Ferientipp Mit dieser Burg wurde Hessen aus Thüringen regiert

Kinder und Jugendliche zahlen auf der Wilhelmsburg in Schmalkalden während der Sommerferien keinen Eintritt. Die Anlage ist in Deutschland einzigartig – und war einmal hessische „Hauptstadt“, obwohl sie heute in Thüringen liegt.

Schloss Wilhelmsburg in Schmalkalden war eine Nebenresidenz der hessischen Landgrafen. Das Schloss ist seit der Renaissance unverändert, was es einzigartig macht. Foto: ari

Schloss Wilhelmsburg in Schmalkalden öffnet seine Tore für junge Besucher kostenlos. Bis zum Ende der Thüringer Sommerferien am 16. August erhalten Kinder und Jugendliche bis einschließlich 14 Jahre freien Eintritt in die imposante Renaissanceanlage über den Dächern der Fachwerkstadt.

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Das Schloss zählt zu den bedeutendsten Renaissancebauten Deutschlands und wirkt mit seinen vier Flügeln, den steinernen Treppentürmen und dem großen Innenhof fast wie eine Kulisse aus einem Historienfilm.

Hier schlief der Landgraf. Museumsdirektor Kai Lehmann zeigt auch das sagenhafte „Moritz-Bett“. Foto: Michael Reichel/ari

Für Kinder wird der Rundgang schnell zur Zeitreise: Hinter den dicken Mauern warten kunstvoll bemalte Decken, historische Waffen, alte Handwerkskunst und spannende Einblicke in das Leben vor mehr als 400 Jahren.

Besonders beeindruckend ist die Schlosskirche. Sie gilt als eine der ältesten und schönsten protestantischen Schlosskirchen Deutschlands. Farbenprächtige Verzierungen, eine außergewöhnliche Architektur und die berühmte Renaissance-Orgel machen sie zu einem Höhepunkt des Besuchs.

Ein Konzert in der Schlosskirche (Archiv). Foto:  /Michael Bauroth

Auch der Festsaal und die ehemaligen Wohnräume der hessischen Landgrafen erzählen von einer Zeit, als Fürsten, Hofbeamte und Bedienstete das Schloss bevölkerten. Wer durch die langen Gänge streift, kann sich leicht vorstellen, wie hier einst Hofleben, Politik und Festlichkeiten stattfanden.

Da das Schloss nie als Kaserne genutzt oder durch Kriegszerstörungen entstellt wurde, bietet es einen unverfälschten Einblick in die Architektur und Lebenswelt der Spätrenaissance.

Wie Schmalkalden zu Hessen kam, dann zu Preußen und schließlich zu Thüringen

Dabei ist Schloss Wilhelmsburg nicht nur ein Museum, sondern selbst ein Stück Geschichte: Nachdem die Landgrafen von Hessen 1583 die alleinige Herrschaft über Schmalkalden übernommen hatten (zuvor regierten sie mit den fränkischen Hennebergern), ließ Landgraf Wilhelm IV. die mittelalterliche Burg auf dem Schlossberg abreißen.

Von der Wilhelmsburg aus blickt man auf die Lutherkirche in Schmalkalden. Foto: picture alliance / dpa/Martin Schutt

Ab 1584 entstand die nach ihm benannte Wilhelmsburg, die bis heute nahezu in ihrem ursprünglichen Zustand erhalten geblieben ist und damit als architektonisches Juwel gilt. Wilhelm IV. von Hessen erhob die Stadt Schmalkalden zu einer seiner Nebenresidenzen.

Der Hauptregierungssitz und die eigentliche Hauptstadt der Landgrafschaft Hessen-Kassel war zwar Kassel, aber die Landgrafen nutzten das Schloss in Schmalkalden für gelegentliche Besuche, repräsentative Zwecke, zur Jagd oder bei politischen Zusammenkünften. Wenn der Landgraf vor Ort war, wurden Regierungsgeschäfte für kurze Zeit auch von dort aus unterzeichnet. die Wilhelmsburg war in dem Moment also die Hauptstadt von Hessen.

Der Eingang zur Wilhelmsburg. Foto: picture alliance / Martin Schutt/dpa

Aber das war kein Status auf Dauer. Die kostspielige Hofhaltung des Landgrafen Moritz von Hessen-Kassel führte 1626 zu einer Verpfändung der Herrschaft Schmalkalden an die Landgrafschaft Hessen-Darmstadt, die bis zum Ende des Dreißigjährigen Krieges 1648 dauerte. Die stark in wirtschaftlichem Niedergang versunkene Herrschaft Schmalkalden erhielt den Beinamen „Hessisch Sibirien“, weil in die Exklave oft missliebige Beamte abgeschoben wurden.

Und wie kam Schmalkalden dann von Hessen nach Thüringen? Die Antwort ist: über kriegerische Umwege. Preußen führte 1866 den sogenannten Deutschen Krieg gegen den Deutschen Bund, um Österreich abzuservieren. Österreich war zuvor immer ein Teil Deutschlands, das unter verschiedenen Bezeichnungen „firmierte“. Die Preußen siegten und so wurde Schmalkalden preußisch.

Dieses Schicksal hatten Suhl und Schleusingen sowie Teile des Rennsteigs schon 1815 (die waren zuvor sächsisch). Das heutige Bundesland Thüringen wurde erst 1920 gegründet. Was aber alle diese Gebiete über eine längere Strecke verbindet: Sowohl Schmalkalden und Umgebung, Suhl und die anderen Regionen im heutigen Südthüringen wurden wesentlich von den fränkischen Grafen von Henneberg geprägt – sprachlich verbindet das Fränkische in seinen verschiedenen Färbungen die gesamte Region.

Wandern um Schmalkalden

Neben dem Schloss lohnt sich auch ein Blick auf die Außenanlagen. Der historische Terrassengarten wurde in den vergangenen Jahren auf Grundlage alter Pläne rekonstruiert. Von hier bietet sich ein weiter Blick über die Stadt und die umliegenden Berge des Thüringer Waldes. Die Region ist auch ein wunderbares Wandergebiet.

Die Ferienaktion mit dem kostenlosen Eintritt gilt bis zum Ende der Thüringer Sommerferien für alle Kinder und Jugendlichen bis 14 Jahre. Familien, Feriengruppen und Schulfreunde sind willkommen. Die Familienkarte kostet 20 Euro, ein Erwachsener alleine zahlt acht Euro.

Öffnungszeiten des Museums auf Schloss Wilhelmsburg in Schmalkalden: April bis Oktober täglich von 10 bis 18 Uhr. Letzter Einlass ist jeweils 60 Minuten vor Schließung.