiesen die Menschen in der DDR enormen Erfindungsgeist und ein ausgeprägtes Gespür für Stil. Da die Geschäfte den Wünschen oft hinterherhinkten, machten die Bürger das Beste aus der Situation und wurden selbst kreativ.

Eine Ausstellung zur DDR Modezeitschrift „Sibylle“ in Potsdam. Foto: picture alliance / dpa/Nestor Bachmann

An der Nähmaschine wurden West-Trends mithilfe von Zeitschriften wie der „Sibylle“ detailgetreu nachgeschneidert, alte Kleidungsstücke raffiniert umgearbeitet und Stoffe kurzerhand selbst gefärbt. Dieser stolze Do-it-yourself-Kult zeigt, dass die Menschen im Osten keineswegs grau oder modisch abgehängt waren, sondern mit viel Phantasie und handwerklichem Geschick ihren ganz eigenen, modebewussten Ausdruck schufen.

Eine Ausstellung zur DDR Modezeitschrift „Sibylle“ in Potsdam. Foto: picture alliance / dpa/Nestor Bachmann

Die staatliche Modezeitschrift „Sibylle“ bot ab 1956 Inspirationen zum Selbernähen. Gegen Ende der 1950er Jahre setzte der Staat verstärkt auf synthetische Kunstfasern wie das neu entwickelte „Dederon“ (1959), das fortan Kittelschürzen und Beutel prägte, von der nach Jeans verlangenden Jugend jedoch oft als altmodisch abgelehnt wurde.

Schloss Bedheim: Saurier und Schiller

 Das Schloss Bedheim (Römhild, Landkreis Hildburghausen) ist eine fast vollständig erhaltene, barocke Gutshofanlage von nationaler Bedeutung, die heute als lebendiges Kultur- und Begegnungszentrum genutzt wird. Entstanden ist es aus einer mittelalterlichen Wasserburg, die 1169 erstmals urkundlich erwähnt wurde.

 Seit dem 18. Jahrhundert befindet sich das Anwesen im Besitz der Familie Rühle von Lilienstern, deren Nachfahren die Anlage gemeinschaftlich sanieren, bewohnen und für die Öffentlichkeit öffnen.

Im Schloss lebte Charlotte von Wolzogen, eine Jugendliebe Friedrich Schillers. Bis 1969 beherbergte es zudem ein bekanntes paläontologisches Heimatmuseum mit Saurierskeletten

Von Mai bis Oktober öffnet an Sonn- und Feiertagen von 13 bis 18 Uhr das idyllische Gartencafé im ehemaligen Wachhaus. Es bietet biologische, regionale Kuchen und Säfte mit Früchten aus den schlosseigenen Streuobstwiesen. www.schloss.bedheim.de