Das Hochofen- und Werkzeugmuseum „Neue Hütte“ bei Schmalkalden verwandelt sich in den Sommerferien in einen Ort, an dem Kinder und Jugendliche Geschichte selbst erleben können.
Robin Radl leitet seit 2024 das Hochofen- und Werkzeugmuseum in Schmalkalden. Foto: ichael Bauroth
Mit spannenden Führungen und faszinierenden Einblicken in die Welt der Eisenherstellung im Raum Schmalkalden bietet das Hochofen- und Werkzeugmuseum „Neue Hütte“ ein Ausflugsziel, das in Thüringen seinesgleichen sucht. Es gehört zu den bedeutendsten technischen Denkmalen des Freistaates. Wer die Neue Hütte besucht, betritt einen Ort, an dem über Jahrzehnte Eisen hergestellt wurde.
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In der Hochofenanlage wurden von 1835 bis 1924 einheimische Eisenerze auf Holzkohlebasis zu Roheisen verhüttet. Mit seiner Konstruktion und technischen Ausrüstung stellt sie ein Verbindungsglied zwischen dem mittelalterlichen Rennfeuer und dem modernen Kokshochofen dar. Er ist eines der letzten Zeugnisse dieser Technologie in Mitteleuropa, die den Übergang zur modernen industriellen Herstellung von Roheisen zeigen. Zudem ist die Neue Hütte einer der letzten Standorte, an denen sich eine frühindustrielle Hochofenanlage aufgrund des sehr guten Erhaltungszustands noch in ihrer Gesamtheit nachvollziehen lässt.
Ein ehemaliger Rennofen (Rennfeuer) aus dem 13. Jahrhundert wurde beispielsweise bei archäologischen Grabungen auf dem Schmiedhof entdeckt. Er belegt die über 1000 Jahre alte Tradition der Eisengewinnung und -verarbeitung in Schmalkalden.
Der mächtige, 9,60 Meter hohe Hochofen, der bis heute erhalten geblieben ist, vermittelt eindrucksvoll, unter welch schwierigen Bedingungen die Menschen im 19. Jahrhundert arbeiteten. Wo früher Hitze, Rauch und flüssiges Eisen den Alltag bestimmten, erfahren Besucher heute, wie aus Eisenerz mithilfe von Holzkohle Roheisen entstand – die Grundlage für Werkzeuge, Maschinen und viele Alltagsgegenstände.
Hochofen: Blick in das Innere des Museums. Foto: Michael Bauroth
Der Hochofen produzierte damals in einem durchgehenden Schmelzgang innerhalb von 24 Stunden etwa vier bis fünf Tonnen Roheisen. Dafür benötigte er rund zehn Tonnen Erze und Zuschläge sowie fünf Tonnen Holzkohle. Besucher können den originalen Ofen vollständig erkunden und bis zu einer Höhe von über elf Metern hinaufsteigen.
Faszinierende Ausstellungen
In einer umfangreich gestalteten modernen Ausstellung in den ehemaligen Holzkohleschuppen wird die Entwicklung der Kleineisenproduktion von den Anfängen im 8. Jahrhundert bis in die moderne Zeit dargestellt. Von der einfachen zünftigen Handwerkerschmiede bis zum modernen Industriebetrieb werden Technologien und Produkte im Zusammenhang mit politischer und wirtschaftlicher Entwicklung der Stadt Schmalkalden gezeigt. Zu sehen ist ebenfalls eine rekonstruierte Wasserkraftanlage.
In einer Sonderausstellung ist seit Sommer vergangenen Jahres Kinderspielzeug aus Schmalkalder Produktion zu sehen.
Gerade für Familien ist das Museum ein ideales Ausflugsziel. Anders als in vielen Ausstellungen dürfen Kinder hier entdecken, rätseln und selbst aktiv werden. Während der Sommerferien stehen gleich mehrere Mitmachangebote auf dem Programm.
Bei einer Arbeitsschichtführung zum Beispiel schlüpfen Kinder und Jugendliche in die Rolle früherer Hüttenarbeiter. Sie erleben, wie der Arbeitsalltag in einem Eisenwerk aussah und welche Aufgaben damals bewältigt werden mussten. Eine weitere Führung richtet sich an Jugendliche zwischen elf und 17 Jahren und erklärt anschaulich die chemischen Vorgänge im Hochofen – vom Eisenerz bis zum fertigen Roheisen.
