Fasching im Ilm-Kreis Die Jecken starten in die fünfte Jahreszeit

, und Berit Richter

Endlich konnten sie wieder feiern: Trotz steigender Corona-Zahlen ließen es sich die Jecken im Landkreis dieses Jahr nicht nehmen, am Donnerstag den Auftakt in die fünfte Jahreszeit gebührend zu zelebrieren.

Ilmenau

So war die Stimmungsmusik auf dem Ilmenauer Marktplatz, auf dem der Ilmenauer Karnevalklub (IKK) feierte, schon von weitem zu hören. „Wir feiern heute mit 3G!“, rief Zeremonienmeister Toralf Asche in die Menge. „Es wird gelacht, es wird gesungen, es wird gesoffen!“

Nach der Werbung weiterlesen

Um die 100 Schaulustige waren gekommen, um zu sehen, wie das diesjährige Prinzenpaar, Astrid I. und Christoph I. inthronisiert wurden und der IKK pünktlich um 11.11 Uhr Oberbürgermeister Daniel Schultheiß den Rathausschlüssel abnahm. Und weil die Jecken damit nun die Stadtobersten sind, müssen sie bis Aschermittwoch wieder drei Aufgaben, gestellt vom Oberbürgermeister, erfüllen.

Wobei ... irgendwie sind es in diesem Jahr dann doch mehr Aufgaben geworden. „Denn die drei Aufgaben aus dem vergangenen Jahr habt ihr nicht erfüllt“, so Schultheiß. „Deshalb ist es eure erste Aufgabe, die drei Aufgaben aus dem Vorjahr abzuarbeiten.“ Die lauteten damals, dass der IKK zum Ersten die Pandemie-Situation auflösen, zum Zweiten ein Sportfest für alle Ortsteile organisieren und zum Dritten eine große Veranstaltung für alle Kulturschaffenden, Gastronomen und Kneipiers auf die Beine stellen müsse. Nun haben die Karnevalisten bis Aschermittwoch Zeit, sich diesen Herausforderungen erneut zu stellen.

Doch damit nicht genug. Es gab noch zwei weitere, neue Aufgaben. Nachdem sich die Sanierung der Festhalle verzögert, weil Unbekannte die Baustelle fluteten, verlangt Schultheiß von den IKK-Mitgliedern, dass sie einen Wachdienst organisieren, bis die Festhalle fertiggestellt ist. „Zehn Jahre? Das schaffen wir nicht!“, rief da Toralf Asche entgeistert dazwischen.

Und noch eine dritte, gesamtgesellschaftliche Aufgabe wurde an den IKK herangetragen. „Es gibt ein riesen Problem mit dem demografischen Wandel. Die Leute kriegen zu wenige Kinder“, leitete Schultheiß seine Aufgabe ein. Darum müsse sich nun der IKK kümmern und die Geburtenrate auf 2,4 Kinder pro Familie steigern. Toralf Asche hob schnell die Hände. „Ich habe meinen Anteil dazu schon geliefert – sogar mit eineinhalb Meter Abstand“, sagte er verschmitzt und hatte die Lacher auf seiner Seite.

Einen weiteren Grund zum Feiern gab es für den IKK abschließend noch, als Ehrenpräsident Rolf Frielinghaus im Namen des Bundes Deutscher Karneval eine Ehrenschleife für das 50-jährige Vereinsbestehen übergab.

Stützerbach

In einer nur kleinen Runde ging es hingegen in Stützerbach in die fünfte Jahreszeit. Vereinschef Jens Thurau und weitere Mitglieder des Elferrates warteten vor der Bimb (Haus des Gastes) vergebens auf die jungen Karnevalisten, die sonst aus Kindergarten und Grundschule der Schlüsselübergabe beiwohnten und immer reichlich mit Kamelle belohnt wurden. Immerhin, Ortsteilbürgermeister Frank Juffa war zur Stelle, um den Bimb-Schlüssel zu übergeben. „Eigentlich müsstet ihr euch den Schlüssel vom OB in Ilmenau holen. Die haben die Finanz- und Schlüsselgewalt“, sagte Frank Juffa, der zu diesem Zeitpunkt noch fest diesen markanten Schließer mit SCV-Beschriftung im Schlüsselkopf und Bimb-Name im Schlüsselbart in seinen Händen hielt, der Schlüssel, der eindeutig darauf verweist, welchen Zweck er erfüllt.

