Ferienkinder begeistert Burgvogt gibt Lehrstunde in Stadtgeschichte

Annett Recknagel

In zwei Gruppen gingen Grundschüler am Dienstag mit dem Burgvogt, alias Stephan Herwig, auf Tour – und natürlich führte der historische Rundgang zum Wahrzeichen Hallenburg.

Steinbach-Hallenberg - Zauberer und Hexen gab es im Mittelalter genügend. Warum also sollte nicht ein altes Mütterchen mit einer Bürste und einem bitterbösen Spruch auf den Lippen den Arzberg verhext haben? „Bergwerk du, schließ dich zu!“ Kaum hatte der Burgvogt den Spruch gesagt, da flog auch schon die Bürste, es knallte kurz, aber heftig – und weg war das Bergwerk. Für alle Zeit.

Der Arzberg ist den Steinbach-Hallenbergern glücklicherweise geblieben. Wie der Name schon andeutet, wurde dort anno dazumal Erz abgebaut. Eisenerz. Sehr wertvolles noch dazu. Kein Wunder also, dass der Arzberg beschützt werden musste. Fränkische Räuberbanden nämlich wurden ein ums andere Mal gesichtet. Der Begriff Raubritter fiel. „Ich kenne die Geschichte“, rief Moritz.

Doch gemach – der Burgvogt ließ sich nicht gerne ins Wort fallen. Ohnehin musste das Volk schweigen, wenn er redete. So auch bei seinem jüngsten Rundgang mit den Grundschülern. Zwei Gruppen Ferienkinder lernten ihn und die Schätze aus seinem Zauberrucksack kennen. „Seid gegrüßt, mein geliebtes Volk“, schrie er den Kindern entgegen. Die antworteten gehorsam mit: „Sei gegrüßt Burgvogt.“

Zuallererst wurden die Regeln geklärt. „Wenn ihr eure Haxen brechet oder euer Gesicht aufschlaget – das zahlet nicht der Burgvogt und auch nicht der Bürgermeister“, verkündete er und riet den Kindern, umsichtig zu sein. Weiter meinte er: „Wenn der Burgvogt redet, schweigen die Hühner.“ Damit war alles gesagt und los ging es in Richtung Schlossberg. Zuvor wurde noch fix der Schlachtruf geübt. „Es lebe die Burg!“, brüllte der edle Mann und die Kinder wiederholten diese vier Worte. Im Laufe der einstündigen Tour wurden sie diesbezüglich erwartungsgemäß immer besser und natürlich lauter.

Stephan Herwig beherrschte seine Rolle als Burgvogt auf dem Effeff. Er schritt voran, erzählte vom Eisenerz, Köhlern, Raubrittern, dem Steinbächer, Eisenhämmern, Hufeisen und vom Spurenlesen. Am Affenplatz wies er auf den Brunnen hin und kramte in seinem Rucksack nach einer hölzernen Schöpfkelle.

Die tauchte er ins Wasser ein und schwupp – schon hatten die Kinder ein paar Wassertropfen abgekriegt. Für Spaß war gesorgt. „Das hier war früher ein Badebrunnen“, erklärte er. Unter Obhut des Baders hätten die Ritter früher so manches Bad genommen.

So ein Bader sei der „Medizinmann des armen Mannes gewesen“. Er habe Haare geschnitten, Knochen eingerenkt und sogar vorm Zähneziehen sei er nicht zurück geschreckt. Plötzlich hielt der Vogt eine Otter in seinen Händen. Glücklicherweise war sie aus Holz. In grauen Vorzeiten stahl ein Bösewicht aus Schmalkalden dem Tier angeblich die Krone.

Die Otter trommelte sämtliches kriechende Getier zusammen und jagte es kurzerhand hinter dem Dieb her. Der aber war schneller. Als die kriechende Schar in Schmalkalden ankam, waren die Stadttore längst geschlossen. Zum Glück – ansonsten gäbe es die „Goldene Krone“ heute nicht. Gerade mit derlei Sagen, Geschichten und Anekdoten gelang es dem Burgvogt, die Kinder in seinen Bann zu ziehen. Waren sie Sekunden vorher noch unaufmerksam, gaben sie keinen Laut mehr von sich, sobald der edle Vogt erzählte.

Dass man über den Schlossberg hinauf zur Hallenburg stieg, war Ehrensache. Da störte nicht mal der einsetzende Regen. „Wir grüßen die Baumeister“, schrien Burgvogt und Kinder oben auf dem Plateau. Man war bester Stimmung. Der Ferientag war gelungen. Der Burgvogt freute sich. Insgesamt waren alle froh, endlich wieder aus der Schule raus in die Stadt zu dürfen. Die Herbstferien aber haben noch weitaus mehr zu bieten. Sport und Spiel in der Haseltal-Halle, Kino mit Popcorn in der Schule, Kegeln und eine Wanderung mit Drachensteigen sind geplant. Außerdem hat sich in der zweiten Ferienwoche der Märchenerzähler Leo Fabelstein angesagt.

Zum Knüllfeld soll gewandert werden und auch einen Kreativtag wird es noch geben. Beendet werden die Herbstferien in der Haseltal-Schule mit einem Ausflug ins Spieleparadies nach Emleben.

 

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