Foto: michael bauroth
Auch jüngere Besucher kommen nicht zu kurz. Während der gesamten Ferien lädt das Museum Kinder zwischen sechs und elf Jahren zu einer Schatzsuche ein. Ohne Anmeldung können sie auf Entdeckungstour gehen, Quizfragen lösen und mit etwas Spürsinn eine kleine Überraschung finden.
Foto: michael bauroth
Ebenso spannend ist das Werkzeugmuseum. Es zeigt, warum Schmalkalden über Jahrhunderte als bedeutender Standort der Eisen- und Werkzeugherstellung galt – und nach wie vor gilt. Vom handgeschmiedeten Werkzeug bis zur industriellen Fertigung wird die Entwicklung eines Wirtschaftszweiges nachgezeichnet, der die Region nachhaltig geprägt hat. Zahlreiche historische Maschinen, Werkzeuge und Originalexponate machen deutlich, mit welchem handwerklichen Können die berühmten „Schmalkalder Artikel“ hergestellt wurden.
Ein Besuch lohnt sich aber nicht nur für Technikinteressierte. Das Museum verbindet Naturwissenschaft, Geschichte und Regionalgeschichte auf verständliche Weise. Kinder lernen spielerisch, Erwachsene entdecken ein außergewöhnliches Kulturdenkmal, und Großeltern können gemeinsam mit ihren Enkeln auf Zeitreise gehen. Durch die Mitmachangebote bleibt der Museumsbesuch abwechslungsreich und lebendig.
Wer also in den Sommerferien nach einem Ausflugsziel sucht, das Wissen, Spaß und Geschichte miteinander verbindet, findet in der Neuen Hütte ein echtes Erlebnis. Zwischen historischem Hochofen, spannenden Experimenten, Schatzsuche und faszinierenden Geschichten über das Leben der Eisenarbeiter wird Vergangenheit lebendig – und genau das macht den besonderen Reiz dieses Museums aus.
Aktuelles Ferienprogramm
Am Donnerstag, 30. Juli, um 14 Uhr steht eine Hochofenführung mit dem Schwerpunkt auf den chemischen Prozessen der Eisenherstellung auf dem Programm. Das Angebot richtet sich an Elf- bis 17-Jährige und vermittelt anschaulich, wie aus Erz Eisen entsteht.
Während der gesamten Ferien können Kinder im Alter von sechs bis elf Jahren jederzeit und ohne Anmeldung an einer Schatzsuche teilnehmen. Dabei gilt es, ein Quiz zu lösen und den Schatz zu finden. Als Belohnung wartet eine kleine Überraschung. Der Preis beträgt vier Euro pro Kind. Das Museum bittet für die Führungen um eine kurze Anmeldung, entweder per Mail unter info@hochofenmuseum.de oder telefonisch unter 03683/403018.
Hochofen- und Werkzeugmuseum
ÖFFNUNGSZEITEN 1. April bis 31. Oktober: Mittwoch bis Sonntag 10 bis 17 Uhr, 1. November bis 31. März: Donnerstag bis Sonntag 11 bis 16 Uhr. Für Gruppen können auch außerhalb der Öffnungszeiten Termine vereinbart werden.
PREISE: Erwachsene sechs Euro, Erwachsenengruppe ab zerhn Personen pro Person fünf Euro; Ermäßigungsberechtigte wie Schüler, Studenten, Schwerbehinderte und Begleitung vier Euro pro Person. Schülergruppen ab zehn Personen pro Person drei Euro. Familienkarte 15 Euro (zwei Erwachsene und Kind). Kombikarte Museum Neue Hütte und Besucherbergwerk Finstertal in Asbach Erwachsene.
GASTRONOMIE: Augustiner Biergarten am Hochofen, Donnerstag bis Sonntag, ab 11 Uhr.
ANFAHRT: Mit dem Auto aus Richtung Schmalkalden über die Gothaer Straße (L1026) in Richtung Floh-Seligenthal fahren. Parkplätze ausreichend vorhanden. Das Museum liegt direkt am Mommelsteinradweg, einer ehemalige Bahntrasse.