Der Vereinsvorsitzende hofft derweil, dass im Januar/Februar doch noch etwas stattfinden kann, damit die Kinder im Verein dabeibleiben, die Woche für Woche ihre Tänze proben. Dass sich am Donnerstag keiner aus Schule und Kindergarten auf dem Platz vor dem Haus des Gastes postiert hatte, der mit etwas Musik beschallt wurde, machte den langjährigen DJ und Moderator des SCV, Dieter Störmer, traurig. „Ich stand noch nie auf der Bühne oder vor dem Festplatz mit so wenig Publikum.“

Dann ging es „auf in den Saal“. Die „Kamelle“, die Ortsteilbürgermeister Juffa für den Vereinsvorstand mitbrachte (ein kleines Fässchen Bier), war schneller in der Bimb, als man schauen konnte. Thurau und Vereinsmitglied Ivo Zoschke entrollten auf der Bühne ein Plakat. „Kap der Guten Hoffnung“ war darauf zu lesen. Das soll das Motto der 33. Karnevalssaison in Stützerbach sein. Dass es diese überhaupt gibt, sei allen Sponsoren, Freunden, Gönnern des Vereins zu verdanken, die mit Material und Geld über die Durststrecke der auferlegten veranstaltungsfreien Zeit geholfen haben, heiß es.

Die nächste Veranstaltung hatte der Verein eigentlich schon im Blick. Es sollte einen kleinen Umzug durch das Dorf geben mit einem kleinen Programm vor den Türen der Bewohner. Dumm nur, dass man bei der Planung nicht daran gedacht hatte, dass der dafür vorgesehene Sonntag Volkstrauertag ist. Also wird jetzt ein Alternativtermin gesucht. Wie es mit der geplanten Auftaktveranstaltung am 20. November aussehen wird, ist ungewiss.

Arnstadt

„Ich sehe, es geht noch. Darauf haben wir so lange gewartet, über ein Jahr“, freute sich Narrhalla-Präsident Norbert Fuchs in Arnstadt, nachdem er Punkt 11.11 Uhr vom zahlreich auf dem Marktplatz erschienenen Publikum die ersten „Bock Arnscht“-Rufe abgefordert hatte. Die Freude, endlich wieder gemeinsam feiern zu können, war allen Narren anzumerken. Und da man nicht weiß, was die nächsten Wochen bringen werden, wurde gleich einmal ein kleines Programm auf die Bühne gestellt, mit Gesang und Tanz der beiden Arnstädter Karnevalvereine.

Zunächst aber musste Bürgermeister Frank Spilling den Rathausschlüssel ans Prinzenpaar Sebastian II. und Ulrike II. abgeben. Allzu sehr sträubte sich das Stadtoberhaupt nicht dagegen. In seiner launigen Rede beklagte sich Spilling über die Bürger, die offene Rathaustüren gefordert und die Büroruhe gestört hätten. Und auch sonst zeige sich das Volk undankbar. „Bau ich Straßen, schreien sie Stau, bau ich keine, nölen sie auch. Bau ich Häuser auf den Äckern, gibt es wieder was zu meckern. Rettet unsere Streuobstwiese."

„Nehmt den Schlüssel, lasst mich in Ruhe. Ich will eine Alm, kauf mir eine Kuh, die ist dankbar, friedlich, niedlich, nölt nicht rum und sagt, ich will nicht“, meinte Spilling abschließend. Mit den Narren werde alles besser, versprach Prinz Sebastian II. „Statt langweiliger Stadtratssitzungen machen wir ausgelassene Stimmung im Rathaus, statt hoher Papierstapel gibt es bei uns nur Konfetti, statt ellenlanger Diskussionen gibt es bei uns Spontanität und Frohsinn“, sagte er.

Ob die Narren am Aschermittwoch wirklich den Rathausschlüssel wieder rausrücken, ließen sie offen. Sollte es coronabedingt doch nichts werden mit den Karnevalsfeiern im Januar und dem Umzug im Februar, dann werde man einfach weiter regieren, bis 2023 oder auch bis 2030, ließen sie wissen.

Ihren Blumenstrauß kann Ulrike II. auch bis dahin nutzen, ließ sie doch wissen, dass sie gern auf den sonst obligatorischen frischen Blumenstrauß zu jedem Auftritt verzichte. Das Geld möge lieber für das soziale Projekt des Prinzenpaares gespendet werden – Sportgeräte für die Kindergärten.

Das letzte Arnstädter Prinzenpaar, Ulrike I. und Marko I, aus der Saison 2019/20 übergab neben dem Zepter auch noch ein paar gute Ratschläge. „Es wird eine ganz tolle Lebenserfahrung werden, die ihr habt“, sagten sie.